Auch Maturanten Opfer

Bankomaten gesprengt: Quartett nun vor Gericht

Oberösterreich
16.06.2026 12:00

Gut ein Jahr, nachdem eine Gruppe niederländischer Bankomatensprenger das Land für einige Tage in Atem gehalten hatte, sitzen die vier Beschuldigten nun am Dienstag und Mittwoch in Wels vor Gericht. Unter großem Medieninteresse und Sicherheitsvorkehrungen werden die Angeklagten einvernommen.

„Die Anzahl der Justizwachbeamten und Polizisten hier im Saal und im ganzen Gebäude lassen es schon vermuten – hier geht es heute um etwas“, so Staatsanwältin Kerstin Kutsam. Viele werden sich noch erinnern können: Im Mai 2025 war eine Bande von Bankomatensprengern in Oberösterreich unterwegs. Zuerst hatten sie einen Automaten in Wels hochgehen lassen. Weitaus spektakulärer war aber der zweite, katastrophal verpatzte Coup in Gmunden: Dort hatten sie neben dem eigentlichen Ziel auch noch ihren Fluchtwagen, einen schwarzen Audi S8 in die Luft gejagt. 

„Filmreifer Coup“
Anschließend hatten sie Maturanten, die am Parkplatz eines nahegelegenen Realgymnasiums feierten, bedroht und ihnen ein Auto geraubt, das wenig später ausgebrannt in einem Waldstück auftauchte. Einige Zeit hatten sie sich in einer ausgeräumten Garage eines Modellflugclubs versteckt, bis der aufsehenerregende Raubzug in einer wilden Verfolgungsjagd – und schließlich in einem schweren Unfall an einem Kreisverkehr im bayrischen Altötting endete. „Klingt filmreif, und das ist es auch“, fasste Staatsanwältin Kerstin Kutsam passend zusammen. 

Hohe Sicherheitsvorkehrungen
Bisher ausgeforscht ist ein Quartett von vier Niederländern, zwei davon mit marokkanischen, einer mit brasilianischen, und einer mit türkischen Wurzeln. Beteiligt gewesen waren noch mehr Personen – von denen konnten viele, aber noch lange nicht alle ausgeforscht werden. Nicht nur wegen der hochgradig gefährlichen und mafiösen Hintermänner – Holland ist seit Jahren fest im Griff von kriminellen Gangs, die sich immer wieder tödliche Bandenkriege liefern, und auch vor der Hinrichtung prominenter Gegner wie Journalisten und Staatsanwälten nicht zurückscheuen – sondern auch wegen der Vorgeschichten der Angeklagten sind die Sicherheitsvorkehrungen beim Prozess besonders hoch.

Urteil erst am Mittwoch
So hat der erste Angeklagte (36) 13 Vorstrafen, der zweite, ein 28-Jähriger fünf, der 37-jährige Drittangeklagte sieben und der Viertangeklagte (37) schon drei Verurteilungen auf dem Kerbholz. Einige saßen bereits in den Niederlanden länger in Haft, haben schon einschlägige Urteile – auch, weil zwei zuvor einmal Bankomaten gesprengt hatten. Nur der Viertangeklagte hatte davor eher kleinste Delikte begangen. Der Drittangeklagte hingegen soll auch in Wien und Brunn am Gebirge an fünf (!) weiteren Sprengungen beteiligt gewesen sein. Ein Urteil wird frühestens am Mittwochabend zu erwarten sein.

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