Gefährliche Straßen

Zahl der Unfälle mit Kindern stark gestiegen

Vorarlberg
29.05.2026 10:40

Eine aktuelle Analyse des VCÖ zeigt einen alarmierenden Anstieg bei Verkehrsunfällen mit Kindern in Vorarlberg. Im Vorjahr wurden 221 Kinder verletzt, so viele wie seit 2004 nicht mehr. Die Mobilitätsorganisation fordert nun dringend Maßnahmen für ein kindgerechteres Verkehrssystem.


Die Zahl der im Straßenverkehr verletzten Kinder hat in Vorarlberg im vergangenen Jahr stark zugenommen. Laut einer Analyse des VCÖ (Verkehrsclub Österreich) auf Basis von Daten der Statistik Austria wurden 221 Kinder bei Unfällen verletzt. Das sind um 49 Kinder mehr als im Jahr davor, was einem Anstieg von 29,2 Prozent entspricht. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Ländle stieg im selben Zeitraum nur um 3,5 Prozent. „Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Unser Verkehrssystem muss mehr Rücksicht auf sie nehmen“, betont VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk. Sie fordert verstärkte Maßnahmen.

Geringeres Tempo kann Leben retten
Eine zentrale Forderung des VCÖ ist die Verkehrsberuhigung in den Ortsgebieten, insbesondere durch die Ausweitung von Tempo-30-Zonen. Wie entscheidend eine niedrigere Geschwindigkeit ist, verdeutlicht der Anhalteweg eines Pkws eindrücklich: Bei 30 km/h benötigt ein Auto inklusive Reaktionszeit rund elf Meter, um zum Stehen zu kommen. Fährt dasselbe Auto mit 50 km/h, verlängert sich der Anhalteweg auf 24 Meter. Nach elf Metern hat das Fahrzeug bei Tempo 50 noch eine Restgeschwindigkeit von 48 km/h. Ein Aufprall mit dieser Geschwindigkeit hat für ein Kind meist schwerste Verletzungen zur Folge.

Sichere Wege und bessere Sicht
Für die Sicherheit von Kindern sind auch durchgehende und ausreichend breite Gehsteige sowie gut einsehbare Straßenübergänge von großer Bedeutung. Der VCÖ fordert zudem eine Ausweitung des Halte- und Parkverbots vor Schutzwegen von den derzeitigen fünf auf zehn Meter. Der Grund dafür ist die wachsende Zahl hoher Fahrzeuge wie Lieferwagen oder großer SUVs. Diese verstellen parkend oft die Sicht von Autofahrern auf Kinder, die die Straße überqueren wollen. Auch bei Bushaltestellen gibt es Handlungsbedarf: Eine VCÖ-Initiative zeigte, dass viele Haltestellen, selbst an Freilandstraßen, nicht über einen gesicherten Übergang erreichbar sind.

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Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Unser Verkehrssystem muss mehr Rücksicht auf sie nehmen.

Klara Maria Schenk, VCÖ

Radfahren für Kinder fördern
Besonders wichtig wären auch Maßnahmen, die das Unfallrisiko für radfahrende Kinder senken. Kinder brauchen ein gutes Netz an Radwegen und sichere Bedingungen, um das Fahrrad nutzen zu können. „Radfahren ist bei vielen Kindern beliebt und eine Chance, auf eine regelmäßige Portion gesunde Bewegung zu kommen – gerade in einer Zeit, in der über Bewegungsmangel geklagt wird“, so Expertin Schenk. Übrigens: Um zu erheben, wie fahrradfreundlich Vorarlbergs Gemeinden sind, führt der VCÖ aktuell eine Umfrage durch. Eine Teilnahme ist bis zum 21. Juni unter www.vcoe.at/radfahren möglich.

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