Nach der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru hat die Wahlbehörde die rechtsgerichtete Kandidatin Keiko Fujimori zur Siegerin erklärt. Sie lag nur 50.000 Stimmen vor dem unterlegenen Rivalen Roberto Sanchez. Der witterte Wahlbetrug und kündigte eine Anfechtung an.
Wochen nach der Präsidentenwahl am 7. Juni steht das offizielle Ergebnis fest: Laut Wahlbehörde setzte sich Fujimori mit 50,13 Prozent gegen den linksgerichteten Sanchez mit 49,86 Prozent durch. Ein Vorsprung von weniger als 50.000 Stimmen. Hält das Ergebnis, soll die 51-Jährige am 28. Juli als neues Staatsoberhaupt ihr Amt antreten und José Maria Balcázar ablösen.
Wahlbetrug mit Stimmen aus dem Ausland?
Allerdings will der unterlegene Sanchez die Wahl jetzt anfechten und sich dafür an die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte wenden. Er wittert Wahlbetrug bei den Stimmen der im Ausland lebenden Peruaner. Ein früherer Antrag Sanchez‘ auf Annullierung der im Ausland abgegebenen Stimmen wurde von der Nationalen Wahlkommission abgelehnt, die seine Vorwürfe als unbegründet erachtete.
Für Aufsehen sorgte auch, dass kurz vor der Stichwahl ein Prozess gegen den linken Kandidaten Sanchez angeordnet wurde, weil er angeblich falsche Angaben zur Finanzierung seiner Partei gemacht haben soll.
Wütende Wähler
Der Wahlkampf war geprägt von Gewalt und Wut auf die politischen Verantwortlichen, die viele Wählerinnen und Wähler für die seit Jahren herrschende Instabilität im Land verantwortlich machen. In den vergangenen acht Jahren gab es acht Präsidenten; keiner von ihnen beendete eine volle Amtszeit. Drei wurden des Amtes enthoben, einer trat nach nur sechs Tagen zurück und vier sitzen derzeit im Gefängnis.
Einer der früheren Präsidenten war Alberto Fujimori, Vater der jetzt designierten Präsidentin Keiko Fujimori. Er regierte Peru von 1990 bis 2000 mit harter Hand und prägt die Politik seiner Tochter bis heute. Von seinen Anhängern wird er dafür gefeiert, dass er die linken Rebellen von der Guerillaorganisation Leuchtender Pfad besiegte und die peruanische Wirtschaft stabilisierte. Später wurde er wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption verurteilt und saß 16 Jahre im Gefängnis. Er starb 2024.
Rechtsruck in Lateinamerika
Keiko Fujimori trat bereits zum vierten Mal in Folge bei einer Präsidentschaftswahl an. Sie hatte sich früher von der Politik ihres Vaters distanziert, berief sich in diesem Wahlkampf aber auf sein Erbe. Ihr Sieg verstärkt den Rechtsruck in Lateinamerika. Erst vergangene Woche war in Kolumbien der politische Außenseiter Abelardo de la Espriella – Favorit von Donald Trump – zum Präsidenten gewählt worden. Viele Wähler treibt die Sorge vor Kriminalität in die Arme von Hardlinern.
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