Das steckt dahinter

Die Pollensaison ist heuer besonders beschwerlich

Burgenland
08.06.2026 07:00

Sie wundern sich, warum Sie seit Beginn des Frühjahrs dauerverschnupft sind und der Hals nicht aufhört zu kratzen? Alles kein Zufall! „Die Pollenbelastung ist dieses Jahr besonders hoch und intensiv“, sagt der renommierte Umweltmediziner Hans-Peter Hutter. Das Burgenland gehöre zu den Hot-Spots. 

Viele Allergiker haben heuer das Gefühl, als wäre „etwas anders“. Die Augen brennen schon am Morgen, die Nase rinnt ununterbrochen, der Hals kratzt, hinzu kommen Reizhusten und Kopfschmerzen. Besonders auffällig: Selbst Menschen, die jahrelang kaum Probleme mit Pollen hatten, reagieren plötzlich empfindlich.

„Allergologen und Umweltmediziner beobachten dieses Phänomen mittlerweile europaweit. Die Ursachen liegen im globalen Temperaturanstieg, Wetterextremen und einer immer längeren Pollensaison. Außerdem werden die Pollen durch Trockenheit feiner und leichter. Sie können tiefer in die Atemwege eindringen und stärkere Reaktionen auslösen“, sagt Umweltmediziner und Landschaftsökologe Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität in Wien.

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Starke Pollensaisonen werden künftig häufiger werden. Der Klimawandel verlängert die Vegetationsperioden und begünstigt das Wachstum hoch-allergener Pflanzen. 

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter

Luftschadstoffe machen Pollen aggressiver
Während es früher klar abgegrenzte Pollenzeiten gab – erst Frühblüher, später Gräser, dann Kräuter wie Beifuß – verschwimmen diese Phasen nun zunehmend: „Durch milde Winter beginnen viele Pflanzen früher zu blühen. Warme Herbsttage verlängern die Saison wiederum. Somit gibt es für Allergiker keine Pause mehr. Für den Körper ist diese monatelange Belastung wahnsinnig anstrengend.“

Hinzu komme, dass Feinstaub, Ozon und Luftschadstoffe die Schleimhäute schon im Vorfeld reizen. Diese Stoffe verändern aber auch die Oberfläche der Pollen und machen sie aggressiver: „Eine hoch-allergene Pflanze ist Ragweed. Der aus Nordamerika eingeschleppte Neophyt findet im Burgenland, wo es viel Landwirtschaft und oft trockene, windige Perioden gibt, ideale Bedingungen, um sich zu rasant zu vermehren.“

Ragweed, auch Beifuß-Traubenkraut und Ambrosia genannt, wuchert oft an Straßenrändern.
Ragweed, auch Beifuß-Traubenkraut und Ambrosia genannt, wuchert oft an Straßenrändern.(Bild: stock.adobe.com null)

Dass viele Betroffene heuer auch über Druck im Kopf, Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und Schlafprobleme klagen, verwundert Hutter nicht: „Vor allem die Müdigkeit wird unterschätzt. Das Immunsystem arbeitet bei allergischen Reaktionen ja permanent auf Hochtouren.“

Kinder leiden besonders unter Heuschnupfen und Abgeschlagenheit.
Kinder leiden besonders unter Heuschnupfen und Abgeschlagenheit.(Bild: stock.adobe.com null)

Wenn Antihistaminika nicht mehr richtig helfen
Um sich Erleichterung zu verschaffen, greifen viele Allergiker zu Antihistaminika. Diese Medikamente blockieren Histamin, also jenen Botenstoff, der für viele Beschwerden verantwortlich ist. Doch zurzeit berichten ungewöhnlich viele Betroffene, dass die Medikamente nicht mehr richtig wirken. „Wer trotz Medikamenten weiterhin starke Beschwerden hat, sollte die Situation unbedingt ärztlich abklären lassen. Denn hinter scheinbar harmlosen Allergiesymptomen können sich bereits chronische Entzündungen der Atemwege oder sogar ein beginnendes allergisches Asthma entwickeln“, so Hutter.

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