Muss der Körper große Leistungen erbringen, belasten ihn hohe Temperaturen ganz besonders. Zwei Notfall- und Sportmediziner über Grenzwerte, schwer zu deutende Warnhinweise, Eisbäder als Erste-Hilfe-Maßnahme und das richtige Augenmaß.
Ob City-Marathon oder Trailrun-Festival, ob private Österreich-Rundfahrt mit dem Rennrad oder eine ambitionierte Bergtour – beim Sporteln werden auch im Hobbybereich die Limits immer weiter nach oben verschoben. Gleichzeitig unternimmt auch das Wetter durch die Klimaveränderung immer neue Höhenflüge. Eine mitunter fatale Kombination, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Darauf weisen Sportarzt Wolfgang Schobersberger und Intensiv- und Notfallmediziner Benedikt Treml hin. Die beiden begleiten regelmäßig Wettkämpfe mit ihrer Expertise, Schobersberger unter anderem bei Olympischen Spielen.
Über 39 Grad Körperkerntemperatur wird es kritisch. Wir sprechen dann von Intensivpatienten.

Prof. Wolfgang Schobersberger, Sportmediziner
Bild: Christof Birbaumer
„Bei 40 Grad Fieber vermeiden wir ja auch tunlichst körperliche Anstrengung. Aber beim Sport denken viele nicht an die Möglichkeit einer Überhitzung“, beschreibt Treml vereinfacht, was im Körper passiert, wenn große Strapaz auf Hitze trifft. 37 Grad – das ist die ideale Körperkerntemperatur, wie Schobersberger ausführt: „Bis 39 Grad kann das vor allem ein gesunder Körper noch selbst gut regeln. Darüber hinaus wird es kritisch. Wir haben es dann mit Intensivpatienten zu tun.“
Keine einfache Faustregel, aber mehrere Anzeichen
Doch wie kommt es zu einer Überhitzung? Und – vor allem – was kann man dagegen tun? Die einfache Faustregel gibt es laut den Medizinern nicht. „Das Alter der Sportler spielt ebenso eine Rolle wie mögliche Vorerkrankungen, Trainingszustand und vor allem die Intensität der Anstrengung“, nennt Schobersberger ein paar Kriterien. Eine Formel kann Treml dann doch anbieten: „Nicht die Dauer, sondern die Intensität der körperlichen Anstrengung macht den Unterschied. Kürzer und sehr intensiv ist im Regelfall problematischer als Ausdauersport.“
Wann ich Sport treibe und in welcher Umgebung, macht einen großen Unterschied.

Benedikt Treml, Notfallmediziner
Bild: Christof Birbaumer
Wann hohe Belastung und Hitze schließlich zu einem Kollaps, einer Hitzeerschöpfung oder einem Hitzschlag führen, das sei sehr individuell. Die Schwierigkeit: Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerzen sind unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. „Aber an die Hitze wird oft nicht gedacht“, meint Treml.
Höchste Alarmstufe bei neurologischen Ausfällen
Die Mediziner nennen neurologische Anzeichen wie Gehstörungen, Verwirrtheit oder schlechte Ansprechbarkeit als höchste Alarmzeichen. „Bei einem Hitzschlag zählt jede Minute. Die Temperatur sollte innerhalb einer halben Stunde bis Stunde runter, sonst drohen neurologische Folgeschäden“, spricht Schobersberger Gefahren an. Unter medizinischer Begleitung werde schon mal auf Eisbäder zurückgegriffen. Ohne fachliche Aufsicht sei diese Erste-Hilfe-Maßnahme aber keinesfalls zu empfehlen.
Vereine und Veranstalter haben viel dazugelernt
Hitzetage nehmen zu. „In der Arbeitswelt wird mit verschärften Vorgaben reagiert. Im Freizeitbereich unterliegt vieles der Eigenverantwortung“, stellen die Ärzte gegenüber. Sie orten aber ein Umdenken. Schobersberger: „Sportvereine und Veranstalter von Wettkämpfen haben schon viel dazugelernt.“
Was kann jeder Einzelne tun. „Seine Grenzen kennen“, nennt Treml Grundsätzliches. Schobersberger weist auf den Nutzen von gutem Sonnenschutz (Kopfbedeckung, Creme, ...) hin und rät zu Funktionswäsche statt Baumwolle: „Moderne Stoffe wirken temperaturregulierend, Baumwolle erzeugt einen Treibhauseffekt und begünstigt Hitzestau.“
Noch ein Tipp vom Sportarzt: „Bis zu einer Stunde Anstrengung reicht im Hobbybereich meistens bloßes Wasser, bei längeren Touren sind isotonische Getränke angeraten.“ Vieles lasse sich mit gesundem Hausverstand abwenden. Treml: „Zu welcher Tageszeit ich Sport treibe und in welcher Umgebung, macht einen großen Unterschied.“
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