In Wiener Familien geben Väter öfter der Familie den Vorrang vor dem Beruf als sonstwo. Zahlen zeigen, dass die Hürden noch groß sind.
Väter in Karenz bleiben in Österreich ein Minderheitenprogramm: Nur jeder fünfte Vater im Land nimmt für die Familie eine Auszeit im Beruf. Ohne Wien würde die Bilanz aber noch viel schlechter aussehen, denn hier ist es zumindest fast jeder vierte.
Eine neue Auswertung der Zahlen von Kindergeld-Bezug, Wiedereinstellungsmonitoring und anderen sozialen Eckdaten durch das arbeitnehmernahe Momentum Institut zeigt zugleich: Vätern kann man nur zum Teil Desinteresse an familiären Pflichten ankreiden, denn sie gehorchen offenbar in den allermeisten Fällen nur wirtschaftlichen Notwendigkeiten, wenn sie nicht in Karenz gehen.
Verkanntes gutes Geschäft für die Volkswirtschaft
Der Anteil von Vätern in Karenz stieg zuletzt zwar wieder leicht, ist trotzdem heute aber nur auf dem Niveau des Jahres 2015. Ab 2017 brachen die Zahlen ein, was nur den Schluss zulässt: Die angespannte wirtschaftliche Lage zwingt Väter offenbar dazu, „Geld ins Haus zu bringen“ statt sich vermehrt um die Familie zu kümmern.
Auch Sophie Achleitner, Gleichstellungsexpertin des Momentum Instituts, will Vätern nicht den schwarzen Peter als Karenz-Muffel zuschieben: Es brauche vielmehr eine Politik und Betriebe, die Vätern dabei „den Rücken stärken“: „Ein Recht auf dem Papier verändert noch keine Rollenbilder und keine Arbeitswelt.“
Gerade die Auswertung des Momentum Instituts zeigt aber, dass Väterkarenz langfristig auch ein gutes Geschäft für die Volkswirtschaft ist. Der Prozentsatz einer raschen Rückkehr von Müttern in den Beruf steigt im Gleichschritt mit der Dauer der Väterkarenz. Kümmert sich der Vater bis zu drei Monate lang um den Nachwuchs, kehren zwei Drittel der Frauen dauerhaft in den Beruf zurück. Bei Frauen, deren Partner länger als sechs Monate in Karenz waren, sind es sogar neun von zehn.
Wer Gleichstellung will, muss Väterkarenz aus der Ausnahme-Ecke holen. Es braucht Politik und Betriebe, die Vätern den Rücken dabei stärken.

Sophie Achleitner, Momentum Institut
Bild: Marlene Feichtenschlager
Langzeitwirkung, die Staat und Betriebe nichts kostet
Wiener Väter gehen nicht nur öfter in Karenz als anderswo, sie nehmen sich im Durchschnitt auch doppelt so viel Zeit dafür. Das wirkt lange nach. Es lässt sich belegen, dass Väter, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht haben, auch nach der Rückkehr in den Job langfristig mehr unbezahlte Arbeit in Familie und Haushalt übernehmen und somit nachhaltig der Gleichstellung helfen, ohne dass es Staat oder Arbeitgeber noch etwas kostet.
Umgekehrt beweisen die Zahlen, dass der „Papa-Monat“ meistens ohne Wirkung verpufft. Österreichweit verabschieden sich zehn Prozent der Väter nach einem Monat wieder in das Berufsleben. Nur halb so viele kümmern sich zusätzlich auch per Karenz um ihre Kinder. Achleitner sieht damit bewiesen, dass „Gleichstellung nicht durch ein paar Wochen Ausnahmezustand entsteht.“ Wien ist auch dabei die Ausnahme: Hier ist der Anteil von Vätern, die sowohl Papa-Monat als auch Karenz in Anspruch nehmen, gegen den Bundestrend höher als der Anteil der Ein-Monats-Papas.
Wonnige Sommerwochen als Väter-Privileg?
Ein bisschen müssen sich aber auch jene Väter an der Nase nehmen, die sich für Zeit mit der Familie entscheiden, denn über die Jahre gibt es dabei einen immer deutlicheren saisonalen Schwerpunkt. Zusehends reservieren sich die Väter die wonnigen Sommermonate für die Zeit mit den Kindern.
Das mag zwar auch mit geschlossenen Kindergärten und ruhigeren Monaten im Job zu tun haben, ein wenig Rosinenpicken wird aber wohl dabei sein. Das legt zumindest eine Untersuchung aus Spanien nahe, die einen explosionsartigen Anstieg von Väterkarenzen im Winter 2022 belegte – während in Katar die Fußball-WM stattfand.
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