
Der Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT) feiert am Freitag seinen 80. Gründungstag. Begangen wurde dies mit einem Rückblick, mit Freude über alles bisher Erreichte, aber auch mit dringenden Appellen hinsichtlich mangelnder Barrierefreiheit und unsicherer finanzieller Zukunft.
Ist die Marmelade gleichmäßig verstrichen? Wie viel Orangensaft kann ich einschenken, bevor das Glas übergeht? Und wo ist eigentlich der Käse hin? Mit einem „Frühstück im Dunkeln“ hat der BSVT den Pressetermin anlässlich seines 80-jährigen Bestehens mit Sensibilisierung für die Lebensrealität blinder und sehbehinderter Menschen gestartet.
Vor 80 Jahren gegründet von Blinden, die nicht bevormundet werden wollten, hat der BSVT über die Jahre viel erkämpft, bietet schon lange auch Förderung, Beratung und Orientierung. Viel habe sich getan, bilanziert BSVT-Obfrau Sabine Karrer. Blinde und Sehbehinderte würden heute in der Gesellschaft mehr gesehen. Und ihre Stellvertreterin Nicole Wimmer weist auf die neuen Möglichkeiten hin, die der technologische Fortschritt etwa in Bildung und Beruf bietet.
Barrierefreiheit hinkt analog und digital
Doch es ist noch viel Luft nach oben. Stichwort Barrierefreiheit: Es brauche einheitliche taktile Leitsysteme, die nicht von E-Scootern oder Fahrrädern verstellt werden, farblich markierte Treppenstufen, Aufmerksamkeitsfelder an Öffi-Haltestellen, mehr akustische Informationen. Auch Touchscreens, die bei vielen Automaten mittlerweile üblich sind, bereiten jenen, die auf ihren Tastsinn angewiesen sind, Probleme. Gerade in öffentlichen Gebäuden fordert der BSVT daher „Funktionalität vor Design“.
Es soll kein Bitten und Betteln nötig sein, damit gesetzliche Vorgaben umgesetzt werden.
Andrea Gredler, BSVT
Auch viele Webseiten und Apps, digitale Formulare und sogar die ID Austria seien nicht barrierefrei. „Das bedeutet, dass vieles nicht selbstständig möglich ist“, erklärt Fachberaterin Carmen Natter. „Und das, obwohl dies ein Recht ist“, verweist sie auf die Behindertenrechtskonvention. Ihre Kollegin Andrea Gredler konkretisiert: „Es soll kein Bitten und Betteln nötig sein, damit gesetzliche Vorgaben umgesetzt werden.“
Sorge vor finanziellen Kürzungen
Im Hinblick auf Finanzielles nimmt der Verband die Politik in die Pflicht. „Massive Kürzungen stehen ins Haus“, blickt Obfrau Karrer auf die Sparpläne der Regierung. Bereits jetzt wird der BSVT teilweise von Spenden finanziert. Es sei nicht denkbar, dass die Klienten für Beratung künftig zahlen müssen. „Es wäre fatal, wenn wir unser Angebot reduzieren müssten.“
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