Kerstin Klug ist gelernte Kellnerin und Barista, doch die Liebe machte sie zur Käserin. Heute macht sie Gustostücke, die den Namen ihres Mannes tragen. Als „würzig, interessant und etwas, das immer spannend bleibt“ beschreibt die Steirerin den „Herrn Karl“.
Bruch brennen (ein Vorgang beim Käsemachen), Zwacke (ein Kalb, das sich später nicht fortpflanzen kann), Red Friesian (sie besitzen Kühe dieser prächtigen Rasse) – Kerstin Klug hat nicht nur den Traktorführerschein gemacht, sie verwendet Fachbegriffe längst mit so einer lässigen Selbstverständlichkeit, als wäre sie in die Landwirtschaft hineingeboren worden und mit ihr aufgewachsen.
„Dabei bin ich erst ein paar Jahre dabei und komm aus einem ganz anderen Metier“, schmunzelt die fröhliche Blondine. „Ich war Kellnerin und Barista, also Spezialistin für Kaffeezubereitung.“ Doch dann kam 2017 der Karl. Und mit ihrem zukünftigen Mann der Käse. Denn der gebürtige Mooskirchner Landwirt, dessen Hof vulgo „Voltannerl“ aus 1583 datiert, brachte seiner Frau – die das brennend interessierte – alles bei, was er selbst bei der Ausbildung in Grottenhof gelernt hatte.
Thailänder decken sich mit Käse ein
Kerstin kultivierte das Wissen und entwickelte es weiter. „Wenn mich etwas interessiert, bin ich nämlich sehr dahinter und ehrgeizig.“ Mittlerweile gehen die Produkte der Mooskirchner Käserei über viele steirische Ladentische und sogar in die Welt hinaus. „Russen haben einmal einen Riesenlaib am Bauernmarkt gekauft. Auch thailändische Urlauber waren nach einer Kostprobe so entzückt, dass sie sich mit unserem Käse eingedeckt haben“, erzählt der Karl.
Der übrigens Namensgeber für einen der großen Renner ist, den seine Gattin in der „Käsekuchl“ selbst kreiert hat: der „Herr Karl“. „Natürlich ist das meine Lieblingssorte“, lacht der Steirer. Und natürlich macht es ihn ein bissl stolz, dass seine Kerstin den köstlichen Käse, der ganz frisch fast nach Topfen schmeckt, dann aber reift, als „würzig, interessant und etwas, das immer spannend bleibt“ beschreibt. Allerdings verlangt der „Herr Karl“ auch jede Menge Pflege, bis er so ist, wie er sein soll: Täglich will er mit Salzlake behandelt und mit Rotschmierkultur gepflegt werden, sonst rückt er seinen typischen, herrlichen Geschmack nicht raus.
Kerstin selbst liebt den Mooskirchner Schnittkäse am meisten. „Ich ess Käse auch am liebsten ganz simpel, vor allem am Abend: pur mit ein paar Essiggurkerln. Herrlich!“
Dass der Käse so gut wird, ist aber auch den hauseigenen Produzentinnen geschuldet, denen es hier im Kuhstall mitten im Ortsgebiet so behaglich wie möglich gemacht wird. Mit einem Tierwohlstall, der Freiluftgefühle aufkommen lässt, mit viel Licht, Luft, Sonne, Stroh und glücklich herumschwirrenden Schwalben. „Poldi“, „Fifi“ & Co. sehen jedenfalls recht glücklich aus und danken mit viel Milch. Bis zu 12.000 Liter gibt jede der 50 Damen im Jahr her – Kerstin braucht auch viel. Für 50 Kilo Käse sind es 600 Liter! Dazu viele Stunden an Arbeit, Reifung, Pflege ...
13 Sorten haben die Klugs im Angebot, auch mit Chili, Paprika oder Pfeffer veredelte Meisterhappen. Was Kerstin als Nächstes kreieren wird? „Wolfis Pfefferbiss“, benannt nach einem guten Freund. Der wollte auch seinen „eigenen“ Käse, nachdem Nachbar Ferdinand seinen g’schmackigen „Paprika-Ferdl“ bekommen hatte.
lnfo: mooskirchner-käserei.at. Erhältlich z. B. in den Lagerhäusern Graz-Land, im 24-Stunden-Stopp Konrad in Lieboch, bei Hubmann in Stainz und im Ramsauer Dorfladen.
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