Gekündigter klagte

Rauswurf von Klinikchef: „Sogar Betriebsrat dafür“

Tirol
09.07.2026 08:00

Vor zwei Jahren wurde der renommierte Mediziner Andreas Kolk von der Medizin-Universität Innsbruck vor die Tür gesetzt. Seither kämpft er vor dem Arbeitsgericht dagegen an. Ein außergewöhnlicher Fall, bei dem sich nun der Ex-Rektor für den Rauswurf erklären musste. 

Job weg, Ruf beschädigt, Träume zerplatzt. Dabei hatte Andreas Kolk als Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie viel vor. Doch es kam ganz anders. 2019 wurde der angesehene Mediziner nach Tirol geholt, im Juli 2024 von der Medizin-Uni als Arbeitgeber vor die Tür gesetzt.

Kolk zog vor Gericht. Seit zwei Jahren kämpft er gegen seinen Rauswurf. Ein zermürbender Streit, dem Mittwoch vor dem Arbeitsgericht in Innsbruck ein weiteres Kapitel hinzugefügt wurde. Ein entscheidendes Kapitel, war doch der ehemalige Rektor der Med-Uni Wolfgang Fleischhacker als Zeuge geladen.

Beim ersten Termin im April war der Ex-Rektor verhindert gewesen. Doch jetzt nahm er im Verhandlungssaal 111 Platz und führte aus, warum er 2024 die Kündigung von Andreas Kolk 2024 veranlasst hat.

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Das habe ich in meinen acht Jahren als Rektor nie erlebt.

Wolfgang Fleischhacker, Ex-Rektor der Med-Uni Innsbruck

Von einer „sehr schwierigen Entscheidung“ sprach der Ex-Rektor. Aber er sprach auch von offenkundig „eklatanter Führungsschwäche“ des einstigen Klinik-Direktors. Sogar der Betriebsrat habe der Kündigung zugestimmt. „Das habe ich in meinen acht Jahren als Rektor nie erlebt“, untermauerte Fleischhacker die Besonderheit dieses Falles.

Der ehemalige Klinikchef Kolk wollte in seiner Abteilung einiges ändern. Das stieß auf ...
Der ehemalige Klinikchef Kolk wollte in seiner Abteilung einiges ändern. Das stieß auf Widerstand.(Bild: Christof Birbaumer)

„Erneuerungsprozess“ kam nicht gut an
Besonders ist der Fall allemal. Mit seinem Rauswurf war Kolk auf einen Schlag von Forschung und Lehre an der Medizin-Universität Innsbruck abgeschnitten – aber letztlich auch von der Patientenversorgung an der Klinik. Eine Katastrophe für einen Wissenschaftler und Arzt.

Der einstige Klinikchef wollte die Patientenversorgung auf neue Beine stellen, seiner Abteilung mehr Gewicht geben und wichtige Eingriffe wieder im Haus durchführen. „Ein Erneuerungsprozess war notwendig“, bekräftigte Kolk am Mittwoch vor Gericht einmal mehr.

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Bestimmte Mitarbeiter wollten den Erneuerungsprozess nicht mittragen.

Andreas Kolk, Mediziner

Fachliche Kompetenz nicht bestritten
Die fachliche Kompetenz des Professors wurde bei der Verhandlung vom Rektor nicht infrage gestellt. Das sei nicht seine Kompetenz, betonte Fleischhacker. Die Kündigung habe er vielmehr ausgesprochen, weil die Klinik organisatorisch nicht mehr funktioniert habe. „Sie war ein Problemfeld.“

Es ging – wie so oft – wohl ums Zwischenmenschliche. Zwischen Kolk und einigen Mitarbeitern gab es unter anderem Auffassungsunterschiede zu Behandlungstechniken. Die gibt es in der Medizin immer wieder. Doch am Ende kam nicht das Beste aus allen Welten heraus, sondern ein Streit eskalierte – und der Klinikchef musste gehen. Ein drastischer Schritt, der extrem selten getan wird.

Für Kolk geht es nicht nur um einen Job, sondern um sein „Lebenswerk“, wie er sagt. Er kämpft darum und braucht einen langen Atem.

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