Schon vor Urlaubszeit

Steirische Tierheime platzen aus allen Nähten

Steiermark
18.05.2026 05:00

Die Situation in den steirischen Tierasylen ist prekär: Verschärft durch die jüngste Abnahme von 93 Hunden sind die meisten übervoll. Und das schon vor der „Abgabe-Hochsaison“, der Urlaubszeit.

Der vier Jahre alte „Spike“ ist ein eher untypischer Malinois: recht ruhig, einer, der sich schnell mit Menschen anfreundet; der aber auch eine Aufgabe braucht. „Die Situation im Tierheim stresst ihn total“, weiß Arche-Noah-Sprecherin Katharina Gründl. „Jetzt ist er bald ein Jahr da. Und wenn er nicht raschest einen guten Platz bei einem Rassekenner bekommt“ – dann drohe ihm vielleicht dasselbe Schicksal wie „Naira“.

Vom Ausland gerettet und im Heim gelandet
„Die nichts falsch gemacht hat“, sagt Susanne Bräuer, engagierte Leiterin des Landestierheimes in der Grazer Grabenstraße. „Aber sie ist Sinnbild für etwas, das hier aus dem Ruder läuft: Sie wurde in Rumänien von Steirern von der Straße ,gerettet’ – die dann gedacht haben, dass so ein armes Wesen in der Sekunde funktioniert, das Leben in der Stadt versteht, an der Leine geht. Das ist natürlich nicht der Fall. Also wurde es ins Heim abgeschoben.“ Die Hündin wartet seit drei Jahren. Langen Jahren. Und ist nicht die Einzige.

„Tiere aus dem Ausland zu holen, ist grundsätzlich ein ehrbarer Gedanke von Menschen mit viel Empathie und Herz“, sagt Birgit Plank, die Leiterin des Veterinäramtes in Hartberg-Fürstenfeld, die oft mit der Problematik konfrontiert ist. „Aber: Ich appelliere bei aller Liebe zum Tier, das gut zu überdenken.“

Der traurige „Rocky“ ist auch „Langzeitsitzer“ und hofft in der Arche Noah auf seine Chance.
Der traurige „Rocky“ ist auch „Langzeitsitzer“ und hofft in der Arche Noah auf seine Chance.(Bild: Jürgen Fuchs)

Aus mehreren Gründen: „Man kann ernste Gesundheitsproblematiken ins Land holen, wie die Parvovirose. Eine höchst ansteckende, oft tödlich verlaufende Viruserkrankung. So ansteckend, dass in Heimen oder Praxen größte Anstrengungen unternommen werden müssen, um das Virus, das sehr stabil ist, nicht auf andere Tiere zu übertragen. Dafür ist spezielle Desinfektion und sogar Schutzkleidung nötig.“ Dennoch würden Tiere sogar ohne Abklärung nach Österreich gebracht, „auch geschmuggelt. So etwas ist fahrlässig.“

Viel zu viele „Langzeitsitzer“ 
Und sie findet es auch im Sinne des Tierschutzes und der Tierliebe nicht gut, untermauert sie Susanne Bräuers Meinung. „Tiere, die auf der Straße ums Überleben kämpfen mussten, kommen mit unserem Alltag oft nicht klar. Und dann ab ins Heim. Ich habe das schon mehrfach so erlebt.“

Ihnen droht das Schicksal als bedauernswerter „Langzeitsitzer“ – von denen es schon viel zu viele gibt. „Wir haben derzeit 120 Hunde“, rechnet Gründl vor. „Davon ist die Hälfte schon seit Langem da oder schwer, wenn nicht gar unmöglich zu vermitteln! Hauptsächlich sind es solche, die schwierig sind in ihrem Benehmen, beißen oder Rassen wie Staffordshire-Terrier. Da stammen viele vom Ausland.“

Welpen brauchen Hilfe
Auch in der Arche Noah ist man mittlerweile richtig voll – die Situation ist prekär. Zumal eben – wie berichtet – 63 der 93 abgenommenen Tiere einer Züchterin hier untergebracht sind. Und das Interesse an ihnen ist – leider – nur überschaubar. Gründl: „Wir haben, trotz der großen Medienberichterstattung und des Interesses sogar aus dem Ausland, bislang nur sechs Welpen vergeben können. Das ist schon bitter.“ Zumal es gerade für die Kleinen jetzt so wichtig wäre, die unwiederbringliche Phase von Prägung und Sozialisierung bei liebevollen Besitzern für immer zu verbringen statt hinter Heimgittern. Das können selbst beste Pfleger nicht ausgleichen. Und je älter sie werden, desto mehr schwinden ihre Chancen. 

Tiere für viele nicht mehr leistbar
Zum Bersten volle Heime – und das, obwohl die traurige Hochsaison für Abgaben mit den Sommerferien erst bevorsteht. Und spürbar weniger Hunde aus dem Heim geholt werden – vor dem Urlaub. „Es ist teurer geworden, Tiere zu halten und zu versorgen, vom Futter bis zu den Veterinärkosten“, weiß nicht nur Susanne Bräuer. „Tiere sind für viele schlicht nicht mehr leistbar.“

Wer (langfristig!) kann, möge sein Herz also öffnen. Für die armen Hunde und Katzen aus einem Heim.

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