Jahrelang illegal?

„Wir wollen unsere Straßen-Barrieren zurück!“

Niederösterreich
24.06.2026 16:00
Porträt von Christoph Chromy
Von Christoph Chromy

Die Bewohner der Juliane-Mittermaier-Straße in Horn steigen auf die Barrikaden: Sie fordern die Wiedererrichtung eines Fuß- und Radweges auf Teilen ihrer Straße – nebst Blumentrögen als Barriere. Doch nun droht ihnen statt weniger, sogar mehr Verkehr. Dank einer Umleitung.

Dumm gelaufen, könnte der Titel des Stückes sein, das derzeit als Sommerthema die Gemüter in Horn bzw. einigen Teilen davon bewegt. Grund dafür: Eine Art Wohnstraße, die es eigentlich nie gegeben hat. Die Juliane-Mittermaier-Straße und die Gewerbestraße waren ursprünglich durch eine „Gstetten“ getrennt. Eine Durchfahrt mit dem Pkw war eher schwer zu bewerkstelligen, trotzdem wurde seitens der Gemeinde eine Barriere mittels Blumentrögen errichtet – ein Passieren war nur mit dem Rad oder zu Fuß möglich.

Die Jahre vergingen und schließlich wurden die beiden Straßen doch miteinander verbunden. Dies sorgte zunächst für keinerlei Beunruhigung bei den Anrainern. Denn erstens gab es noch die Blumentröge, und zweitens gab es die angebliche mündliche Zusage eines ehemaligen Bürgermeisters, hier „auf ewige Zeiten“ einen gewidmeten Rad- und Fußweg geschaffen zu haben.

Plötzlich waren die Blumentröge weg
Auch als im Vorjahr die beiden Straßen als Umleitungsstrecke geführt wurden, und die Tröge verschwinden mussten, fanden sich die Anrainer damit ab. Denn sie befanden sich in der trügerischen Hoffnung, nach Ende der Umleitung wieder in einer verkehrsberuhigten Zone zu wohnen.

Erst nach Jahren rechtskonform
Es kam jedoch anders: Die Barrieren kehrten nicht wieder zurück. Und werden es wohl auch nicht mehr, wenn es nach der Gemeinde geht. Bürgermeister Gerhard Lentschig: „Man muss es klar und deutlich sagen: Es gab nie eine entsprechende verkehrsrechtliche Verordnung für das Aufstellen der Barrieren oder eine Sonderwidmung. Das heißt, hier war immer eine ganz normale Straße. Oder anders gesagt: Durch das Nichtmehraufstellen der Blumentröge haben wir nun den nötigen gesetzeskonformen Zustand hergestellt.“

Zitat Icon

Die Umwidmung zu einem Fuß- und Radweg auf einem kleinen Teilbereich der Mittermaier-Straße wurde niemals verkehrs- rechtlich umgesetzt.

Bürgermeister Gerhard Lentschig

Anrainer gehen auf die Barrikaden
Was naturgemäß die rund dreißig Anrainer auf die Barrikaden treibt. Ergo übergaben Jan und Bianca Populorum sowie Evelyn Erlinger kürzlich eine Petition mit 212 Unterschriften an den Stadtchef: „Wir verlangen darin die Wieder-Aufstellung der Barrieren und die Widmung des Streifens als Rad- und Fußweg. Dafür kämpfen wir mit allen Mitteln.“ Auch das Land Niederösterreich wurde mittels einer Sachverhaltsdarstellung informiert.

Bezirkshauptmannschaft bestätigt Umleitung 
Lentschig hingegen bleibt bei seinem Nein: „Wir haben sämtliche Interessen – und dazu gehören nicht nur die der direkten Anrainer – zu berücksichtigen. Eine Befragung der Bewohner in der näheren Umgebung ergab nämlich den überwiegenden Wunsch nach einer Öffnung der Mittermaier-Straße.“ Für zusätzliche Brisanz sorgt zudem ein Gerücht: Ab 20. Juli wird die Taffa-Brücke am Schützenplatz saniert. Da dann nur eine Spur befahrbar sein wird, soll der stadtauswärts strebende Verkehr über die Juliane-Mittermaier-Straße geführt werden.

Manche vermuten dabei eine Art Revanche-Foul durch den Bürgermeister. Eine Fehlinterpretation, wie ein „Krone“-Gespräch mit dem Büro des Bezirkshauptmannes ergab: Laut BH Horn – diese, und nicht Lentschig, ist für die Umleitung zuständig – wird lediglich der öffentliche Busverkehr durch die betreffenden Straßen umgeleitet. Der Restverkehr wird Richtung Frauenhofen umdirigiert. Aber: Die Mittermaier-Straße und Gewerbestraße bleiben weiter für alle Verkehrsteilnehmer befahrbar.

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