Sie seien zwar alle dabeigewesen, aber niemand will eine tragende Rolle, oder gar die Führung gehabt haben. Die vier Bankomatsprenger, die im April und Mai 2025 in Wels und Gmunden zugeschlagen hatten, saßen am Dienstag am Landesgericht Wels. Der angebliche Chef wurde schnell ausgeschieden – die anderen putzten sich ab.
„Klingt filmreif, und das ist es auch“: so beschrieb Staatsanwältin Kerstin Kutsam die spektakulären Coups einer niederländischen Bankomatsprengerbande, die im April und Mai 2025 erst in Wels, und dann in Gmunden einen Geldautomaten in die Luft gejagt, und anschließend eine wilde Flucht, unter anderem mit einem von Maturanten geraubten Auto hingelegt hatten.
Szenen wie aus Hollywood
Auch am Landesgericht Wels sah es beim Prozessauftakt am Dienstag fast aus wie in einer Hollywoodkulisse: Die vier Angeklagten wurden von bis zu zwölf maskierten, schutzwesten- und elektroschockertragenden Justizwachbeamten begleitet, auch im restlichen Gebäude wimmelte es vor Streifenpolizisten.
Doppelt angeklagt und ausgeschieden
Im Prozess wurde schnell jener Angeklagte, der eine führende Rolle innegehabt haben soll, ausgeschieden – Anwalt Andreas Mauhart wetterte, er habe trotz mehrfacher Anfrage nicht den vollen Akt aus Wien bekommen. Zu diesem Angeklagten, einen Niederländer mit brasilianischen Wurzeln, kam nach Schluss der Ermittlungen zusätzlich zur Welser Anklage noch eine aus Wien – mit allerdings teils eher wackligen Beinen.
Einschüchternde Zuschauer
Die Einvernahmen der übrigen drei Angeklagten (28, 36 und 37) waren für den Rest des Tages anberaumt gewesen. Einer der drei Männer beantwortete Fragen, deckte dabei aber großteils seine Mitangeklagten. Frei zu sprechen traute er sich nicht: Auch im Publikum fanden sich niederländisch sprechende Personen ein, die teils mehr Einschüchterung als Fürsorglichkeit ausstrahlten, und Aussagen mitnotierten.
Am Mittwoch geht‘s weiter
Klar ist, dass die Niederlande seit Langem fest im Griff von mafiösen Gangs sind, die auch vor Hinrichtungen prominenter Gegner nicht zurückschrecken. Da erscheinen Polizeischutz und Sorge um aussagende Angeklagte deutlich weniger übertrieben. Am Mittwoch wird weiterverhandelt.
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