Folgen für Anleger

Vor Musks Börsengang gelten plötzlich neue Regeln

Wirtschaft
19.05.2026 18:14

Der Börsengang von Elon Musks Unternehmen SpaceX könnte in die Geschichte eingehen. Nicht nur soll es der größte Börsengang jemals sein, Musk hat offenbar auch dafür gesorgt, dass Handelsplattformen noch schnell ihre Regeln ändern – mit Folgen für zahllose private Anleger.

Der SpaceX-Börsengang soll laut Medienberichten am 12. Juni über die Bühne gehen. Dabei will das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk umgerechnet bis zu 69 Milliarden Euro bei Investoren einsammeln, wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Personen schreibt. SpaceX strebe dabei eine Bewertung des Konzerns von umgerechent mehr als 1,7 Billionen Euro an, berichtet Bloomberg.

Kurz vor dem geplanten Börsengang von SpaceX haben wichtige Finanzmarkt-Akteure ihre Regeln geändert – darunter auch die Handelsplattform Nasdaq. Laut der Zeitung „Economist“ soll die Nasdaq die Vorschriften sogar auf Wunsch von Musk geändert haben. Das soll Bedingung dafür gewesen sein, dass der Tech-Milliardär die Handesplattform für den Mega-Börsengang seines Unternehmens auswählt.

Frist drastisch gekürzt
Offiziell bestätigt ist das zar nicht, aber klar ist, dass die Nasdaq kräftig an ihren Regeln geschraubt hat. So wurde geändert, wie lange ein Unternehmen an der Börse notiert sein muss, bevor es in den wichtigen Nasdaq-100-Index aufgenommen werden kann. Die Frist sank von bisher drei Monaten auf nur noch 15 Tage. Üblicherweise gilt nach einem Börsengang eine Art Schonfrist, damit sich der Aktienkurs erst einmal stabilisieren kann.

Streubesitz

Der Streubesitz ist der Anteil an Aktien eines Unternehmens, der für den öffentlichen Handel verfügbar ist.

Doch damit nicht genug: Bisher galt, dass mindestens zehn Prozent der Aktien eines Unternehmens in Streubesitz sein mussten. Nur dann war eine Aufnahme in den Nasdaq 100 möglich. Diese Regel wurde nun gestrichen. „Economist“ schrieb dazu, die Nasdaq sei „vor Elon Musk in die Knie gegangen“.

Nasdaq trickst bei Berechnung
Die neue Streubesitz-Regel hat weitreichende Auswirkungen. Denn wenn weniger als 20 Prozent der Aktien eines Unternehmens in Streubesitz sind, verdreifacht die Nasdaq in ihren Berechnungen diesen Anteil jetzt einfach. Dadurch wirkt es so, als gäbe es deutlich mehr freihandelbare Aktien, was für die Gewichtung in den Indizes wichtig ist. Für SpaceX bringt die neue Regelung Vorteile: Laut „Forbes“ liegt der frei handelbare Anteil der Aktien nur bei 4,3 Prozent – also extrem niedrig. Trotzdem könnte das Unternehmen durch den neuen Rechentrick in wichtigen Börsenindizes deutlich stärker gewichtet werden.

SpaceX von Elon Musk könnte von neuen Regelungen der Handelsplattformen profitieren.
SpaceX von Elon Musk könnte von neuen Regelungen der Handelsplattformen profitieren.(Bild: AP)

Andere ziehen nach
Nicht nur Nasdaq hat sich zu Vorschriftsänderungen hinreißen lassen, auch der Index-Anbieter MSCI hat an den Regeln geschraubt. Dessen Indizes, wie der MSCI World, können nun Firmen mit weniger als fünf Prozent frei handelbarer Aktien aufnehmen. Auch für den Index S&P 500 werden ähnliche Regelungen in Betracht gezogen.

Folgen für zahlreiche Anleger
Die Regeländerungen wirken sich auf zahlreiche Privatanleger aus. Viele Menschen parken ihr Geld in sogenannten ETFs, also Fonds, die Indizes wie den MSCI World passiv nachbilden. Wenn also jetzt Indizes schon sehr kurz nach dem Börsengang SpaceX-Aktien aufnehmen können, werden das auch die ETFs tun, die diese Indizes nachbilden. Im Klartext heißt das: Durch die neuen Regeln müssten diese Fonds kurz nach dem Börsengang massiv SpaceX-Aktien kaufen. Die Nachfrage würde dadurch extrem steigen und den Kurs der Aktie voraussichtlich kurzzeitig stark in die Höhe treiben.

Doch das ist noch nicht alles – SpaceX hat nämlich mit dem Gedanken gespielt, es einigen bestehenden Investoren zu erlauben, ihre Aktien schon am ersten Handelstag zu verkaufen, wie die „Financial Times“ unter Berufung auf informierte Personen berichtet. Normalerweise dürfen Insider ihre Aktien erst etwa ein halbes Jahr nach dem Börsengang des Unternehmens verkaufen. Wenn sie die SpaceX-Aktien schon früher verkaufen dürfen, könnten die Investoren könnten von einem hohen Aktienkurs profitieren.

Noch mehr Mega-Börsengänge geplant
Aktuell ist noch nicht klar, wie sich die SpaceX-Aktie nach dem Börsengang entwickeln wird. Klar ist aber, dass diese – wohl von Musk angestoßenen – Regelungen nicht nur für SpaceX gelten. Auch andere Unternehmen könnten davon profitieren und Berichten zufolge planen der ChatGPT-Entwickler OpenAI und sein Konkurrent Anthropic schon ihre Börsengänge für heuer.

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