War selbst Gewaltopfer
Britin 70 Jahre nach ihrer Hinrichtung begnadigt
Ruth Ellis war die letzte Frau, die in Großbritannien hingerichtet wurde. 70 Jahre nach ihrer Exekution durch Erhängen ist die Britin nun begnadigt worden. Sie hatte 1955 ihren gewalttätigen Partner erschossen – die häusliche Gewalt war jedoch kein Thema vor Gericht. Der Justizminister sprach von einer „schwere Ungerechtigkeit“, die Ellis widerfahren sei.
Ellis wurde im Alter von 28 Jahren 1955 zum Tode verurteilt, weil sie ihren damaligen Lebensgefährten David Blakely erschossen hatte. Die junge Frau war jedoch selbst das Opfer häuslicher Gewalt – nur zehn Tage vor seinem Tod hatte Blakely der schwangeren Ellis einen Schlag in den Bauch versetzt, was zu einer Fehlgeburt führte.
Häusliche Gewalt sollte vor Gericht nicht berücksichtigt werden
Vor einem Lokal in London feuerte die junge Frau schließlich mehrere Schüsse auf ihren Partner ab – dieser erlag auf der Fahrt ins Krankenhaus seinen Verletzungen. Vor Gericht erwirkte die Richterin jedoch, dass die Gewalt, die die zweifache Mutter in der Beziehung erlitten hatte, nicht in der Verhandlung berücksichtigt wurde. Nach nur 20 Minuten Beratung hatten die Geschworenen Ellis schließlich zum Tode verurteilt.
Noch im selben Jahr wurde Ellis gehängt – sie sollte die letzte Frau sein, die in Großbritannien exekutiert wurde. Nur zwei Jahre später wurde die verminderte Schuldfähigkeit als Möglichkeit zur Strafminderung eingeführt, was der Angeklagten vielleicht das Leben hätte retten können. 1973 wurde die Todesstrafe schließlich abgeschafft.
Die Familie der Hingerichteten hatte sich jahrzehntelang dafür eingesetzt, dass die Verurteilung wegen Mordes aufgehoben wird, da sie selbst ein Opfer von Gewalt gewesen sei und von Bleakly körperlich und psychisch misshandelt wurde. Nun wurde Ellis späte Gerechtigkeit zuteil.
Enkelin freut sich: „Endlich Gerechtigkeit“
„Ich habe die Ehre, bekannt zu geben, dass Seine Majestät der König auf unsere Empfehlung hin zugestimmt hat, Ruth Ellis eine bedingte Begnadigung zu gewähren“, erklärte der britische Justizminister David Lammy. Mas wolle damit eine „schwere Ungerechtigkeit“ anerkennen. Zwei Enkelkinder der Hingerichteten befanden sich auf einer Zuschauertribüne, als die Begnadigung verkündet wurde.
Für die Angehörigen bedeutet dieser Schritt eine Erleichterung. „Heute hat unsere Großmutter endlich Gerechtigkeit erfahren“, freute sich Ellis Enkelin Laura Enston. „Diese Begnadigung macht nicht ungeschehen, was vor 71 Jahren geschehen ist. Aber sie bekräftigt offiziell und endgültig, dass Ruth nicht hätte hingerichtet werden dürfen und dass die Justiz ihr Ungerechtigkeit zugefügt hat.“










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