22 österreichische Aktive nehmen ab Dienstag sukzessive Kurs auf Paris, um bei den dort am Freitag beginnenden Schwimm-Europameisterschaften zu reüssieren. Ein Wassersprung-Trio ist ab Samstag im Olympic Aquatic Centre im Einsatz, Freiwasser-Schwimmer Luca Karl in der Seine ab Dienstag nächster Woche. Für 19 Becken-Schwimmer geht es schließlich in der Woche ab 10. August um gute Platzierungen. Delegationsleiter ist Jakub Maly, er ersetzt den am 17. März verstorbenen Walter Bär ...
Das unerwartete Ableben der Drehscheibe im österreichischen Verband (OSV) im Alter von nur 56 Jahren hatte die Szene erschüttert. Gleichzeitig galt es aber, möglichst schnell Bärs Posten des OSV-Sportdirektors neu zu besetzen, um die laufenden Planungen weiter voranzutreiben. Maly erhielt den Job interimistisch bis Ende August, zum offiziellen Saisonende. Für danach liegt es an der OSV-Führungsriege, eine längerfristige Lösung zu suchen. Maly kann sich gut vorstellen, das Amt auch weiter auszuüben. „Ich hätte nicht zugesagt, wenn ich es nicht langfristig machen will.“
Maly hatte seine aktive Karriere 2017 beendet und war dann gleich ins Trainergeschäft eingestiegen. Dem blieb er bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris treu, zuletzt als Trainer von Heiko Gigler. „Ich bin dann aus dem Trainerwesen raus, familiär mit zwei kleinen Kindern war das nicht mehr möglich.“ In Folge hatte er die Stelle des OSV-Nachwuchskoordinators erhalten und war als solcher offizieller Vertreter Bärs. „Man denkt bei so einer Klausel darüber nach, dass es zu so einer Situation kommen könnte“, so Maly. Dass genau das eingetreten ist, kam aber unerwartet.
Struktur seiner Arbeit gleichgeblieben
„Es war die Wahl, ich steige in Walters Fußstapfen oder ich sehe mich in keiner anderen Rolle im OSV“, erinnerte sich Maly an den kurzen Entscheidungsprozess. „Grundsätzlich ist die Struktur der Arbeit die gleiche (wie als Nachwuchskoordinator, Anm.), die Verantwortung ist ein bisschen größer. Es ist viel Arbeit, aber nicht unbedingt viel Neues.“ Bär habe er rund 20 Jahre lang gekannt. „Er hat mich wie ein zweiter Vater großgezogen in der Südstadt, hat mich in meiner Karriere unterstützt. Wir hatten dieselben Visionen, zu 95 Prozent die gleiche Meinung.“
Nach dem Tod des Freundes habe es ihm geholfen, den Schicksalsschlag zu verarbeiten, indem er gesagt habe, er mache das für Walter. „Er hätte die Arbeit auch nicht liegengelassen. Und ich bin imstande dazu, habe das Wissen. Das, worin er jahrelang Arbeit und Herzblut reingesteckt hat, in seinem Sinn weiterzumachen. Das hat mir in meiner eigenen Trauerarbeit sehr geholfen.“ Nun profitiere er von den zahlreichen Kontakten in der Zusammenarbeit mit Bär, sei es etwa mit dem Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC), dem Europa- oder Weltverband.
„Das eine ist die Leistung, das andere der Erfolg“
Die zu großen Teilen als Büro-Job ausgelegte Beschäftigung bindet Maly viel an seinen Schreibtisch in Graz, zu Meetings pendelt der gebürtige Tscheche. Für Besprechungen und Wettkämpfe reist er, wie nun auch nach Paris. Für die Kontinental-Titelkämpfe möchte er nur ungern eine OSV-Erfolgsprognose abgeben. „Das eine ist die Leistung, und das andere ist der Erfolg. Ich muss mir Gedanken machen, wie kommt die Leistung zustande, die die besten Voraussetzungen für den Erfolg darstellt. Die Aufgabe ist, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.“
Demzufolge erwartet Maly gute Leistungen seiner Schützlinge. Freilich komme statistisch gesehen nur rund ein Drittel des Teilnehmerfeldes bei solchen Titelkämpfen an die persönlichen Bestleistungen heran. „Wenn wir da oder darüber hinaus sind, bin ich zufrieden.“ Gleich viele Goldmedaillen wie inklusive Wasserspringen und Synchronschwimmen die fünf von Belgrad 2024 zu erwarten, wäre aber „fachlich nicht richtig und ein bisschen arrogant. Ich freue mich aber, wenn möglichst viele den Sprung ins Semifinale schaffen. Und wir werden sicher einige Final-Teilnahmen haben.“
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