„Tierfolter live“
Brutale Tradition: Stier-Hatz beginnt in Spanien
In der nordspanischen Stadt Pamplona fällt am 6. Juli wieder der Startschuss für die „Stier-Hatz“. Bei der jahrhundertealten Tradition laufen tausende Läufer vor mehreren Kampfstieren durch enge Gassen. Das Ziel ist die Stierkampfarena, wo die Tiere der Tod erwartet. Tierschützer kritisieren das Fest als Folter.
Die Stierhatz wird im spanischen Fernsehen von mehreren Sendern live übertragen. Es geht für die Teilnehmer um Mutproben, Gemeinschaftsgefühl und einen Adrenalinkick wie bei Extremsportarten. Großteils junge Männer nehmen an den Läufen teil, manche von ihnen reisen dafür extra aus dem Ausland an. Sie riskieren freiwillig ihr Leben. Kritiker argumentieren jedoch, die Tiere sind noch schlimmer dran: In der Stierkampfarena erwartet die Bullen des morgendlichen Laufs jeweils am Abend der Tod.
„Tierfolter im Live-TV“
Tierschützer beklagen „mittelalterliche Tortur“. Die Filmregisseurin Eva Güimil sprach von „Tierfolter im Live-TV“. Auch dieses Jahr wieder gab es vor dem Spektakel Protestdemonstrationen, bei denen „Fiesta ohne Folter“ gefordert wurde. Die Verehrung des katholischen Stadtheiligen San Fermín durch das Vergießen des Blutes von Gottes Geschöpfen widerspreche den traditionellen christlichen Werten, betonte die Tierschutzorganisation Peta.
Spanische Tierschutzorganisationen bereiten sich auf die Proteste vor:
Tradition lockt zahlreiche Besucher aus dem Ausland
Trotz Protesten lockt das Spektakel jedes Jahr mehr als 400.000 Besucher nach Pamplona. Die ausländischen Besucher kommen vor allem aus Europa sowie aus den USA, Australien und Asien. Nach den Stierrennen am Vormittag gibt es in Pamplona auch Konzerte, Prozessionen und andere Veranstaltungen.
Bullen in der Arena getötet
Und abends sind dann die Stierkämpfe. Nach der strengen Choreographie der „Corridas“ rammen zunächst die sogenannten Picadores auf gepanzerten Pferden eine Lanze in den Nacken der Tiere, um sie zu schwächen. Die Banderillos zu Fuß stecken den rund 600 Kilogramm schweren Stieren mit Widerhaken versehene, bunte Holzstäbe in den Nacken, um ihre Angriffslust zu steigern. Am Ende macht der Matador als Hauptdarsteller dem Bullen mit einem gezielten Degenstich ins Herz den Garaus. Maultiere schleifen den toten Bullen aus der Arena. Das Fleisch des Tieres kann man sich später in Restaurants der Stadt servieren lassen.
Matador setzt sich Lebensgefahr aus
Manchmal wird ein Matador von einem der spitzen Hörner aufgespießt. Die reale Todesgefahr, der sich Toreros wie früher die Gladiatoren im antiken Rom aussetzen, erzeugt beim Publikum offenbar den gewünschten Nervenkitzel.
Befürworter argumentieren mit „Tradition“
Die Befürworter des Stierkampfs berufen sich vor allem auf die jahrhundertelange Tradition. Außerdem würde mit den Einnahmen aus den Ticketverkäufen etwa das größte Altenheim der Stadt für hunderte einkommensschwache Senioren finanziert. Zudem wüchsen die Kampfstiere vier bis fünf Jahre frei auf Weiden auf und seien im Vergleich zu Nutztieren in der industriellen Massenfleischhaltung extrem privilegiert.
Die Meinungen gehen auseinander
Die Vizepräsidentin von Peta, Mimi Bekhechi, hält gegen die Argumente der Befürworter. „Tradition ist niemals eine Entschuldigung für Grausamkeit“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Traditionen könnten und sollten sich weiterentwickeln, und die spanischen Bürger unterstützten eine Abkehr von der archaischen Praxis des Stierkampfs. Tatsächlich sagen zwar Umfragen zufolge etwa 70 Prozent der Befragten, sie seien nicht für Stierkämpfe. Aber weniger als die Hälfte spricht sich auch für die Abschaffung aus.
Stadt verdient gut an dem Fest
Dass in Pamplona der Widerstand relativ klein ist, lecuhtet ein: Denn das Fest lässt die Kassen ordentlich klingeln. Nach Angaben der Stadtverwaltung bescherten die Sanfermines Pamplona im vergangenen Jahr einen „finanziellen Gesamteffekt“ von knapp 260 Millionen Euro.










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