Ohne Seil in den Tod

Bungee-Unfall: Team soll gemeinsam Schuld sein

Ausland
16.06.2026 05:57

Nach dem tödlichen Bungee-Unfall in Brasilien beteuerten die beteiligten Mitarbeiter bei ihrer Vernehmung, die Sicherheitsüberprüfungen seien von allen gemeinsam durchgeführt worden. Wie die 21-jährige Maria dennoch ohne befestigtes Sicherungsseil von der Brücke fliegen konnte, konnten sie bisher nicht erklären.

Ein tragischer Unfall bei einem Bungee-Sprung in Brasilien hat am Wochenende der 21-jährigen Maria Eduarda Rodrigues de Freitas das Leben gekostet. Die junge Brasilianerin stürzte am Samstag ungesichert von einer stillgelegten Eisenbahnbrücke – der sogenannten Skelettbrücke – in der Stadt Limeira im Bundesstaat São Paulo aus 40 Metern in die Tiefe.

Die angehende Sportlehrerin war von den Mitarbeitern des Bungee-Teams in einer bestimmten Abflugposition zum Rand der Brücke getragen und anschließend in die Tiefe gelassen worden. Dabei waren Schutzhelm und Auffanggurt im Taillenbereich mit Karabinerhaken bei der Brasilianerin angelegt, das Seil als wichtigster Teil der Ausrüstung fehlte jedoch. Die Männer hatten Maria bereits losgelassen, als die Zuschauer das fehlende Seil bemerkt hatten. Die junge Frau war völlig ungesichert in die Tiefe gestürzt und hatte tödliche Verletzungen erlitten.

Drei Männer in Untersuchungshaft
Nun müssen sich drei Männer für den Unfall verantworten. Die brasilianische Militärpolizei teilte lokalen Medien mit, dass zwei Männer kurz nach dem Erkennen des Geschehens vom Tatort geflohen seien und in einem Waldgebiet per Hubschrauber aufgespürt worden waren. Das Sekretariat für öffentliche Sicherheit von São Paulo bestätigte die Festnahme von sechs Personen zum Verhör. Schließlich wurden drei Männer nach dem Erscheinen vor einem Richter wegen Tötung mit bedingtem Vorsatz in Untersuchungshaft genommen.

Bei ihren Aussagen konnten sie jedoch nicht erklären, wie es zu dem fatalen Fehler gekommen war. Einer der Beschuldigten sagte: „Wir haben die Sicherheitskontrollen immer gemeinsam durchgeführt.“ Als die Ermittler fragten, wer die letzte Kontrolle vor dem Sprung vorgenommen habe, antwortete er lediglich: „Ich kann mich nicht erinnern.“ Auch ein weiterer Verantwortlicher gab dieselbe Antwort. Nach Angaben ihres Anwalts standen die Männer unter Schock. „Sie machen diese Arbeit seit Jahren“, erklärte dieser. „So etwas hat es noch nie gegeben.“

Sie behaupteten zudem, dass es während des Aufbaus einen Stromausfall gegeben habe und sie sich nicht erinnern könnten, wo oder wann der Fehler beim Anbringen des Seils aufgetreten sei oder wer es hätte anbringen sollen. Einer der Festgenommenen der eigenen Angaben zufolge nur 26,50 Pfund (etwa 30,66 Euro) pro Sprung verdiente, sagte der Polizei nach seiner Festnahme, dass die Teammitglieder während der Sprünge keine festgelegten Verantwortlichkeiten hätten und die Ausrüstungsprüfungen „gemeinsam“ durchgeführt wurden.

„Dieses verdammte Seil“
Der tragische Tod von Maria löste in Brasilien große Bestürzung aus. Familie, Freunde und viele Menschen, die ihre Geschichte verfolgten, trauerten um die junge Frau. Besonders bewegend waren die Worte ihrer Mutter nach der Beerdigung der 21-jährigen Maria am Sonntag in São Paulo. In einem emotionalen Social-Media-Beitrag schrieb sie: „Dieses verdammte Seil hat dich mir für immer genommen. Meine geliebte Tochter, du bist fort, und alles, was bleibt, sind Schmerz und Sehnsucht. Ich werde dich für immer lieben.“

Die Stadtverwaltung von Limeira kündigte währenddessen an, rechtliche Schritte gegen die brasilianische Regierung einzuleiten, da diese es versäumt habe, den Zugang zur alten Eisenbahnbrücke zu überwachen und zu regeln. Im April 2024 starb eine 39-jährige Radfahrerin, nachdem sie von der Brücke gestürzt war. Im vergangenen August wurden zwei Frauen bei einem weiteren Unfall dort schwer verletzt.

Limeiras Bürgermeister Murilo Felix äußerte sich ebenfalls zu den Vorkommnissen: „Zusätzlich zu den Umständen, die zum Tod der jungen Frau geführt haben, muss geklärt werden, wer für die mangelnde Zugangskontrolle zu einem Bundesgebiet verantwortlich ist, das seit Jahren bekannte Risiken birgt und in dem immer noch nicht die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Leider hat ihr Versäumnis, zu handeln, gerade zu einer weiteren Tragödie in Limeira geführt.“

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