Spurensuche im Kloster

280 Jahre altes Grab mit mysteriöser Vergangenheit

Niederösterreich
14.06.2026 12:00

Auf verschlungenen Wegen verschlug es einst Ordensbruder von Spanien ins Stift Lilienfeld. Seine erst jetzt entdeckte Grabplatte belegt die Herkunft aus bedeutendem Wahrzeichen.

„Wie mag es ihm fern der Heimat bei uns wohl ergangen sein, nachdem ihn der liebe Gott auf Wegen, die nur er selbst kennt, zu uns geleitet hat“, sinniert Abt Pius Maurer angesichts der Grabplatte. Mehr als 280 Jahre lang lag Geschichte verborgen unter Stein und Staub. Erst bei den laufenden Renovierungsarbeiten im Stift Lilienfeld rückte nun ein Grabstein wieder ins Licht, der von einem Mann erzählt, dessen Lebensweg heute noch Rätsel aufgibt. Jacobus de Fortunis hieß der Mönch, der 1741 in Lilienfeld seine letzte Ruhe fand. Geboren fernab der Voralpen, stammte er aus dem berühmten katalanischen Zisterzienserkloster Poblet in Spanien – einer Abtei, die bis heute zu den bedeutendsten geistlichen und kulturellen Wahrzeichen Kataloniens zählt.

Vermutungen, wie Spanier nach Niederösterreich kam
Wie es den Ordensmann aus dem sonnigen Süden Europas aus in das stille und kühle Traisental verschlug, weiß niemand mehr. Doch Historiker vermuten, dass die Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges sein Schicksal bestimmten. Möglicherweise kam de Fortunis im Gefolge des Habsburgers Karl VI. nach Österreich, als sich nach den kriegerischen Auseinandersetzungen die politischen Verhältnisse auf der Iberischen Halbinsel grundlegend veränderten.

Erst jetzt wurde die GRabplatte des Mönchs entdeckt.
Erst jetzt wurde die GRabplatte des Mönchs entdeckt.(Bild: Imre Antal)

So könnte der katalanische Mönch seine Heimat, seine Sprache und sein Kloster verlassen haben, um in Lilienfeld ein neues Zuhause zu finden. Dort wurde ihm aber offenbar jenes Maß an Ruhe und Geborgenheit zuteil, das ihm die unruhigen Zeiten zuvor genommen hatten. Sein wiederentdeckter Grabstein erinnert an ein stilles Schicksal zwischen zwei Welten. An einen Suchenden, der einst Tausende Kilometer von seiner Heimat entfernt zum Herrn ging und dessen Geschichte dennoch bis heute die Brücke zwischen Katalonien und NÖ schlägt.

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