Experten mahnen

Respekt auf Almen: Kühe sind keine Streicheltiere!

Steiermark
02.06.2026 05:00

Rücksichtslose Wanderer streicheln Kühe, Mountainbiker fahren quer über die Weiden: Nach der tödlichen Kuh-Attacke in Osttirol mahnen Experten mehr Achtsamkeit ein. Denn sonst drohen Verbote, auch in der Steiermark.

Wenn Toni Hafellner vom Almwirtschaftsverein es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte er es vermutlich nicht geglaubt. Zwei Mountainbiker, die gipfelabwärts mit einem Affentempo ins Tal rasten – mitten durch eine Kuhherde. „Die Tiere sind völlig panisch aufgesprungen und in alle Richtungen davongerannt. Da hätten leicht welche in den Tod stürzen können.“ Unverantwortlich. Und rücksichtslos.

„Herziges Foto“ mit Kind auf Kuh
Manchmal kann man es auch gar nicht richtig benennen – so wie bei jenen Eltern, die ihr Kind auf der Weide auf eine Kuh setzten für ein „herziges Foto“, wie Augenzeugen schildern.

Jetzt starten Wanderer, Radler und alle anderen Alm-Genießer wieder in die Hochsaison – was Toni Hafellner, der steirische Landwirtschaftskammerchef Andreas Steinegger und Rinder-Experte Rudi Grabner zum Anlass nahmen, um auf die malerische Gmoa-Alm nahe Frohnleiten zu laden. Um hier, wo ein Bilderbuch-Wanderweg vier Hütten verbindet und an schönen Tagen Hunderte Freizeitler unterwegs sind, Risiken aufzuzeigen.

Rinder-Experte Rudi Grabner, Andreas Steinegger und Toni Hafellner mit den Verhaltensregeln auf ...
Rinder-Experte Rudi Grabner, Andreas Steinegger und Toni Hafellner mit den Verhaltensregeln auf der Alm. Hunderte Tafeln, auch in Englisch gehalten, wurden in der Steiermark aufgestellt.(Bild: Jürgen Fuchs)

Hausverstand, Respekt, Verständnis
Hausverstand, Respekt und Verständnis für Kühe, Pferde & Co. – denen die Alm schließlich „Wohnstätte“ im Sommer ist – sind die Pfeiler und Stichwortgeber in der Unfallvermeidung. So würde wohl kaum ein Weidetier von selbst attackieren – aber sehr wohl so gut wie jede Mutterkuh ihr Kleines mit Vehemenz beschützen.

Die Familie Affenberger ist Betreiber und Gastgeber auf der malerischen Gmoa-Alm.
Die Familie Affenberger ist Betreiber und Gastgeber auf der malerischen Gmoa-Alm.(Bild: Jürgen Fuchs)

Das Expertentrio hat Fakten parat: So behäbig Kühe wirken, die Routine und stressfreies Wiederkäuen lieben – so erstaunlich schnell sind sie auf den Beinen, wenn Gefahr naht. Mit ihren bis zu 800 Kilogramm können sie 40 km/h schnell laufen! Und durch lautes Schreien oder zu viel Nähe in Angst geraten. Zumal das Tier nur zwei Meter weit klar sieht – alles andere ist verschwommen. Da wird allein von der Bewegung her selbst ein Minihund schnell zum gefürchteten Raubtier.

Zitat Icon

Wir fordern Respekt ein. Wenn sich das Verhalten der Leute nicht ändert, muss man sie vor sich selbst schützen. Etwa mit einem Hundeverbot auf der Alm.

Andreas Steinegger, Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer

Wie Hundehalter agieren sollten, zeigt Rinder-Expertin Melanie Affenberger: Mit ihrer gut erzogenen „Jana“ geht sie an kurzer Leine zügig über die Weide; bei Gefahr im Verzug hätte sie den Hund rasch abgeleint.

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