Interesse war groß

Mögliche Privat-Med-Uni in Tirol ad acta gelegt

Tirol
19.05.2026 18:40
Porträt von Tiroler Krone
Von Tiroler Krone

Aus den im vergangenen Jahr ventilierten Plänen der Wiener Sigmund Freud Privatuniversität (SFU), ab dem Wintersemester 2028/2029 in Wörgl im Tiroler Unterland einen Uni-Standort zu betreiben, wird nun doch nichts. Man hätte gern einen Standort in Tirol betrieben, dies sei auch ernsthaft geprüft worden, erklärten die Verantwortlichen. Aber: Seitens des Landes gebe es offenbar nicht die Bereitschaft, die notwendigen Ausbildungsplätze bis zum Jahr 2033 zu schaffen.

Eine positive Entscheidung sei „derzeit nicht erreichbar“, hieß es in einer Aussendung. Namentlich genannt wurde dabei die zuständige Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP). Man bedauere die Entwicklung, weil „zusätzliche Ausbildungsplätze für Ärztinnen und Ärzte gerade für Tirol eine große Chance gewesen wären.“ „Dafür hätte man bis 2033 Zeit gehabt, um dieses Thema gemeinsam zu lösen“, verlautete es seitens der SFU. Der neue Standort werde nun voraussichtlich außerhalb Tirols liegen, das Bundesland könne sich „dennoch beteiligen.“

Tirol wäre ein sehr interessanter Standort gewesen. „Wir haben insbesondere im Tiroler Unterland großes Interesse und viel konstruktive Unterstützung erlebt“, verwies die Privat-Uni auf entsprechende Erklärungen der Stadt Wörgl unter ÖVP-Bürgermeister Michael Riedhart sowie weiteren Standortgemeinden.

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Wir sehen in diesem Vorhaben eine echte Chance für Tirol.

Die Bürgermeister aus den Umlandgemeinden

Der Wörgler Bürgermeister sowie andere schwarze Ortschefs im Unterland – darunter Klaus Winkler aus Kitzbühel und Stefan Seiwald aus St. Johann in Tirol, aber auch der parteifreie Kufsteiner Stadtchef Martin Krumschnabel – hatten erst zuletzt in einer gemeinsamen Erklärung an die ÖVP/SPÖ-Landesregierung appelliert, die Ansiedelung eines privat finanzierten Medizin-Standorts in Wörgl „offen, sachlich und lösungsorientiert weiterzuverfolgen.“ „Umso bedauerlicher“ sei, dass eine positive Entscheidung auf Landesebene „derzeit nicht erreichbar“ sei, zeigte man sich seitens der Sigmund Freud-Privatuni etwas enttäuscht.

Bis zu 150 Studienplätze waren geplant
Dabei hatte es zumindest bereits eine gemeinsame Absichtserklärung von Stadt Wörgl und der Privatuniversität gegeben. Als Standort war ein Areal in Bahnhofsnähe im Gespräch. Pro Studienjahr hätten 150 Studenten – gegen die Entrichtung hoher Studiengebühren – an der Universität Platz gefunden, 70 bis 80 Millionen Euro hätten dem Vernehmen nach investiert werden sollen. Die SFU wollte hauptsächlich Studenten aus dem sogenannten DACH-Raum anwerben. Das umfasst den süddeutschen Raum, Österreich, Schweiz und Liechtenstein.

Hagele: Entscheidung „nachvollziehbar“
Die angesprochene Landesrätin Hagele erklärte indes in einer Reaktion gegenüber der APA, dass die nunmehrige Entscheidung der Privatuniversität „nachvollziehbar“ sei. „Denn für uns war von Anfang an klar, dass ein zusätzliches privates Ausbildungsangebot im Bereich der Humanmedizin nur in enger Abstimmung mit unseren Hochschulen und Krankenhäusern erfolgen kann“, sagte Hagele. Für das Land Tirol habe „weiterhin eine qualitativ hochwertige Ausbildung für unsere Studierenden an den öffentlichen Universitäten höchste Priorität.“ Gleichzeitig gab die Landesrätin aber auch zu verstehen, dass sie „neue Ausbildungszweige begrüße, speziell im Gesundheitsbereich.“

Hagele hatte sich bereits nach Bekanntwerden der Pläne Ende vergangenen Jahres öffentlich eher reserviert gezeigt. Sie betonte damals, dass die bestehende Ausbildungsschiene nicht durch neue private Angebote gefährdet werden dürfe. Die Quote österreichischer Studierender dürfe keinesfalls sinken – im Gegenteil: „Wir müssen alles daransetzen, sie zu erhöhen, und dafür auch auf EU-Ebene klar eintreten.“ Deutliche Bedenken gegen eine private Medizin-Uni in Tirol hatte auch der Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Gert Mayer. „Jede Erhöhung der Zahl der Medizinstudenten in Österreich gefährdet die mit der EU vereinbarte Kontingentregelung“, erklärte dieser. Zugleich befürchtete der Rektor Engpässe in der praktischen Ausbildung, da für österreichische Studenten Plätze in Tiroler Spitälern fehlen würden.

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