Ein Tabu wurde am Freitag in der Steiermark gebrochen: Erstmals gab das Land einen Wolf zum Abschuss frei. Er soll in der Gemeinde Sölk zehn Schafe gerissen haben. Nun wird das Tier gejagt.
Es ist ein Novum in der Steiermark: Zum ersten Mal darf ein Wolf offiziell geschossen werden. Seit Mai soll das Tier im Gebiet Gumpeneck (Gemeinde Sölk) nachgewiesen worden sein. Bei mindestens drei Gelegenheiten habe der Wolf zehn Schafe getötet. Herdenschutzmaßnahmen, die der Viehhalter umgesetzt hat, hätten zu keiner Besserung der Situation geführt.
Nun darf der Wolf vier Wochen lang (bis 28. Juli um 0 Uhr) in einem Radius von zehn Kilometern rund um den letzten Vorfall abgeschossen werden. Die Jäger im Revier sind schon informiert.
Zuständigkeiten verschoben
Der Abschuss dürfte wohl auch eine Konsequenz des von Tier- und Naturschützern schwer kritisierten Schrittes sein, die Zuständigkeit für das Prädatorenmanagement von der Umweltabteilung (A 13) in die Landwirtschafts- und Jagdabteilung (A 10) zu verlegen. Die Sachverständigen dort haben „den Status als Schadwolf gemäß der steirischen Wolfsverordnung festgestellt“, heißt es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP). Der WWF nannte das Regelwerk Anfang des Jahres „rechtswidrig“, weil es wichtige EU-Schutzvorgaben ignoriere. Biologe Christian Pichler sprach von einem „Frontalangriff auf den Artenschutz“.
Schmiedtbauer stellt sich auf die Seite der Alm- und Weidewirtschaft. „Ich bin froh, dass der betroffene Viehhalter jetzt nicht mehr hilflos zusehen muss, wie seine Herde wiederholt überfallen und Schafe gerissen werden.“ Das ändere nichts an den Plänen, eine „neue, noch bessere Wolfsverordnung auf den Weg zu bringen“. „Immerhin sind zwischen dem erstmaligen Erlass der aktuellen Wolfsverordnung und der ersten Abschussfreigabe über zwei Jahre vergangen.“
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