Ist Limit erreicht?

Zillertal: Diskussion um eine Betten-Notbremse

Tirol
26.06.2026 18:00

Schon vor vielen Jahren strebte der Planungsverband der Zillertaler Gemeinden ein Limit von 50.000 Betten an. Inzwischen ist es überschritten und die Liste Fritz will einen Stopp – doch wer schafft an und warum wachsen immer wieder Kräne in den Himmel?

Die 25 Zillertaler Gemeinden bzw. der gemeinsame Planungsverband einigte sich bereits im Jahr 2010 auf eine Obergrenze von 50.000 Betten. „Derzeit liegen wir bei 51.658 – und dennoch entstehen immer wieder neue Hotels wie in Fügen oder Uderns“, mahnte Liste-Fritz-Parteiobfrau Andrea Haselwanter-Schneider bei einem Pressetermin vor Ort. Viele Gemeinden würden sich eben nicht an die Vorgaben halten. Und die Oppositionspolitikerin verwies auf die Statistik des Landes, wonach die Auslastung im Tal im Winter nur bei 42 bis 45 Prozent liege, im Sommer bei 25 bis 30 Prozent. „Wir sind daher überzeugt, dass es keine neuen Betten auf der grünen Wiese braucht.“

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Derzeit liegen wir bei 51.658 Betten – und dennoch entstehen immer wieder neue Hotels wie in Fügen oder Uderns.

Liste-Fritz-Parteiobfrau Andrea Haselwanter-Schneider

Südtiroler Modell: Neue Betten, wenn andere wegfallen
Wie kann man hier Schranken einziehen? Die Liste Fritz verweist auf das Südtiroler Modell. Dort gilt seit 2022 eine landesweite Obergrenze für Gästebetten (rund 229.000). Neue Betten dürfen grundsätzlich nur geschaffen werden, wenn an anderer Stelle welche aufgegeben oder umgewandelt werden. „Südtirol zeigt, dass die EU kein Hindernis ist“, betont Haselwanter-Schneider. Bekanntlich hatte LH Günther Platter schon 2021 eine Tiroler Bettenobergrenze (bei 330.000) ins Spiel gebracht. Dies scheiterte auch an rechtlichen Bedenken – Stichwort EU-Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit.

Vor allem im Winter staut es sich nicht nur beim Brettfalltunnel. Zur Erleichterung vieler ist ...
Vor allem im Winter staut es sich nicht nur beim Brettfalltunnel. Zur Erleichterung vieler ist er wieder voll befahrbar.(Bild: Christof Birbaumer)

„Der Nutzen im Tal durch mehr Betten wird immer kleiner“, ist Roswitha Schmida, Liste-Fritz-Bezirkssprecherin, überzeugt. Dies auch, weil rund 70 Prozent der rund 8000 bis 10.000 Beschäftigten im Tourismus ausländische Arbeitskräfte sind.

Alte Widmungen als Türöffner für Projekte
Eine zentrale Rolle in einer künftigen Bettenbeschränkung sieht man im Planungsverband. „Dieser müsste in den Bebauungsplan eingreifen dürfen. Er hat zwar die Ansiedelung von Großbetrieben verhindert, allerdings gibt es noch Schlupflöcher und Bürgermeister, die ihren Kirchturm im Auge haben“, beobachtet Schmida. Ein Türöffner sind viele alte Widmungen, dennoch seien die Dorfchefs gefordert, die Dimensionen zu beschränken (weniger Dichte, weniger Stockwerke).

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Bürgermeister und Planungsverband wissen, was es tatsächlich vor Ort braucht – starre Pauschalverbote nicht.

Tourismus-Landesrat Mario Gerber

Rückwidmungen schwierig, Qualitätsverbesserungen nicht verhindern
„Unser Strategieplan gilt nur für neue Flächen“, bestätigt Planungsverbands-Obmann Hansjörg Jäger das Dilemma. Auch gebe es OGH-Urteile, die zeigen, dass Gemeinden gewidmete Flächen nicht so einfach rückwidmen können. Qualitätsverbesserungen, etwa mit einem Spa-Bereich und Erhöhung der Bettenzahl, wolle man nicht generell verbieten. Neue Projekte – von Tux bis Hainzenberg – habe man zuletzt zur Genüge abgelehnt. Auch Jäger fordert aber, dass der Planungsverband mehr übergeordnete Entscheidungsgewalt (statt bisher nur das Recht auf Stellungnahme) habe.

Aus dem Büro von Tourismus-Landesrat Mario Gerber (ÖVP) heißt es: „Das Zillertal hat eine der restriktivsten Widmungspolitiken Tirols. Bürgermeister und Planungsverband kennen die Bedürfnisse, eine Bevormundung von außen ist unangebracht.“

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