Salzburg verzeichnet im ersten Halbjahr weniger Unternehmens- und Privatinsolvenzen. Entwarnung gibt es dennoch nicht: Bei Firmen steigen Schulden, Gläubiger und betroffene Beschäftigte, bei Privatpersonen wächst die durchschnittliche Schuldenlast auf mehr als 141.000 Euro.
Salzburg meldet weniger Insolvenzen – doch hinter dem Rückgang stehen höhere Schulden und mehr Betroffene. Laut Hochrechnung des KSV1870 mussten im ersten Halbjahr 176 Unternehmen Insolvenz anmelden, um 18,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Nur Tirol verzeichnete bundesweit einen stärkeren Rückgang. Pro Gerichtstag bedeutete das dennoch rund 1,4 Firmenpleiten.
Weniger Fälle, höhere Schäden
106 Verfahren wurden eröffnet, 70 mangels Kostendeckung nicht. In diesen Betrieben fehlten selbst die 4000 Euro für die Gerichtskosten. Während die Fallzahl sank, stieg die Zahl der Gläubiger um 13 Prozent auf 2010. Auch 720 Arbeitnehmer waren betroffen, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Die vorläufigen Passiva erhöhten sich um zwölf Prozent auf rund 84 Millionen Euro.
KSV-Regionalleiterin Petra Wögerbauer warnt vor voreiligen Schlüssen: „Es ist deutlich zu früh von einer Trendumkehr zu sprechen, dennoch werten wir es als positives Signal, dass wir heute von einem Rückgang bei den Fallzahlen sprechen können.“ Die bisher größte eröffnete Insolvenz betraf die GTB Bau GmbH in Anif mit rund zehn Millionen Euro Verbindlichkeiten.
Besonders häufig traf es Beherbergung und Gastronomie mit 27 Fällen, gefolgt von Bauwirtschaft mit 26 und Handel mit 23 Insolvenzen. Hohe Kosten, schwache Nachfrage, Personalmangel und fehlende Aufträge setzen den Betrieben zu. Bis Jahresende erwartet der KSV derzeit weniger als die 413 Firmenpleiten des Vorjahres.
Privatkonkurse kaum gesunken
Auch bei Privaten ging die Zahl leicht zurück. 191 Schuldenregulierungsverfahren wurden eröffnet, 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Schulden stiegen jedoch um 28,6 Prozent auf 27 Millionen Euro. Im Schnitt lasteten damit rund 141.400 Euro auf jedem Schuldner – etwa 33.700 Euro mehr als im Vergleichszeitraum.
Vor allem hohe Kosten für Wohnen und Energie belasten geringe und mittlere Einkommen. Laut KSV geraten viele erst verspätet in Insolvenz: Zunächst werden Ersparnisse aufgebraucht und Ausgaben gekürzt, ehe der finanzielle Zusammenbruch folgt. Salzburg kam auf 33 Privatkonkurse je 100.000 Einwohner.
Für das Gesamtjahr erwartet der KSV einen leichten Anstieg gegenüber den 350 Privatinsolvenzen des Vorjahres. Gleichzeitig dürfte die Möglichkeit, sich als Konsument binnen drei Jahren zu entschulden, im Juli auslaufen. Der KSV begrüßt die Rückkehr zur längeren Entschuldungsdauer, weil Gläubiger dadurch höhere Rückzahlungen erhalten könnten.
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