Weil eine Siedlung im Bezirk Tulln in den 1990er-Jahren falsch vermessen wurde, bangen die Bewohner um ihre Zäune und Hecken. Wegen der Causa ist jetzt sogar eine Gemeinderatssitzung geplatzt.
Seit knapp 100 Jahren besteht die Badesiedlung Greifenstein-Altenberg bei St. Andrä-Wördern, Bezirk Tulln. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich 700 Familien hier ein schmuckes Domizil im Grünen geschaffen. Doch derzeit gleicht die Ruheoase am Wasser einem Pulverfass.
Wirbel um Verkehrsflächen
Der Grund: Die Gemeindeführung will sechs Meter breite Verkehrsflächen im Flächenwidmungs- und Bebauungsplan festschreiben. „Tatsächlich sind die Wege zwischen den Parzellen aber nur halb so breit“, schildert Dr. Alexander Klauser. Der Rechtsanwalt ist selbst Anrainer und hatte vor der vorwöchigen Gemeinderatssitzung, bei der die Causa auf der Tagesordnung stand, zu einer Demo aufgerufen. Er und seine Mitstreiter befürchten weitreichende Folgen der geplanten Änderungen: „Von Rechts wegen müsste die Bürgermeisterin als Baubehörde dann Abrissbescheide für unsere Zäune und Hecken ausstellen.“
Vermessung vor Verkauf
Die Ursache für die verzwickte Situation liegt in den 1990er-Jahren: Damals konnten die gepachteten Grundstücke gekauft werden. Für die nötige Parzellierung wurden diese vermessen – und sechs Meter breite Verkehrswege in den Katasterplan eingetragen. Klauser: „Daher konnten wir die Parzellen nur ,verkleinert’ kaufen. Die Streifen, auf denen unsere Zäune und Hecken stehen, sind nach wie vor gepachtet.“ Die Sechs-Meter-Straßen, welche die Gemeindespitze jetzt festschreiben möchte, existieren derzeit nur „fiktiv“ auf dem Papier. Aber wer weiß, was kommt?
Ein flächendeckendes Netz von sechs Meter breiten Verkehrsflächen in einer Badesiedlung wäre absurd.

Dr. Alexander Klauser, Rechtsanwalt und Anrainer
Bild: Attila Molnar
Opposition verließ Sitzung
Nachdem im Gemeinderat die ÖVP/SPÖ-Mehrheit eine Verschiebung der brisanten Tagesordnungspunkte abgelehnt hatte, zog die Opposition geschlossen aus dem Saal – damit war die Sitzung vorerst geplatzt. Die Wiederholung muss demnächst anberaumt werden.
Wie sieht die Lösung aus?
Bürgermeisterin Susanna Kittinger (ÖVP) ist überzeugt, dass keine Abrisse nötig seien: „Da wird viel mit der Angst gespielt.“ Sie sagt, sie habe eine Lösung parat. Wie die aussieht, verrät sie jedoch nicht: „Das will ich zuerst mit den Anrainern besprechen.“
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