Ein Cold Case mit einer nicht identifizierten Leiche, die wohl ein Jahrzehnt lang in einem Wald in der Steiermark gelegen ist, obwohl ein Jäger sie schon vor Jahren gefunden hatte, wird von der Polizei noch einmal neu aufgerollt. Die Suche nach Hinweisen konzentriert sich zunehmend auf Deutschland.
Im Mai 2025 war der Fund der Leiche in einem abgelegenen Waldstück nahe einer Wildtierfütterung im obersteirischen Bretsteingraben im Bezirk Murtal angezeigt worden. Es handelte sich offenbar um einen Radfahrer, denn er trug ein Trikot, und auch das Fahrrad wurde entdeckt. Trotz umfangreicher kriminalpolizeilicher Ermittlungen, DNA-Analysen und forensischer Untersuchungen konnte die Identität des verstorbenen Mannes aber bis heute nicht geklärt werden. In der Sendung „Fahndung Österreich“ auf ServusTV (Mittwoch um 20.15 Uhr und online) sollen die bisherigen Erhebungen genauer beleuchtet werden.
Wohl zwischen 2014 und 2019 verstorben
Ein Abgleich mit bekannten Vermissten- und Abgängigkeitsfällen in Österreich und im Ausland verlief bisher ohne Treffer, so die Ermittler. Ein anthropologisches Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Leoben geht derzeit von einem Mann im Alter zwischen 40 und 60 Jahren mit einer Körpergröße von etwa 1,60 bis 1,70 Metern aus. Nach Einschätzung von Experten dürfte der Mann bereits zwischen 2014 und 2019 verstorben sein. Eine eindeutige Todesursache konnte aufgrund des Zustands der sterblichen Überreste aber nicht mehr festgestellt werden.
Keine Anzeige, weil Jäger „Wildtiere im Revier nicht stören wollte“
Das deckt sich auch mit Angaben des Waldbesitzers, in dessen Eigenjagd die Leiche lag. Er gestand der Polizei, dass er den Toten schon im Jahr 2014 oder 2015 entdeckt hatte. Das zeigte er allerdings nicht an, weil der Jäger „die Wildtiere im Jagdrevier nicht stören“ wollte, hieß es seitens der Ermittler. Erst als der Großgrundbesitz übergeben werden sollte, brachte der Jäger den Fall schließlich elf Jahre danach doch noch zur Anzeige und die Ermittlungen ins Rollen. Bisher kann auch ein Fremdverschulden nicht ausgeschlossen werden, konkrete Hinweise darauf gibt es allerdings auch nicht.
Neue Ermittlungsansätze könnten nun aber entscheidende Hinweise zur Identität des Toten liefern. Bei den sterblichen Überresten fanden Ermittler unter anderem mehrere Bekleidungsstücke zum Radfahren. Besondere Bedeutung könnte dabei einem grauen Radtrikot zukommen. Dieses dürfte in Italien hergestellt und im Raum Bremen von der „National Cycling Academy“ (NCA) an Absolventen von Spinning-Kursen in den Jahren 2008 und 2009 ausgegeben worden sein. Aufzeichnungen aus dieser Zeit gibt es aber nicht mehr. Daher könnten Hinweise aus Deutschland vielleicht die Identität klären.
Cheffahnder will „Schicksal nach Jahren einen Namen geben“
Neben den Fotos des Trikots veröffentlichte die Polizei auch Bilder des Fahrrads, das dem Toten zuzuordnen ist. Es handelt sich um ein schwarzes Modell der Marke „Cube“, das in den Jahren 2003 bis 2007 in Deutschland vertrieben wurde. Ob der Mann selbst aus Deutschland stammte oder dort Anknüpfungspunkte hatte, sei Gegenstand weiterer Ermittlungen. „Wir hoffen insbesondere auf Hinweise aus Deutschland. Vielleicht erkennt jemand das Trikot, erinnert sich an einen Teilnehmer eines damaligen Kurses oder vermisst seit Jahren einen Angehörigen, Freund oder Bekannten. Jeder Hinweis könnte dazu beitragen, die Identität des Mannes zu klären und seinem Schicksal nach Jahren einen Namen zu geben“, sagte Cheffahnder Andreas Dirnberger vom Landeskriminalamt Steiermark.
Am Leichnam wurden abgesehen vom grauen Trikot eine schwarze, lange Jogginghose und eine schwarze Regenjacke (beides der Marke Adidas), ein vermutlich dunkelblaues Langarm-Radtrikot (Shamp) und eine kurze, schwarze Radlerhose mit rotem Polstereinsatz (BL Bicycle Line) gefunden. Die Rahmennummer des Fahrrads führte bisher zu keinen weiteren Erkenntnissen. Es wurde übrigens vom Waldbesitzer sogar noch vor der Leiche entdeckt, denn es lag nicht direkt neben dem Radfahrer. Der Jäger hatte das scheinbar herrenlose Sportgerät mitgenommen und vor Witterung geschützt am Hof untergestellt. Es ist daher gut erhalten und wurde offenbar auch gelegentlich benutzt.
Abgleich mit Felzmann-DNA negativ
Gerüchte, es könnte sich um den mutmaßlichen Doppelmörder Friedrich Felzmann aus Stiwoll handeln, nach dem seit 2017 gefahndet wird, zerschlugen sich nach dem Leichenfund übrigens rasch: Ein DNA-Vergleich brachte ein negatives Ergebnis. Felzmann bleibt weiterhin unauffindbar.
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