Der Online-Versandhändler plante, in Reichersberg im Innviertel um 500 Millionen Euro ein Logistikzentrum mit bis zu 1500 Arbeitsplätzen zu bauen – doch der Gemeinderat stimmte dagegen. Bedenken zur Verkehrsbelastung gaben den Ausschlag. Der Beschluss hat auch Folgen für die Betreibergesellschaft des Gewerbeparks.
Es war knapp: Elf von 19 Gemeinderäten stimmten in Reichersberg dagegen, Verhandlungen mit Amazon aufzunehmen. Damit bringt die kleine Gemeinde aus dem Innviertel ein Millionenprojekt des US-Riesenkonzerns zu Fall, noch bevor der erste Bagger hätte auffahren können.
Denn, wie berichtet, schmiedete der Online-Versandhändler Pläne, in Reichersberg um 500 Millionen Euro ein Logistikzentrum inklusive Forschungsstandort mit bis zu 1500 Arbeitsplätzen zu bauen. Es hätte als überregionale Distributionszentrale dienen sollen – die erste solche in Österreich -, die dann kleinere Verteilzentren beliefert. Als Standort fasste Amazon den Wirtschaftspark in der Innviertler Gemeinde ins Auge. Nach dem „Nein“ des Gemeinderates ist das Projekt aber nun vom Tisch.
Verkehrsbedenken führten zum „Nein“
„Ich akzeptiere die Entscheidung“, sagt Bürgermeister Bernhard Öttl im „Krone“-Gespräch. Doch der Ortschef selbst hat anders abgestimmt: „Ich wäre für die Aufnahme der Verhandlungen gewesen, weil das ja nicht heißt, dass man den Grund dann wirklich verkauft.“ Ausschlaggebend für die Gegenstimmen – die Bürgerlisten, die beiden FPÖ-Gemeinderäte sowie einer von acht ÖVP-Mandataren stimmten mit „Nein“ – war die Befürchtung vor steigender Verkehrsbelastung. Die Gemeinde liegt an der B148 und an der A8, der rege Verkehr ist auch jetzt schon ein großes Thema.
„Es gibt auch Leute, die bedauern, dass das Projekt nicht kommt“, sagt Bürgermeister Öttl. „Welche Firma investiert derzeit schon 500 Millionen Euro in Österreich?“
„Wir sind enttäuscht“
Von Amazon heißt es auf Anfrage zur Causa: „Wir sind enttäuscht über die Entscheidung in Reichersberg. An allen unseren Standorten wollen wir ein guter Nachbar sein. Wir schaffen attraktive Arbeitsplätze mit Perspektive und engagieren uns für gute Zwecke in der Gemeinde.“ Auf die Frage, ob der US-Konzern nun einen anderen Standort für ein Logistikzentrum in Oberösterreich suche, antwortet man vage: „Wir prüfen kontinuierlich mögliche neue Standorte, schließlich möchten wir sichergehen, dass wir unsere Kunden mit einem Standort bestmöglich bedienen können.“
Wirtschaftspark hat Schulden
Der Beschluss des Gemeinderates hat jedenfalls auch Folgen für den Wirtschaftspark Reichersberg: Die Betreibergesellschaft ist mit 16 Millionen Euro verschuldet, eine Insolvenz steht im Raum. Der Verkauf von 22 Hektar an Amazon hätte laut „Krone“-Infos weit mehr als 20 Millionen Euro eingebracht und die Gesellschaft sofort entschuldet. Nun ruhen die Hoffnungen auf noch laufenden Gesprächen mit zwei Interessenten, die dort ein Biomassekraftwerk errichten wollen.
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