Der deutsche Neurowissenschaftler und Bestsellerautor Henning Beck schreibt Bücher mit Titeln wie „Besser denken“. Beim 48. Tourismusforum Tirol in Igls erklärte er, wie gefährlich Bequemlichkeit für erfolgreiche Unternehmen sein kann. Doch nicht nur Beck redete den Touristikern ins Gewissen.
Mit 50 Millionen Nächtigungen und 13 Millionen Urlaubern jedes Jahr ist der Tiroler Tourismus eine große Nummer. „Ein Zugpferd in Österreich“, meint LH Anton Mattle selbstbewusst. Was er noch beim Tiroler Tourismusforum im Congresspark Igls sagte: „Lassen Sie uns nicht immer über Overtourism sprechen, sondern auch mal stolz sein, wenn es da und dort einen Instagram-Hotspot gibt. Diese Eindrücke sind unser Kapital.“
„Skigebietszusammenschlüsse, wo es Sinn macht“
Es lag dann an Tourismus-LR Mario Gerber, die Innovationsfreude des Tourismus zu loben und vor Verhinderungspolitik zu warnen: „Wir müssen wieder Dinge ermöglichen, auch Skigebietszusammenschlüsse, wo sie Sinn ergeben.“ Die Geschäftsführerin der Tirol Werbung Karin Seiler forderte die TVB-Verantwortlichen schließlich auf, mehr zusammenzuarbeiten und nicht mehr nur in zwei Saisonen zu denken. Vor allem März und April würden als Wintermonate zur Zitterpartie: „Wir müssen umdenken, sonst verlieren wir.“
Nicht Produkt, sondern Idee dahinter begeistert
Als Gastredner sprach Neurowissenschaftler und Autor Henning Beck schließlich über den Mut, Neues zu wagen: „Dafür müssen wir Denkmuster durchbrechen.“ In Zeiten des Umbruchs würden Champions gemacht, „weil sie sich trauen, neu zu denken und die Strategie zu ändern“. Nicht das Produkt, sondern die Idee dahinter sei das eigentlich Anziehende für Menschen. Beck nannte als Beispiel Sportmodenhersteller, die es verstehen, ein Wir-Gefühl der Kunden heraufzubeschwören oder Hotels mit persönlicher Note: „Nicht die neueste Ausstattung, sondern ein herzlicher und perfekter Service ist das, was besonders in Erinnerung bleibt.“ Service lasse sich nicht digitalisieren und schlechter Service könne das beste Hotel ruinieren.
Beck geißelte bei der Veranstaltung die Bequemlichkeit und die fehlende Innovationsfreude vieler erfolgreicher Unternehmen. Als Beispiel nannte er Nokia als einst weltweit größten Anbieter von Mobiltelefonen und Smartphones. „Sie hatten die Idee für ein Smartphone bereits in der Schublade. Aber sie haben es verschlagen, weil sie gerade so erfolgreich waren“, zeigte Beck auf, welche Folgen Stillstand haben kann.
Auszeichnungen für Projekte & Lebenswerk
Beim Tourismusforum wurde auch der 30. Tirol Touristica Award für herausragende Projekte und Persönlichkeiten verliehen. Den Jubiläumsaward erhielten die Swarovski Kristallwelten. Der Preis fürs Lebenswerk ging an Franz Tschiderer, langjähriger Obmann im TVB Serfaus-Fiss-Ladis. Vor Ort wurde über den Nachwuchspreis entschieden. Dieser ging an das Konzept „Dark Sky Tirol“ mit geführten Wanderungen für Sterngucker.
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