Mehr Tiere, kein Geld!

Ausgeblutet: Fledermaus-Rettung ohne Budget

Wien
16.06.2026 17:30

In Wien-Mariahilf betreibt eine Handvoll Menschen die einzige spezialisierte Fledermausstation Österreichs, vollständig ehrenamtlich und ohne öffentliche Förderung. Mehr als 1.400 Tiere sind allein 2025 versorgt worden. Wie lange kann das gut gehen?

Der Durchgang eines Altbaus in Wien-Mariahilf steht offen, lediglich ein kleines Schild weist den Weg. Im idyllischen Innenhof, zwischen alten Mauern, Vogelhäuschen, Tränken, Amseln und Stadttauben empfangen mich Katharina Leibezeder, Obfrau der Fledermausstation Österreich, und ihre Kollegin Doris Swoboda.

120 Nachtjäger stationär
Wenig später geht es in einen Raum mit Boxen und Inkubatoren. Aus abgedeckten Ecken dringt leises Rascheln. Etwa 120 Fledermäuse werden hier aktuell von einem sechsköpfigen Team gepflegt, vollständig ehrenamtlich. In Räumlichkeiten, die Evelyne Kolar vom Verein Blauer Kreis kostenlos zur Verfügung stellt.

Die engagierten Mitglieder des Teams der Fledermausstation Österreich in Wien Mariahilf, mit ...
Die engagierten Mitglieder des Teams der Fledermausstation Österreich in Wien Mariahilf, mit süßem Fledermaus-Maskottchen aus Stoff.(Bild: Imre Antal)

Gegründet wurde die Station von drei Tierpflegerinnen, die 15 Jahre lang unter Dr. Gabriele Schaden an der Veterinärmedizinischen Universität Wien gearbeitet hatten. Schaden gilt als eine der profiliertesten Fledermaus-Fachleute Österreichs. Mit deren Pensionierung stand die Frage im Raum: Soll dieses Spezialwissen verschwinden – oder weitergeführt werden? Die Entscheidung fiel für Letzteres.

Unverzichtbar für die Natur
In Österreich leben 30 verschiedene Fledermausarten – allein in Wien sind stolze 23 von ihnen beheimatet. Für unser Ökosystem sind die Tiere unverzichtbar: Als lautlose Nachtjäger halten sie als natürliche Schädlingsbekämpfer die Insektenpopulationen im Gleichgewicht. Das Team kennt ihre Jagdmethoden, Lebensräume und medizinischen Anforderungen bis ins Detail. Besondere Fälle wie die Hufeisennasen verlangen spezielles Wissen und individuelle Betreuung.

Mehr Tiere, keine Mittel
2024 wurden 658 Tiere versorgt, 2025 waren es bereits mehr als 1.400 Fledermäuse. Der Anstieg ist exponentiell, und er hält an. Im Schnitt bleibt jedes Tier sieben Tage in Pflege, manche deutlich länger.

Bezahlt wird dennoch niemand. Förderanträge an die Stadt Wien scheiterten bisher an Zuständigkeitsfragen – formal liegt der Bereich auch bei der Wiener Wildtierhilfe (MA49).

Dabei wäre der Bedarf überschaubar: Zwei Teilzeitstellen würden reichen, um den Betrieb abzusichern. Investitionen erfolgen fast ausschließlich über Spenden – selbst grundlegende Geräte konnten nur so angeschafft werden. Der gewonnene „Tierisch engagiert Award“ von Fressnapf Österreich ermöglichte zumindest Waschtrockner und Geschirrspüler.

Besser einmal zu oft anrufen als gar nicht
Das Notfalltelefon ist 24 Stunden erreichbar. Zudem koordinieren sich rund 80 Freiwillige österreichweit in einer WhatsApp-Gruppe, damit im Ernstfall schnell reagiert werden kann. Wer eine Fledermaus findet, die am Boden liegt, in einem Stiegenhaus sitzt, auf einer Mauerspitze hockt oder Katzenkontakt hatte, soll sich melden, ohne zu zögern. Fledermäuse am Boden brauchen fast immer Hilfe.

Fledermaus in der Wohnung
Bald ist Hochsaison. Im Sommer fliegen Jungtiere in Wohnungen, und die Telefone laufen heiß. Das Team beruhigt und hat Rat: Fenster auf, Vorhänge zur Seite, Licht aus, Haustiere raus, zwanzig Minuten warten. In den meisten Fällen reicht das. Im Winter führen Baumschnitte an hohlen Stämmen dazu, dass Fledermäuse aus dem Winterschlaf gerissen werden. Im urbanen Raum werden Doppelfenster und Taubengitter immer wieder zur tödlichen Falle.

So können Sie helfen

  • Was tun, wenn man eine Fledermaus findet: Aus Sicherheitsgründen niemals mit bloßen Händen anfassen. Ein Geschirrtuch genügt, um das Tier vorsichtig aufzunehmen und in eine vorbereitete Box zu legen, die kleine Luftlöcher hat. Innen eine leicht angefeuchtete Küchenrolle, damit das Tier trinken kann. Box zukleben, nicht mehr öffnen. Fledermaushilfe kontaktieren:
  • Notfallnummer der Fledermausstation Österreich ist rund um die Uhr erreichbar: 0670/602 86 66
  • Kontakt: office@fledermausstation.at 
    Wissenswertes zur Fledermausstation Österreich oder auch auf Instagram!
  • Spenden: Fledermausstation Österreich
    Betreff: Spende
    AT54 2011 1850 4129 2500
    BIC GIBAATWWXXX
  • Stadtwildtiere: Sichtungen in Wien melden Sie hier

Lebenslange Freundschaften
Fledermäuse sind hochsoziale Tiere. Sie pflegen lebenslange Freundschaften, schlafen in Winterquartieren gemeinsam und kommunizieren innerhalb ihrer Art auf eine Weise, die selbst Fachleute noch überrascht.

Das älteste bekannte Exemplar wurde über 42 Jahre alt. Tiere, die mit einem Partner zusammen gepflegt werden, heilen schneller, manche bleiben bis zu neun Monate in der Station. Weil sie standorttreu sind und feste Schlafplätze haben, können sie täglich verlässlich versorgt werden.

Herzblut für Tiere in der Not
Die Fledermausstation steht exemplarisch für zahlreiche Initiativen im Artenschutz. Fachlich hochkompetent, organisatorisch engagiert und strukturell unterfinanziert. Dass das System dennoch funktioniert, verdankt sich einem dichten Netzwerk, das mittlerweile bis nach Amerika und Brasilien reicht. Vor allem aber Menschen, die ihre Zeit, ihr Wissen und ihr Herz für diese Tiere geben – ohne Bezahlung!

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