Kabarettist on tour

Mit null Euro elektrisch durch die Republik fahren

Tirol
16.07.2026 19:00

Ab 1. August will Gabriel Castañeda Österreich mit dem E-Scooter durchqueren – ohne einen Cent auszugeben. Bezahlt wird mit Arbeit, Humor und ungewöhnlichen Gegenleistungen.

Die Inspiration kam von Ewan McGregor. In der Fernsehserie „Long Way Round“ fuhr der Schauspieler mit Charley Boorman auf Motorrädern von London bis New York – auf der langen Route Richtung Osten. Gabriel Castañeda war begeistert. „Aber ich bin weder Multimillionär noch ein Hollywood-Superstar“, sagt der beliebte Tiroler Comedian. Also stampfte er die große Reise auf ein österreichisches Format ein: E-Scooter statt Motorrad, Strengen statt London, Hainburg anstatt New York.

Am 1. August geht es los. Drei Wochen lang will Castañeda Österreich durchqueren – ohne Geld. Essen, Strom und Schlafplätze will er sich mit Gegenleistungen verdienen. „Ich möchte nichts geschenkt bekommen. Ich will den Menschen, die mir helfen, auch etwas geben.“

Arbeit am Bau gegen ein Würstel mit Brot und Senf
Die ersten Angebote gibt es bereits: Stall ausmisten, Fenster putzen, Hunde ausführen oder beim Hausbau helfen. Ein Follower versprach ihm Würstel, wenn er auf der Baustelle mit anpackt. Natürlich könnte Castañeda auch kleine Comedyauftritte geben. Spannender findet er jedoch Aufgaben, die ihn aus seiner Komfortzone holen. „Genau das dürfte für die Leute am lustigsten werden.“ Ganz ohne Sicherheitsnetz reist er dennoch nicht. Eine Bankomatkarte bleibt für echte Notfälle im Gepäck. Dazu kommen Campingkocher und Lebensmittel. „Bevor ich verhungere, werde ich mir natürlich etwas kaufen. Ich gehe aber davon aus, dass es nicht notwendig sein wird.“

Geld hat er keines dabei.
Geld hat er keines dabei.(Bild: Johanna Birbaumer)

Vom Oberländer Strengen bis nach Hainburg
Die Reise beginnt vor seiner Haustür in Strengen und führt zunächst Richtung Osten. Wien ist das Mindestziel, idealerweise will Castañeda bis Hainburg an der Donau gelangen. Danach fährt er mit dem Zug zurück nach Landeck und nimmt die Weststrecke über den Arlberg bis Bregenz in Angriff. Eine fixe Route gibt es nicht. Wohin er fährt, entscheiden jene Menschen, die ihm Arbeit, Essen oder einen Schlafplatz anbieten.

„Wenn ich eigentlich nach Salzburg will, mir aber jemand in Bischofshofen eine Übernachtung anbietet, muss ich eben dorthin.“ In Tirol rechnet Castañeda aufgrund seiner Bekanntheit mit viel Unterstützung. Richtung Osten könnte es schwieriger werden. Ob Menschen am Land tatsächlich hilfsbereiter sind als in der Stadt, will er herausfinden.

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Ich hasse zelten. Ich bin eine totale Prinzessin.

Gabriel Castañeda

80 elektrische Kilometer im Idealfall am Stück 
Wie weit der Scooter tatsächlich kommt, weiß er noch nicht. Der Hersteller verspricht 80 Kilometer Reichweite. Castañeda ist skeptisch. „Das werde ich am ersten Tag herausfinden.“ Mit dabei sind Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kleidung, Kameras, Akkus und eine Drohne. Ein Produktionsteam gibt es nicht. „Ich bin Kameramann, Tonmann, Assistent und Aufnahmeleiter. Ich bin eine kleine Ich-AG.“ Auf seinem WhatsApp-Kanal „Ohne Geld durch Österreich“ will er täglich veröffentlichen, wo er sich befindet. Dadurch sollen Menschen aus der Umgebung spontan Arbeit oder Hilfe anbieten können.

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Ich habe mir fünf Kilo Fett angefressen, damit ich Reserven habe, falls alles schiefläuft.

Gabriel Castañeda

Die Tiroler Prinzessin auf der Isomatte
Der geborene Abenteurer ist Castañeda nach eigener Einschätzung nicht. Er schaue sich zwar gerne Videos von Menschen an, die mit Motorrädern durch Wüsten fahren. Selbst schlafe er aber am liebsten im eigenen Bett. „Ich hasse zelten. Ich bin eine totale Prinzessin.“ Selbst zu Hause müsse der Polster richtig liegen. Was er bereits am zweiten Tag verfluchen wird, weiß er deshalb lachend schon jetzt: „Die gesamte Idee.“ Für sein Durchhaltevermögen hat er auf ungewöhnliche Weise vorgesorgt. „Ich habe mir fünf Kilo Fett angefressen, damit ich Reserven habe, falls alles schiefläuft.“ Handwerkliches Geschick dürfte unterwegs wichtiger werden als Humor.

Castañeda rechnet damit, den Scooter auf den rund 800 Kilometern reparieren zu müssen. Abbrechen würde er nur, wenn mehrere Tage lang niemand bereit wäre, ihm zu helfen, oder das Projekt völlig ins Leere laufe. Damit rechnet er allerdings nicht. Die schönste Geschichte wäre für ihn ohnehin jene, die mit einem einfachen Satz endet: „Ich würde es sofort noch einmal machen.“ 

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