Das Land Steiermark will bei Kammern und Traboch eine Windkraft-Eignungszone ausweisen. Gemeinden und Anrainer wehren sich und sprechen von einer Fehlplanung. Bald fällt die Entscheidung.
Die Landkarten, Unterlagen und Schriftstücke auf dem großen Tisch werden beim Gespräch mit der „Krone“ immer mehr, doch Jürgen Blematl behält die Übersicht. Seit Monaten beschäftigt er sich intensiv mit der geplanten Windkraft-Eignungszone „Steineck-Kammern“. Sein Fazit: „Der Standort ist völlig ungeeignet, das Konfliktpotenzial umso größer.“
Ist es die klassische Haltung „Ja zu erneuerbarer Energie, aber bitte nicht vor meiner Haustür“? Das weist Blematl, der in der Gemeinde Kammern im Liesingtal lebt, zurück und legt mehrere Argumente vor, die seine Einschätzung plausibel erscheinen lassen.
Den ganzen Winter im Schatten?
So würden die bis zu 15 möglichen Windräder sehr nah am Siedlungsgebiet stehen, zum Marktplatz von Kammern seien es nur zwei Kilometer. „Absurd“ und einzigartig sei die geplante Südausrichtung der Windräder. Im Winter würden sie de facto einen dauerhaften Schatten auf das Tal werfen.
Nur wenige Hundert Meter entfernt befinden sich ein Naturschutzgebiet und mit dem Kraubatheck ein Berg, für den es einst schon Windenergiepläne gab, der dann aber sogar zu einer Ausschlusszone für solche Projekte wurde – weil hier die Route vieler Zugvögel verläuft. In der Nähe befinden sich zudem der Flugplatz Timmersdorf und der Rettungshelikopterstützpunkt in St. Michael. Flugrouten müssten angepasst werden, die Austro Control sieht die Pläne daher ebenso kritisch.
Der aber vielleicht entscheidende Punkt: Laut Unterlagen des Landes herrsche am obersteirischen Bergkamm ein „sehr gutes Windkraftpotenzial“, doch bereits 2012 kam ein TU-Professor zum Schluss: zu niedrig, zu wenig Wind. Auch aktuelle Messungen würden das bestätigen.
Alle Gemeinden gegen einen Windpark
Alle vier betroffenen Kommunen (Kammern, Traboch, St. Stefan ob Leoben und St. Michael) haben sich im Gemeinderat gegen die Eignungszone ausgesprochen, dazu mehr als die Hälfte der 40 Grundstücksbesitzer. Der Verein „Für ein lebenswertes Liesingtal“ hat 1400 Protestunterschriften gesammelt. Auch offizielle Einwendungen gibt es bereits, die Begutachtungsfrist für das neue, steiermarkweite Sachprogramm Windkraft läuft bis 8. Juni.
Sorge vor neuen Bundesgesetzen
Wie berichtet, strebt die Landesregierung neun neue Vorrang- und fünf neue Eignungszonen an. Der Unterschied: Bei einer Eignungszone bleibt den Gemeinden die Hoheit über die Raumordnung, sie können Projekte so verhindern. Sind damit Windkraft-Pläne im Liesingtal ohnehin illusorisch?
Da bleibt Blematl vorsichtig: Mit Bundesgesetzen, die den Erneuerbaren-Ausbau vorantreiben sollen, könnten die Gemeinden übergangen werden, meint er. Auch könnte sich der politische Wind in den Kommunen in Zukunft drehen.
Auf Anfrage wollte man sich im Büro des zuständigen Landesrats Stefan Hermann (FPÖ) inhaltlich nicht äußern. Der Evaluierung der Eingaben kann „zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgegriffen werden“.
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