Bündnis zerrüttet

Trump plant offenbar den nächsten NATO-Schock

Außenpolitik
26.05.2026 13:29
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die USA wollen ihre militärischen Beiträge zur NATO offenbar massiv zurückfahren – und das könnte Europas Verteidigung grundlegend verändern. Hinter verschlossenen Türen sollen Vertreter aus Washington die Verbündeten in Brüssel darüber informiert haben, dass künftig deutlich weniger amerikanische Kampfjets, Kriegsschiffe und andere militärische Schlüsselkapazitäten für das Bündnis bereitgestellt werden.

Laut einem Bericht des deutschen „Spiegel“ wurden die NATO-Partner vergangene Woche bei einem Treffen in Brüssel über die Pläne informiert. Demnach habe ein Gesandter des US-Verteidigungsministers Pete Hegseth angekündigt, dass Washington künftig „erheblich weniger militärische Schlüsselfähigkeiten bereitstellen“ werde.

Weniger Bomber und Kampfjets
Von den Kürzungen betroffen seien unter anderem US-Kampfjets, strategische Bomber, Kriegsschiffe, Drohnen und Tankflugzeuge. Laut dem Bericht wollen die USA die Zahl der strategischen Bomber für die NATO halbieren. Die Zahl der eingesetzten Kampfjets soll demnach um rund ein Drittel reduziert werden.

Die Informationen sollen von Alexander Velez Green stammen, dem Chefberater des US-Staatssekretärs für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby. Er habe hochrangige Beamte der NATO-Staaten bei einem nicht öffentlichen Treffen über die Pläne informiert.

Die USA beabsichtigen, sich unter Trump von den NATO-Lasten zu verabschieden – und setzen damit ...
Die USA beabsichtigen, sich unter Trump von den NATO-Lasten zu verabschieden – und setzen damit das Bündnis aufs Spiel(Bild: AFP/ALEX BRANDON)
Die Karte zeigt die NATO-Mitgliedsstaaten in Europa und Nordamerika sowie drei Beitrittsbewerber. Insgesamt sind 32 Länder als Mitglieder markiert. Die Ukraine, Georgien und Bosnien-Herzegowina sind als Bewerber hervorgehoben. Quelle: APA.

Auch Marine und Drohnen betroffen
Auch die US-Marine soll künftig weniger Zerstörer für die NATO bereithalten. U-Boote wollen die USA laut dem Bericht im NATO-Verbund überhaupt nicht mehr stellen. Zudem sollen europäische Staaten künftig selbst stärker für Aufklärungsdrohnen verantwortlich sein. Auch bei bewaffneten Drohnen wollen die USA ihr Engagement deutlich reduzieren.

Washington fordert seit längerer Zeit von den europäischen NATO-Staaten und Kanada, mehr Verantwortung für die Verteidigung des Bündnisgebiets zu übernehmen. Dazu gehören laut Bericht nicht nur mögliche Truppenabzüge aus Europa, sondern auch eine stärkere Verlagerung militärischer Aufgaben und Kommandostrukturen auf europäische Partner.

NATO verweist auf bekannte Pläne
Die geplanten Änderungen würden sich auf das sogenannte NATO Force Model beziehen. Dieses regelt, welche Mitgliedstaaten im Einsatzfall wie schnell Soldaten und militärisches Gerät bereitstellen müssen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte reagierte auf die Berichte beschwichtigend. Zu den „streng geheimen“ Planungen könne er sich zwar nicht äußern, sagte Rutte vergangene Woche.

Zugleich erklärte er aber, die Entwicklung entspreche „genau unseren Erwartungen“ und liege „absolut im Rahmen des Ansatzes, dass es keine Überraschungen geben soll“. Der Prozess sei „nichts Neues“, betonte Rutte weiter. „Jeder wusste, dass das passieren würde.“

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