Depressive Patienten werden in Österreich, was ihre Medikamente betrifft, leider oft im Regen stehen gelassen. Schuld sind aber meistens Störungen in den Lieferketten, da die Arzneimittel oft aus Nicht-EU-Ländern kommen.
Seit einem Burnout vor 15 Jahren ist Thomas S. auf Antidepressiva angewiesen. Mit dem richtigen Medikament ist er seit fünf Jahren frei von Depressionen. Doch seit einem Jahr bangt er jeden Monat, ob sein Medikament überhaupt erhältlich ist. Das Generikum ist seither dauernd vergriffen und für das Original muss er jeden Monat eine Genehmigung vom Chefarzt einholen. Das Gleiche gelte für sein Abendmedikament.
Medikament nicht verfügbar
„Man hat das Originalmedikament von der Medikamentenliste genommen, das Generikum ist nicht verfügbar“, beschwert sich der Steirer. „Ich muss nun drei Packungen niedrigerer Dosierung nehmen. Aber weil das viele Menschen müssen, ist diese Dosierung auch nicht mehr lieferbar.“ Außerdem klappert er regelmäßig Apotheken in der Steiermark, sogar bis nach Kärnten ab, die noch ein bis zwei Packungen lagernd haben.
Illegal im Internet besorgen?
„Die lapidare Antwort der Gesundheitskasse lautet: Dann müssen Sie sich von Ihrem Arzt halt was anderes verschreiben lassen. So etwas kann nur jemand sagen, der keine Ahnung von psychischen Erkrankungen oder einer tiefen Depression hat“, meint er. Und fragt sich: „Muss ich mir also meine Medikamente mit den benötigten Wirkstoffen bald illegal mit allen gesundheitlichen Risiken für mich im Internet besorgen?“ Davon raten wir schwerstens ab!
Rezeptgebührenobergrenze nicht erreicht
Der Mindestpensionist habe im letzten Jahr außerdem 500 Euro mehr für seine Medikamente bezahlen müssen, da die niedrigere Dosierung meist 30 Cent günstiger als die Rezeptgebühren war und somit nicht für eine Einreichung der Rezeptgebührenobergrenze zählte. Herr S. steht mit diesem Problem nicht alleine da. Wir haben bei der ÖGK nachgefragt, ob man Originalmedikamente statt der Generika für die Zeit eines Arzneimittel-Engpasses nicht freigeben könne. Die Antwort: „Eine kurzfristige Umstellung der Regelung bei der Chefarztpflicht einzelner Medikamente ist rechtlich nicht möglich.“
EU muss an Selbstversorgung arbeiten
Die Lieferbarkeit von Arzneimitteln liegt aber nicht im Einflussbereich der ÖGK, wie auch der Apothekerverband bestätigt. Da bis zu 80 Prozent der Medikamente aus Indien und China kommen, gibt es immer wieder Störungen in den Lieferketten. „Die EU muss künftig an der Selbstversorgung arbeiten. Das bedeutet Aufbau der heimischen Industrie und Forschung.“
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