Staatliche Entwicklungshilfe orientiert sich nicht primär am Bedarf und den Prioritäten der Empfängerländer. Sie hängt vor allem mit Wirtschaftsinteressen und geopolitischem Einfluss der Geberländer zusammen, wie eine neue Studie aus Österreich zeigt. Demnach folgen Hilfsströme strategischen Rohstoffinteressen.
Für die Studie haben das Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) zwei große Datensätze der OECD miteinander verglichen: das Creditor Reporting System, das die Geldströme von 1,7 Millionen bilaterale Entwicklungshilfeprojekte, die von der öffentlichen Hand (Official Development Assistance/ODA) finanziert werden, erfasst und das CEPII-BACI, das den jährlichen Warenhandelsaustausch zwischen 200 Staaten abbildet. Die Analyse umfasst die Jahre 2011 bis 2022.
Eines der Ergebnisse: Die Menschen in Europa und den USA profitieren davon, dass viele ihrer konsumierten Produkte irgendwo anders billig produziert werden. Als Beispiele nennt ASCII-Direktor Peter Klimek Ghana und Cote d‘Ivoire, woher der Westen Kaffee und Kakao bezieht. Zugleich fließt dort viel Geld in die Förderung der Biodiversität, die durch den Anbau unter die Räder kommt. In anderen afrikanischen Staaten gibt es demnach enge Parallelen zwischen Bergbauaktivitäten zwecks Export und zugleich Auslandshilfe, die in die Beseitigung von Abfall und ökologischen Schäden gepumpt wird, die durch die Minen entstehen.
Was unsere Studie klar zeigt, ist, dass die Regierungen sehr strategisch vorgehen, wo die Hilfsmittel hingehen.
Peter Klimek, ASCII-Direktor
Dafür gibt Österreich Geld aus
In Bezug auf Österreichs Entwicklungshilfe lassen sich an den OECD-Daten hohe Prozentsätze für Bergbau, Industrie und Bau in der Mongolei, Bangladesch oder dem Kosovo ablesen. Grundsätzlich setzt Österreichs Regierung am stärksten auf Bildung und den Energiesektor. Laut der Studie gibt es insgesamt einen Zusammenhang zwischen humanitärer Hilfe in Bereichen wie Gesundheit und Infrastruktur sowie dem Handel mit Edelsteinen, Metallen und anderen Mineralien.
Ein weiteres Ergebnis ist, dass sich die Vereinigten Staaten und Europa bemühen, sich per Entwicklungshilfe Lieferketten und geopolitischen Einfluss zu sichern. „Was unsere Studie klar zeigt, ist, dass die Regierungen sehr strategisch vorgehen, wo die Hilfsmittel hingehen (...). Handelsabhängigkeiten werden mehr und mehr als geopolitisches Druckmittel eingesetzt“, sagte der Komplexitätsforscher Klimek. Diese Strategie würden vor allem die USA und China verfolgen.
Ziele widersprechen sich oft
Die Hilfe würde häufig gar so vergeben, dass sie sich in sich selbst widerpreche, sprich unterschiedlichen Zielen diene. „(...) Wir wollen es billig haben, wir wollen es nachhaltig haben, das geht sich nicht immer beides aus. Das muss man offen absprechen (...)“, sagte Asjad Naqvi, ASCII-Forscher. Es bräuchte für alle Beteiligten möglichst vorteilhafte Ansätze, um globale Herausforderungen zu bewältigen. Im Vorjahr haben 26 der 38 OECD-Länder ihre Entwicklungshilfe zurückgefahren. Damit erreiche man nur, „Einfluss in der globalen Gesamtrechnung“ zu verlieren, heiß es.
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