Sa, 18. August 2018

Videobotschaft

09.09.2014 10:59

"Scharia-Polizei hat nie wirklich existiert"

Mit der "Scharia-Polizei" sorgte der deutsche Salafist Sven Lau in der Vorwoche für Empörung. In einer am Wochenende auf seiner Homepage veröffentlichten Videobotschaft ist Lau allerdings zurückgerudert. Er stellte die Aktion in Wuppertal als einmalige Kampagne dar. Die "Scharia-Polizei" hat seinen Worten zufolge nie wirklich existiert, die Männer hätten nur für einige Stunden die orangefarbenen Westen angezogen.

Die selbsternannte "Scharia-Polizei" war nachts mehrfach durch Wuppertal patrouilliert und hatte die Bevölkerung verunsichert. Die Islamisten trugen nach Polizeiangaben orangene Westen mit dem Aufdruck "Shariah Police" und versuchten, junge Leute "zu beeinflussen und anzuwerben".

Lau: "Wir wussten, dass das Aufsehen erwecken wird"
"Wir wussten, dass das Aufsehen erwecken wird", reagierte Sven Lau, der sich selbst Abu Adam nennt, nun in einer rund zehnminütigen Videobotschaft auf den Sturm der Entrüstung über die Aktion. Sein Ziel sei es gewesen, eine Diskussion über die islamische Gesetzgebung in Deutschland anzustoßen. "Zieht man sich eine Weste an, mit der Scharia hinten drauf, flippen alle aus", kritisierte der Salafist in dem Video die negative mediale Berichterstattung über den Islam in Deutschland. Dies habe man den "Geschwistern" demonstrieren wollen, begründet Lau seine Motivation für die umstrittene Aktion.

Lau gilt laut deutschen Medienberichten als einer der Sprachrohre der stetig wachsenden salafistischen Szene in Deutschland. Er leitete in seiner Heimatstadt Mönchengladbach eine Moschee und war Vorsitzender des fundamentalistischen Vereins "Einladung zum Paradies", berichtete das Nachrichtenmagazin "Spiegel" auf seiner Website.

Verfassungsschützer und Kriminalbeamte beobachten den Extremisten laut dem Bericht seit Jahren. Für einen Hetzer oder Hassprediger halte ihn kaum jemand, Laus Masche sei eher die "Kumpeltour", so der "Spiegel". "Er macht auf großer, weiser Bruder - was nicht weniger gefährlich sein muss."

Tragen der "Scharia-Polizei"-Westen verboten
Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen nahm die "Scharia-Polizei" jedenfalls nicht auf die leichte Schulter und stellte das Tragen der umstrittenen Warnwesten mittlerweile unter Strafe. Der Innenminister des Bundeslandes, Ralf Jäger, sagte am Samstag in der Fernsehsendung "Aktuelle Stunde" des WDR, er habe hierzu einen polizeilichen Erlass herausgegeben (siehe Story in der Infobox).

Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte zudem am Montag in Deutschland Gesetzesverschärfungen, falls die Rechtsgrundlagen ein Vorgehen gegen sogenannte Scharia-Polizisten nicht ermöglichen. "Ich erwarte, dass in unserem Land, nicht irgendwelche selbst ernannte Polizisten wie die Scharia-Polizei ihr Unwesen treiben können. So etwas geht überhaupt nicht", so Kauder. Zugleich müsse man verhindern, dass junge Menschen in Deutschland für Salafisten angeworben werden.

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