Während vor dem Rathaus lautstark knapp 150 Menschen demonstrierten, wurde am Montagabend von ÖVP und SPÖ ein neues Konzept der Flächenwidmung durchgewunken, das in St. Andrä-Wördern im Ortsteil Badesiedlung im Bezirk Tulln insgesamt knapp 7000 Quadratmeter Grünstreifen zu Verkehrsflächen umwandeln wird.
„390 Einsprüche, eine abgebrochene Gemeinderatssitzung durch Auszug dreier Parteien, drei Demos mit etwa 300 Personen sowie 2500 Unterschriften in einem Ort mit 750 Bürgern zeugen von klarer Ablehnung der Bevölkerung. Ein Musterverfahren zur Klärung wurde von den regierenden Parteien genauso abgelehnt wie ein Entwicklungskonzept“, ärgert sich Markus Kolar, geschäftsführender Gemeinderat der FPÖ.
Keine breiten Straßen in natürlich gewachsenem Siedlungsteil bei Au
Die Front der Ablehnung zieht sich durch den ganzen Ort. Fünf Siedlervereine haben sich zusammengeschlossen und sehen auch rechtliche Bedenken: Eine Erweiterung von Verkehrsflächen würde den historischen Bestand des Naturjuwels Badesiedlung in seiner Schönheit zerstören: Der seit den 1920er-Jahren natürlich gewachsene Altbestand, der bis heute für Ruhe und Erholung sorgt, brauche keine breiten Straßen. Das würde nur Verkehr anziehen . . .
Gemeindechefin mit Erklärungsbedarf: „Vorerst ändert sich kaum was“
„Sie wolle ,Rechtssicherheit herstellen“, äußert sich Bürgermeisterin Susanna Kittinger auf die Frage, warum gerade jetzt und so plötzlich eingegriffen werde. Die große Zahl protestierender Menschen und die Frage nach dem Sinn einer Änderung durch breite Straßen statt engen naturbelassenen romantischen Wegen zwingt sie, auf der Ebene des Gesetzes versuchen, zu argumentieren: Den Begriff von sechs Meter breiten Straßen lässt sie jedenfalls nicht gelten: Denn Verkehrsfläche sei nicht gleich Straßenfläche – was im Endeffekt kaum Unterschied macht. „Die Bürger könnten betroffene Grundstreifen von der Gemeinde pachten“, beruhigt Kittinger. „Wir wollen die Sicherheit, dass bei Veränderungen der Infrastruktur wir als Gemeinde auch handeln können.“
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