Häftling in Guantànamo

Linke ÖH lädt Ex-Terrorist (55) auf Wiener Uni ein

Österreich
31.05.2026 12:30

Die linke Koalition der Hochschülerschaft (ÖH) an der Universität Wien lädt das ehemalige Mitglied der Terrororganisation Al Kaida Mohamedou Ould Slahi zu einer Veranstaltung ein. Diskutiert werden soll etwa über Menschenrechte im umstrittenen US-Gefängnis Guantànamo. Es hagelt bereits scharfe Kritik.

Im Fokus steht Mohamedou Ould Slahi, ein ehemaliges Mitglied der islamistischen Terrororganisation Al Kaida, der er in den 1990er-Jahren in einem Camp in Afghanistan ausgebildet wurde und einen Treueschwur leistete.

14 Jahre Häftling in Guantánamo
In den USA galt er als Schlüsselfigur mit Kontakten zu Osama bin Laden. Die Regierung warf ihm vor, einer der Hauptakteure des 11. September 2001 gewesen zu sein. Er sollte drei der vier Piloten für Al-Kaida organisiert haben. Von 2002 bis 2016 war Slahi Häftling in Guantánamo, aber ohne Anklage.  Während seiner Gefangenschaft schrieb der heute 55-Jährige ein Tagebuch über seine Erfahrungen, das später zu einem internationalen Bestseller wurde. Er beschrieb etwa, wie er über die vielen Jahre hindurch gefoltert wurde.

Das ist auch Thema der Veranstaltung unter dem Titel „Fast 25 Jahre Guantanamo Bay“ am 8. Juni am Uni-Campus. Neben Slahi sind ein weiterer Ex-Guantànamo-Häftling und ein ehemaliger Guantànamo-Wärter eingeladen.

ÖH-Sprecher verteidigt Einladung
Die ÖH will laut eigener Aussage über Menschenrechte und den „War on Terror“ diskutieren lassen: „Sich mit diesen Entwicklungen auseinanderzusetzen, bedeutet nicht, sämtliche biografischen Aspekte oder persönlichen Ansichten einzelner Personen unkritisch zu übernehmen, sondern die Auswirkungen staatlicher Maßnahmen auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ernsthaft zu reflektieren“, betont ein Sprecher der vom roten VSStÖ dominierten Hochschülerschaft.

Das Leben von Slahi wurde zudem im Film „Der Mauretanier“ verfilmt, er trat auch bereits einmal an der Universität Graz auf, betont die ÖH.

Video: Doku über Mohamedou Ould Slahi

Scharfe Kritik von AG und FPÖ
Kritik an dem Auftritt lässt aber ebenfalls nicht lange auf sich warten. „Wer ehemaligen Al-Kaida-Mitgliedern eine Bühne bietet und das als Menschenrechtsdiskurs verkauft, hat den politischen und moralischen Kompass verloren“, sagt Laurin Weninger, Obmann der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker sieht sogar einen „Sicherheitsskandal“ und kündigt parlamentarische Anfragen an.

Immer wieder Wirbel um ÖH
Bizarr: Vor ein paar Jahren protestierte die ÖH an der Universität für Angewandte Kunst gegen den Auftritt der deutschen Feministin Alice Schwarzer. Ihre feministischen Ansichten seien veraltet, Schwarzer habe „antimuslimische“ und „transphobe“ Meinungen.

Ein ehemaliger Al-Kaida-Mann scheint hingegen innerhalb des zulässigen Meinungsspektrums zu sein. Zuletzt fiel die ÖH an der Uni Wien, Österreichs größter Hochschule, auch mit fehlender Abgrenzung zu Antisemitismus auf, die grüne Fraktion GRAS verließ daraufhin die Koalition.

Am Mittwoch gingen Tausende Studierende, Lehrkräfte und Universitätsmitarbeitende in Wien gegen die geplanten Kürzungen auf die Straße. Rund um die TU Wien am Karlsplatz und die Hauptuniversität am Ring kam es dadurch zu erheblichen Verzögerungen im Öffi- und Autoverkehr.

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