Unter einem Stein kauernd wartete kürzlich ein Trailrunner im Tiroler Zillertal in einem Gewitter auf Rettung: Der Sportler hat erst alles falsch, dann einiges richtig gemacht. Bergrettungs-Experte Christian Eder weiß, wie man der Gewittergefahr am besten begegnet.
Tourenplanung ist das (halbe) Bergleben. Diese Weisheit hat in der Gewitterzeit im Hochsommer ein besonderes Gewicht. Und diese ging bei einem belgischen Trailrunner in dieser Woche ordentlich schief. Denn er geriet unterhalb der Mörchnerscharte im Zillertal bei Ginzling in ein schweres Gewitter und damit in Bergnot.
Mangelnde Tourenplanung
„Im Gewitter selbst hat der Mann dann richtig gehandelt“, weiß Christian Eder, Ausbildungsleiter Alpin der Tiroler Bergrettung und Bergretter der Ortsstelle Ginzling. Doch in diese lebensgefährliche Situation hätte der Sportler nie kommen müssen, hätte er seine Tour ordentlich geplant.
Tour an den Wetterbericht anpassen
„Man muss eine Tour immer an den Wetterbericht anpassen“, betont Experte Christian Eder. Sind Gewitter gemeldet, dürfe eine Wanderung nicht zu lange sein. Und idealerweise lege man eine Tour so an, dass es Hütten oder Almen im Nahbereich der Route gäbe, wo man Schutz finde.
Wer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch in ein Gewitter gerät, sollte sich von den höchsten Punkten in der Umgebung entfernen.

Christian Eder, Ausbildungsleiter Alpin, Bergrettung Tirol
Bild: privat
Während der Zeit am Berg gelte es, das Wetter laufend zu beobachten. Umdrehen oder eben Zuflucht in einer Hütte finden, lautet die Devise, sollte das Wetter umschlagen.
Gefahr der Schrittspannung
„Wer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch in ein Gewitter gerät, sollte sich von den höchsten Punkten in der Umgebung entfernen“, rät Bergretter Eder, „am besten ist es, in einer Mulde zu hocken und sich nicht zu bewegen.“ Wer hingegen weitergehe, laufe Gefahr, dass bei einem Blitzeinschlag durch die Schrittspannung Strom durch den Körper fließen könne. Dies bedeute Lebensgefahr!
Was die meisten im Sommer überhaupt nicht bedenken: Im Hochgebirge sinken die Temperaturen während eines Gewitters rasch und stark. Dies musste auch der Belgier in rund 2600 Metern unter der Mörchnerscharte erfahren: Es begann zu schneien!
Auch warme Kleidung mitnehmen
„Deshalb gehören eine lange Hose, Handschuhe und eine Mütze in diesen Regionen selbst im Juli in den Rucksack“, betont der erfahrene Bergführer.
Drei Tote vor einem Jahr
In bitterer Erinnerung ist noch das Unglück vom 16. Juni des Vorjahres. Damals starben drei erfahrene Bergsteiger gleichzeitig durch Blitzschlag im Verwallgebirge am Arlberg.
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