Privat und beruflich

Österreicher sehen noch Hürden bei Gleichstellung

Wirtschaft
29.06.2026 18:39

Viele Österreicherinnen und Österreicher halten Gleichstellung lediglich für ein Lippenbekenntnis von Unternehmen. Es werde zwar viel darüber gesprochen, aber wenig tatsächlich umgesetzt, sagten Befragte in einer Studie. Demnach klafft die Wahrnehmung zu Gleichstellung vor allem zwischen den Geschlechtern weit auseinander.

Die Umfrage wurde gemeinsam von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, der Plattform WEconomy, die Vielfalt und Inklusion in Unternehmen fördert, sowie der Kommunikationsagentur Ketchum in Auftrag gegeben. Befragt wurden 1000 Personen in Österreich zwischen 14 und 75 Jahren, die repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind.

Ein zentrales Ergebnis: Neun von zehn Befragten sind sich einig darin, dass Frauen genauso ambitioniert Karriere machen können sollten wie Männer. Allerdings unternehmen Firmen aus Sicht der Frauen noch zu wenig für Gleichstellung. Jeder zweite Mann ist hingegen der Ansicht, dass in Österreich bereits genug für Gleichstellung getan werde. „Gleichstellung wird heute oft symbolisch unterstützt. Sobald es aber um Macht, Einfluss oder strukturelle Veränderungen geht, entstehen Widerstände. Fast jeder Zweite gibt an, dass im eigenen Unternehmen zwar viel zu Gleichstellung und Vielfalt kommuniziert wird, im Arbeitsalltag aber wenig davon spürbar ist (...)“, sagt Barbara Redlein von PwC Österreich.

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Sobald es bei Gleichstellung um Macht, Einfluss oder strukturelle Veränderungen geht, entstehen Widerstände.

Barbara Redlein, PwC Österreich

Sozialisation spielt bei Bewerbungen mit
Im Detail wurde etwa nach Bewerbungen und Führungspositionen gefragt. Frauen bewerben sich laut eigener Aussage vergleichsweise seltener um Stellen, wenn sie nicht alle Anforderungen erfüllen (60 Prozent bei Männern vs. 50 Prozent der befragten Frauen). Das habe mit jahrelanger Sozialisation zu tun, heißt es in der Studie. Männer würden eher als Frauen lernen, dass ihre Fähigkeiten ausreichend seien, und einander darin auch bestärken. „Das Resultat ist systematische Selbstselektion, nicht fehlende Ambition (...)“, heißt es weiter. 

Während 44 Prozent der befragten Männer eine Führungsposition innehaben oder noch anstreben, sind es bei Frauen nur 25 Prozent. Gleichzeitig gab jeder zweite Mann an, sich durch die Förderung von Frauen gar benachteiligt zu fühlen.

Soziale Medien befeuern Rollenbilder
Ein weiterer Lebensbereich, der abgefragt wurde, ist das Privatleben. Laut eigener Aussage vertreten viele Befragte ein modernes Partnerschaftsbild. Allerdings sind immerhin drei Viertel (76 Prozent) überzeugt, dass Österreich weiterhin von klassischen Rollenbildern geprägt sei. Damit sind etwa die Vorstellung von Männern als Hauptverdiener der Familie und Frauen als Hauptverantwortliche für Kinder und Haushalt gemeint. Diese würden von sozialen Medien wie TikTok und Instagram befeuert, sagen die Befragten. Diese Meinung ist vor allem bei den 14- bis 19-Jährigen besonders oft vertreten.

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Trends wie Tradwives oder Alpha-Male-Content machen überholte Geschlechterbilder massentauglich. 

Lola Zweimüller, Kommunikationsagentur Ketchum

„Trends wie Tradwives oder Alpha-Male-Content machen überholte Geschlechterbilder massentauglich. Wenn Karriere im echten Leben mit Diskriminierung und Doppelbelastung verbunden ist, während Social Media den Rückzug ins Private glorifiziert, schlägt sich das auch in den Karriereambitionen der Next Gen nieder“, sagt Lola Zweimüller von Ketchum. Mit Tradewives sind Frauen gemeint, die besonders konservativ leben, und diesen Lebensstil als Mutter und Hausfrau auf Social Media präsentieren. Oft verdienen sie als Influencerinnen auch Geld damit. Alpha Males sind Männer, die ein Bild des dominanten, starken, gut trainierten und erfolgreichen Mannes propagieren. Beide Bilder wirken heute oft veraltet.

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