Risiko wächst

Sport bei Hitze: Wann das lebensgefährlich wird

Tirol
11.05.2026 12:00

Muss der Körper große Leistungen erbringen, belasten ihn hohe Temperaturen ganz besonders. Zwei Notfall- und Sportmediziner über Grenzwerte, schwer zu deutende Warnhinweise, Eisbäder als Erste-Hilfe-Maßnahme und das richtige Augenmaß.

Ob City-Marathon oder Trailrun-Festival, ob private Österreich-Rundfahrt mit dem Rennrad oder eine ambitionierte Bergtour – beim Sporteln werden auch im Hobbybereich die Limits immer weiter nach oben verschoben. Gleichzeitig unternimmt auch das Wetter durch die Klimaveränderung immer neue Höhenflüge. Eine mitunter fatale Kombination, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Darauf weisen Sportarzt Wolfgang Schobersberger und Intensiv- und Notfallmediziner Benedikt Treml hin. Die beiden begleiten regelmäßig Wettkämpfe mit ihrer Expertise, Schobersberger unter anderem bei Olympischen Spielen.

Zitat Icon

Über 39 Grad Körperkerntemperatur wird es kritisch. Wir sprechen dann von Intensivpatienten.

Prof. Wolfgang Schobersberger, Sportmediziner

„Bei 40 Grad Fieber vermeiden wir ja auch tunlichst körperliche Anstrengung. Aber beim Sport denken viele nicht an die Möglichkeit einer Überhitzung“, beschreibt Treml vereinfacht, was im Körper passiert, wenn große Strapaz auf Hitze trifft. 37 Grad – das ist die ideale Körperkerntemperatur, wie Schobersberger ausführt: „Bis 39 Grad kann das vor allem ein gesunder Körper noch selbst gut regeln. Darüber hinaus wird es kritisch. Wir haben es dann mit Intensivpatienten zu tun.“

Wer mit dem Rad unterwegs ist, hat zumindest den Fahrtwind als natürliche Klimaanlage.
Wer mit dem Rad unterwegs ist, hat zumindest den Fahrtwind als natürliche Klimaanlage.(Bild: Christof Birbaumer)

Keine einfache Faustregel, aber mehrere Anzeichen
Doch wie kommt es zu einer Überhitzung? Und – vor allem – was kann man dagegen tun? Die einfache Faustregel gibt es laut den Medizinern nicht. „Das Alter der Sportler spielt ebenso eine Rolle wie mögliche Vorerkrankungen, Trainingszustand und vor allem die Intensität der Anstrengung“, nennt Schobersberger ein paar Kriterien. Eine Formel kann Treml dann doch anbieten: „Nicht die Dauer, sondern die Intensität der körperlichen Anstrengung macht den Unterschied. Kürzer und sehr intensiv ist im Regelfall problematischer als Ausdauersport.“

Zitat Icon

Wann ich Sport treibe und in welcher Umgebung, macht einen großen Unterschied.

Benedikt Treml, Notfallmediziner

Wann hohe Belastung und Hitze schließlich zu einem Kollaps, einer Hitzeerschöpfung oder einem Hitzschlag führen, das sei sehr individuell. Die Schwierigkeit: Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerzen sind unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. „Aber an die Hitze wird oft nicht gedacht“, meint Treml.

Höchste Alarmstufe bei neurologischen Ausfällen
Die Mediziner nennen neurologische Anzeichen wie Gehstörungen, Verwirrtheit oder schlechte Ansprechbarkeit als höchste Alarmzeichen. „Bei einem Hitzschlag zählt jede Minute. Die Temperatur sollte innerhalb einer halben Stunde bis Stunde runter, sonst drohen neurologische Folgeschäden“, spricht Schobersberger Gefahren an. Unter medizinischer Begleitung werde schon mal auf Eisbäder zurückgegriffen. Ohne fachliche Aufsicht sei diese Erste-Hilfe-Maßnahme aber keinesfalls zu empfehlen.

Die Mediziner im Gespräch mit „Krone“-Redakteurin Claudia Thurner.
Die Mediziner im Gespräch mit „Krone“-Redakteurin Claudia Thurner.(Bild: Christof Birbaumer)

Vereine und Veranstalter haben viel dazugelernt
Hitzetage nehmen zu. „In der Arbeitswelt wird mit verschärften Vorgaben reagiert. Im Freizeitbereich unterliegt vieles der Eigenverantwortung“, stellen die Ärzte gegenüber. Sie orten aber ein Umdenken. Schobersberger: „Sportvereine und Veranstalter von Wettkämpfen haben schon viel dazugelernt.“

Tiroler Gesundheitsgespräche

  • Am Dienstag, 12. Mai, in Kooperation von Tirol Kliniken mit „Tiroler Krone“ und ORF Tirol. 
  • Thema: Heiße Tage, kühler Kopf – wie wir mit zunehmender Sommerhitze umgehen und Risiken im Job und in der Freizeit erkennen.
  • Am Podium: Prof. Wolfgang Schobersberger, Leiter des Instituts für Sport-, Alpinmedizin & Gesundheitstourismus (ISAG), Benedikt Treml, ärztlicher Leiter der allgemeinen und chirurgischen Intensivstation an der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin sowie Theresa Geley, Gesundheitsdirektorin des Landes Tirol.
  • Beginn ist um 19 Uhr im Studio 3 des ORF am Rennweg in Innsbruck. 
  • Um Anmeldung wird gebeten per Mail unter: studio3.tirol@orf.at oder per Telefon unter 0512/5343-26220. Der Eintritt ist frei!

Was kann jeder Einzelne tun. „Seine Grenzen kennen“, nennt Treml Grundsätzliches. Schobersberger weist auf den Nutzen von gutem Sonnenschutz (Kopfbedeckung, Creme, ...) hin und rät zu Funktionswäsche statt Baumwolle: „Moderne Stoffe wirken temperaturregulierend, Baumwolle erzeugt einen Treibhauseffekt und begünstigt Hitzestau.“

Noch ein Tipp vom Sportarzt: „Bis zu einer Stunde Anstrengung reicht im Hobbybereich meistens bloßes Wasser, bei längeren Touren sind isotonische Getränke angeraten.“ Vieles lasse sich mit gesundem Hausverstand abwenden. Treml: „Zu welcher Tageszeit ich Sport treibe und in welcher Umgebung, macht einen großen Unterschied.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Tirol
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung