Zeitung jubiliert

Kirche, Kultur, Kärnten seit 100 Jahren in Nedelja

Kärnten
14.05.2026 16:00

Kirche, Kultur, Gesellschaft sind die großen Themen, die in der Nedelja vorkommen. Seit 100 Jahren erscheint die Zeitung in slowenischer Sprache und bedeutet Volksgruppenmitgliedern auch außerhalb Kärntens viel – für die bereits vierte Generation.

Nedelja, also Sonntag, heißt die slowenischsprachige (Kirchen-)zeitung seit 100 Jahren – seit 1926. Damals haben sechs Priester im Gailtal die Zeitung gegründet und im März zum ersten Mal in Förolach herausgegeben – als Monatszeitung mit 16 Seiten. „Die Themen waren anfangs meist erbaulich und kirchlicher Natur. Einer der Priester beschrieb Kirchenkunst – in einer Serie“, erzählt Vincenc Gotthardt, der aktuelle Chefredakteur der Nedelja.

„Unsere Zeitung heißt immer noch Nedelja, weil Sonntag ein Gefühl ist, nicht ausschließlich den Tag des Herren meint, sondern viel mehr.“ Schon in der ersten Ausgabe vom März 1926 war zu lesen: „Für die Menschen in Kärnten ist der Sonntag noch immer der Tag des Herrn, aber nicht mehr in demselben Maße wie früher.“ „Da hat sich 100 Jahre später nicht viel verändert“, so Gotthardt, der mit seinem Team aber nicht ausschließlich aus den 63 zweisprachigen Pfarren, sondern vom kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben in Kärnten berichtet.

Sprachliches Rückgrat der Volksgruppe
1941 hat das NS-Regime die Nedelja verboten, doch zu Weihnachten 1945 erschien das Blatt wieder – als Wochenzeitung. Die Nedelja ist somit die älteste slowenische Zeitung, wird von Slowenischsprechenden in Kärnten, in Graz, in Wien, in anderen Ländern der Welt abonniert und ist für sie das bleibende Bindeglied zu ihrem Heimatland, zu ihrer Volksgruppe. Genau da liegt aber auch eine Herausforderung, denn die slowenische Sprache wird immer weniger gesprochen.

Ein Stapel Zeitungen: neue Ausgaben der Nedelja, und das Titelblatt der Nedelja vor 100 Jahren.
Ein Stapel Zeitungen: neue Ausgaben der Nedelja, und das Titelblatt der Nedelja vor 100 Jahren.(Bild: Nedelja)
Leserinnen und Leser der Nedelja auf Lussari.
Leserinnen und Leser der Nedelja auf Lussari.(Bild: Nedelja/ Vincenc Gotthardt)
Das Nedelja-Team mit Herausgeber Johann Alois Krištof.
Das Nedelja-Team mit Herausgeber Johann Alois Krištof.(Bild: Nedelja)
Vincenc Gotthardt ist Chefredakteur der Nedelja.
Vincenc Gotthardt ist Chefredakteur der Nedelja.(Bild: Verena Gotthardt)
Vincenc Gotthardt und sein kleines Team.
Vincenc Gotthardt und sein kleines Team.(Bild: Nedelja)
Vor 100 Jahren zierte diese Zeichnung die Nedelja.
Vor 100 Jahren zierte diese Zeichnung die Nedelja.(Bild: Nedelja/ Vincenc Gotthardt)
100 Jahre liegen zwischen diesen beiden Titelseiten – ungebrochen ist der Zuspruch der ...
100 Jahre liegen zwischen diesen beiden Titelseiten – ungebrochen ist der Zuspruch der Leserinnen und Leser.(Bild: Nedelja/ Vincenc Gotthardt)

Genau deshalb legt das Redaktionsteam besonderen Wert auf die Sprache: Die Artikel sollen in einem gehobenen Slowenisch geschrieben sein. „Wir verwenden keine Fremdwörter, wenn es einen slowenischen Begriff gibt. Denn die Nedelja spiegelt die sprachliche und kulturelle Beständigkeit der Volksgruppe wider. Einige lesen sie auch ganz bewusst, um ihre sprachliche Kompetenz aufzufrischen“, weiß Gotthardt, der seit 1982 bei der Nedelja arbeitet.

In der Landeshauptstadt, im Mohorjeva/Hermagoras-Haus in Klagenfurt, hat die Nedelja seit 1949 ihren Sitz, doch erst 1981 waren erstmals hauptberufliche Mitarbeiter und Laien, also keine Priester, für die Zeitung aktiv, wobei das Redaktionsteam noch immer überschaubar ist: Neben Vincenc Gotthardt, der die Nedelja derzeit leitet, weil Mateja Rihter im Mutterschutz ist, sind noch vier Teilzeit-Mitarbeiter in Kärnten auf Recherche: Alexandra Praster, Brina Kušej, Laura Praster und Gabi Frank.

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Abonnenten sind Mitglieder der slowenischen Volksgruppe, Slowenen in anderen Ländern der Welt und Kärntner Slowenen in Graz oder Wien.

Vincenc Gotthardt. Chefredakteur Nedelja

„Freude und Trauer, Hoffnung und Angst“
Nach wie vor wird die Nedelja von der Diözese Gurk herausgegeben; mittlerweile ist Janko Krištof, der Pfarrer von Ludmannsdorf und Dechant des Dekantes Ferlach, der Herausgeber – eine Aufgabe, die auch der jetzige Bischof Josef Marketz einmal innehatte. „Die Nedelja schafft Raum für das, was Leben fördert. Sie bringt die Freude und Trauer, Hoffnung und Angst, Ohnmacht und Kraft der Menschen zum Ausdruck. Die Sehnsucht nach Schönheit, nach Geborgenheit, nach kulturellem Schaffen, nach Frieden und Zusammenleben wird auf vielfältige Weise thematisiert“, so Marketz, der darauf verweist, dass Kirche und Gesellschaft ständig im Wandel seien, was sich in Artikeln der Zeitung spiegle. 

„Wir sind oft ein Laboratorium“, so Gotthardt nicht ohne Stolz. „Wir haben schon vor 20 Jahren Autorinnen und Autoren eingeladen, miteinander einen Roman zu schreiben. Einer verfasste das erste Kapitel, das in der Nedelja abgedruckt wurde, in der Woche darauf war das zweite Kapitel von einem anderen Schriftsteller zu lesen. Für unseren Kurzgeschichtenpreis haben wir stets an die 30 Bewerbungen.“

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Bei uns kommt jeder vor; Menschen aus verschiedensten Orten, die in Vereinen, als Künstler oder im Gemeindeleben aktiv sind. Menschen sind uns wichtig.

Vincenc Gotthardt. Chefredakteur der Nedelja

Für bereits vier Generationen
Bekannt ist die Nedelja auch für ihre 14-tägigen Beilagen, beispielsweise für Familien oder zum Thema Kultur. „Die Zeitung hat schon vier Generationen begleitet, ist tief verwurzelt in der Region und in der slowenischen Volksgruppe; sie schafft auch in Zeiten der Individualisierung und Digitalisierung eine Gemeinschaft – über den Kern der Volksgruppe hinaus. Sie hat alle Stürme der Zeit überlebt“, weiß Gotthardt, der die Verbundenheit der Leserinnen und Leser mit der Nedelja mit Dankbarkeit, aus Auftrag und Verpflichtung sieht. 

Gute Ideen und eigene Recherche zu spannenden Geschichten, eine ansprechende Grafik und Fotos, die die Leserschaft in die Artikel ziehen, sind Gotthardt wichtig – und das nicht nur in der wöchentlichen Printausgabe, sondern seit 1995 auch online.

100 Jahre Nedelja
Fotos aus einem Jahrhundert in Kärnten

Im Jubiläumsjahr erscheinen in der Wochenzeitung 100 neue Kindergeschichten – dazu wurde ein Literaturwettbewerb ausgeschrieben. Eine Wanderausstellung kommt ins Rosen-, Jaun- und Gailtal und präsentiert auf neun LED-Paneelen die Geschichte der Zeitung. In vier Sonderbeilagen wird das kulturelle, kirchliche, gesellschaftliche und politische Geschehen Kärntens im vergangenen Jahrhundert unter dem Titel „Album Nedelja“ dokumentiert, denn das Fotoarchiv der Redaktion ist reichhaltig. Eine dreitägige Leserreise führt im September nach Slowenien. Kurzfilme weisen auf Sozialen Medien auf das Jubiläum der Zeitung hin.

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