15.03.2006 14:06 |

Saddam-Prozess

Prozess gegen Saddam Hussein fortgesetzt

Der irakische Ex-Machthaber Saddam Hussein hat am Mittwoch erstmals vor dem Sondertribunal für die Verbrechen seines Regimes in Bagdad ausgesagt. Saddam, der eine schwarze Lesebrille trug, las seine Aussage zum Massaker an Schiiten in der irakischen Kleinstadt Dudschail vom Blatt ab und erklärte, er sei immer noch der Präsident des Iraks. Vor ihm hatte sein Halbbruder BarZan al-Tikriti ausgesagt, der die "Errungenschaften" der Saddam-Ära lobte.

Als der Vorsitzende Richter Rauf Raschid Abdul Rahman ihn drängte, keine politischen Reden zu halten, sondern sich auf die Anklagepunkte zu beschränken, kam es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden. Anschließend entschied der Richter, die Sitzung hinter verschlossenen Türen fortzusetzen.

Saddam verurteilte in seinen Ausführungen vor den Richtern den Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum in Samarra im vergangenen Monat und sprach dem Gericht jede Legitimität ab. Als er über die US-Invasion vor drei Jahren ansprach, erklärte der Richter: "Das ist eine Angelegenheit zwischen dir und den Amerikanern, du steht hier vor einem irakischen Strafgericht."

Auch Halbbruder sagte aus
Saddams Halbbruder Barzan al-Tikriti regte sich über die aus seiner Sicht grotesken Fragen der amerikanischen Ermittler auf. "Sie haben mich gefragt, wann (der Anführer des Terrornetzwerks Al Kaida) Osama bin Laden im Irak war und wer bei dem Treffen anwesend war", sagte Al-Tikriti vor dem Sondertribunal für die Verbrechen des Saddam-Regimes in Bagdad.

Außerdem sei er bei den Verhören in dem US-Militärgefängnis immer wieder zu irakischen Massenvernichtungswaffen befragt worden. Die Ermittler hätten auch nach geheimen Gefängnissen gefragt und danach, wo Saddam Hussein seine 36 Milliarden US-Dollar Vermögen versteckt habe. Zu der Hinrichtung von 148 Schiiten in Dudschail, wegen der er vor Gericht stehe, sei er dagegen vor Prozessbeginn insgesamt nur vier Stunden verhört worden, erklärte er.

Al-Tikriti erklärte, er habe mit den Vergeltungsaktionen 1982 gegen Schiiten in Dujail nichts zu tun gehabt. Er fügte hinzu, man habe ihm vor Beginn des Prozesses seine Freilassung angeboten, falls er gegen Saddam aussagen würde. Dies habe er abgelehnt.

Die acht Angeklagten müssen sich im Zusammenhang mit der Hinrichtung von 148 Männern aus der irakischen Kleinstadt Dujail vor Gericht verantworten. Diese waren 1982 nach einem misslungenen Attentat auf Saddam Hussein in der vorwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaft festgenommen, gefoltert und hingerichtet worden.