Österreich hat bei der Eishockey-A-WM in Zürich das nächste Kapitel seiner beeindruckenden Erfolgsstory geschrieben: Mit dem 3:1 gegen Lettland gelang im dritten Spiel der dritte Sieg, glückte dem Team von Roger Bader der nächste historische Coup. Mit neun Punkten am Konto rückt das Viertelfinale immer näher.
Wie schon gegen Ungarn startete Österreich auch gegen Lettland wieder mit Atte Tolvanen im Tor, agierte defensiv in der Startphase sehr stark: Den ersten Schuss der Balten ließ das ÖEHV-Team erst nach 6:10 Minuten zu, Tolvanen konnte den Schuss von Lamppinskis parieren. Auf der Gegenseite hielten sich die Abschlüsse zu Beginn ebenfalls in Grenzen, stellten die Versuche von Thaler (5.) und Nissner (7.) keine echte Gefahr dar.
Ehe die Offensivreihen auf beiden Seiten mehr Fahrt aufnahmen: Auf Seiten des ÖEHV-Teams hatte Paul Huber nach sehenswerter Rohrer-Vorarbeit mit einem Stangenschuss Pech (8.), zielte Schneider wenig später am langen Eck vorbei. Auf der Gegenseite prüfte zunächst Dzierkals, dann Tumanovs Tolvanen – wobei Letzterer mit seinem „Hammer“ die Latte traf (15.).
Österreich mit Weltranglisten-Zehntem auf Augenhöhe
So verlief das erste Drittel torlos und ausgeglichen – zeigte sich zugleich, dass Österreich dem Gegner, der in der Weltrangliste als Zehnter um einen Platz besser klassiert ist, auf Augenhöhe begegnete. Dabei viel Kampfkraft zeigte, sich mutig in Schüsse warf – wie Schnetzer, der nach einem derartigen Block mit schmerzverzerrtem Gesicht in Richtung Spielerbande humpelte – zu Beginn des zweiten Abschnitts gottlob wieder aufs Eis retour kam.
Der erste Torschuss im Mitteldrittel gehörte den Letten: Der starke Tolvanen klärte den Versuch von Vilmanis mit seinem Schläger, dann stoppte er die vor ihm auftauchenden Batna (22.) und Andersons (24.). Und Tolvanen reagierte großartig, als er den solo auf ihn zustürmenden Krastenbergs stoppte, indem er dessen Schuss gekonnt in seiner Fanghand verschwinden ließ (26.).
Harnisch schießt Österreich in Führung
Österreich setzte im Mittelabschnitt offensiv zunächst wenige Akzente, blieb in den ersten sechs Minuten ohne Schuss aufs Tor. Jubelte dann aber nach 27:12 Minuten über das 1:0, erzielt von der vierten Linie: Nach einem Bully und einem gelungenen Forecheck von Stapelfeldt kam Graz-Stürmer Harnisch in zentraler Position an die Scheibe, lief ein paar Schritte und bugsierte sie durch die Beine von Gudlevskis zum 1:0 ins Tor.
Der Treffer beflügelte Österreich, das 2:0 lag in der Luft. Etwa in der 30. Minute, als Schneider aus der Drehung aufs Tor schoss, Lettlands Schlussmann mit Mühe klären konnte. Dann Rohrer bei einer schönen Einzelaktion wieder seine Klasse zeigte, Gudlevskis seinen Schuss parierte (33.) – wenig später stoppte er Rohrer erneut, der nach Thaler-Zuspiel vor ihm aufgetaucht war.
Tolvanen schier unüberwindbarer Rückhalt
Ehe die dritte Linie in Aktion trat, Rebernig von hinter dem Tor Schwinger bediente, der aus kurzer Distanz ebenfalls in Gudlevskis seinen Meister fand (35.). Auf der Gegenseite ließ Österreich im Verbund wenige Chancen zu, stellte auch der Schuss von Smits keine echte Gefahr dar (36.), die Versuche von Vilmanis (38.) und Andersons (39.) machte Tolvanen unschädlich.
Das Schlussdrittel begann denkbar schlecht – mit dem 1:1 nach nur 25 Sekunden. Balcers überraschte Tolvanen mit einem sehr schnell angesetzten Handgelenkschuss, der zudem durch die Beine von Nissner aufs Tor geflogen war. Dann ging Zwerger nach einem harten Check vom Eis, humpelte benommen (44.), kam erst einige Minuten später wieder retour – „Übeltäter“ Batna fasste erst nach Video-Beweis eine Zweiminuten-Strafe aus.
Nissner bringt Österreich wieder in Führung
In dieser Überzahl – der ersten für Österreich im Spiel – zog Nissner nach Vorarbeit von Rohrer und Schneider von links auf Gudlevskis zu, schloss unmittelbar vor ihm backhand ab – die Scheibe kullerte über die Linie, ehe Gudlevskis zupackte. Die Referees gingen auf Nummer sicher und entschieden auf Video-Beweis, gaben erst dann dem Treffer ihre Gültigkeit (45.).
Rohrer macht 1,9 Sekunden vor dem Ende alles klar
Lettland versuchte mit allen Mitteln zum erneuten Ausgleich zu kommen, fand aber gegen das kompakte ÖEHV-Team kein wirkliches Rezept. Vilmanis kam zu einer Halbchance, auch Mamcics und Batna fanden im glänzenden Tolvanen (56.) ihren Meister, auch Cibulskis (59.) scheiterte mit seinem Versuch. Lettland nahm 95 Sekunden vor Ende seinen Tormann runter, Rohrer machte 1,9 Sekunden vor dem Ende alles klar, traf zum 3:1 ins leere Tor – der Jubel kannte keine Grenzen!
Mit dem Maximum von neun Punkten schloss Österreich damit in der Tabelle der Gruppe A zu den Top-Teams Schweiz und Finnland auf, kann nun wie im Vorjahr ins Viertelfinale einziehen. Mit drei Siegen zum Start bei einer A-WM eröffnete Österreich eine neue Zeitrechnung, hat mit neun Punkten am Konto nun wie im Vorjahr den Aufstieg vor Augen – Platz vier in der Gruppe A ist dazu notwendig!
Die verbleibenden Aufgaben haben es allerdings in sich: Mittwoch (16.20 Uhr) wartet Gastgeber Schweiz, Samstag Deutschland, Sonntag Finnland und Dienstag die USA. Doch mit diesem großartigen Teamwork, das Bernd Wolf und Co. in Zürich abliefern, ist ihnen auch dieser Coup zuzutrauen.
Das Ergebnis:
Österreich – Lettland 3:1 (0:0, 1:0, 2:1)
Tore: 1:0 (28.) Harnisch, 1:1 (41.) Balcers, 2:1 (45./PP) Nissner, 3:1 (60.(EN) Rohrer
Österreich spielte mit: Tolvanen; Wolf, Unterweger; Nickl, Biber; Hackl, Maier; Stapelfeldt, Schnetzer; Schneider, Nissner, Zwerger; Thaler, Rohrer, P. Huber; Schwinger, M. Huber, Rebernig; Harnisch, Wallner, Kolarik
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