Extreme Hitze in Japan

WM-Marathon wird ein Lauf durch die Hölle

Sport-Mix
11.09.2025 11:51
Porträt von Olaf Brockmann
Von Olaf Brockmann

Nach Olympia in Paris hatte sich Julia Mayer eine Zeitlang psychisch und physisch wie in der „Hölle“ gefühlt. Jetzt kehrt die 32-Jährige freiwillig in die „Hölle“ zurück. Denn der Marathon bei der WM in Tokio wird mit Sicherheit das härteste Rennen, das sie jemals erlebt hat. 

Die „Krone“ berichtet aus Tokio

Wegen der extremen Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit wurde zwar der Start über die klassische Distanz am Sonntag bei den Frauen ebenso wie am Montag bei den Männern (mit Aaron Gruen) von 8.00 Uhr um eine halbe Stunde auf 7.30 Uhr vorverlegt. Das ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein …

„Die Vorverlegung bringt vielleicht einen kleinen Vorteil, man hätte aber den Start besser um eine Stunde früher machen sollen“, meint Österreichs Rekordläuferin. Dies war aber bei dem längst feststehenden Zeitplan kaum noch möglich. Wahrscheinlich wäre es sinnvoller gewesen, von Anfang an die Marathonläufe und die Geher-Bewerbe um 6 Uhr morgens zu starten.

Mit Österreich nicht zu vergleichen
Julia Mayer: „Jetzt werden beim Start am Sonntag schon 28 bis 29 Grad herrschen, eine Stunde später steigen die Temperaturen dann auf circa 30 bis 32 Grad. Um halb zehn ist es dann schon extrem heiß, wie ich von meinen Trainings in Chiba her weiß.“ Die Luftfeuchtigkeit während des Rennens wird von 85 auf 75 Prozent sinken. „Man kann aber diese Hitze einfach nicht mit den Bedingungen bei uns in Europa vergleichen. Es ist diese Mischung von Hitze und Luftfeuchtigkeit, die einen fertig macht. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Nachsatz: „Ich laufe gerne, wenn es warm ist. Aber bei einer solchen Hitze werde ich nie mehr im Leben einen Marathon bestreiten!“

Es sei hier in Tokio auch „doppelt so hart“ wir vor zwei Jahren bei der WM in Budapest, wo sie bei einem Hitze-Marathon den 50. Platz belegt hatte. Grundsätzlich möchte sie in Tokio aber besser abschneiden als bei der WM 2023. Ursprünglich hatte sie „Top 50“ auch als Ziel für diese WM angegeben. „Ein Platz um die 45 wäre ein Traum.“ Jetzt aber revidiert sie ihre Zielsetzungen nach unten. Sie möchte so viele Läuferinnen wie möglich überholen, die vor ihr in der Entry list liegen. Demnach wäre ein Platz unter den ersten 70 der 100 zugelassenen Läuferinnen ein Erfolg.

Es geht nur ums Überleben
Ohnehin ist bei einem Meisterschaftsrennen am Ende die Zeit allen Läuferinnen eigentlich egal. Julia Mayer ist ihren Rekord in Valencia 2023 mit 2:26:43 Stunden gelaufen. Für Tokio ist für sie ein Ergebnis um die 2:40 bis 2:45 realistisch. Es geht nur ums Durchkommen.

Auf dem Rundkurs mit Start und Ziel im „Japan National Stadium“ geht es zunächst 5 km leicht bergab, dann führt die Strecke am Kaiserpalast vorbei bis ins Herz der Metropole nach Ginza und wieder zurück. „Damit haben wir also am Schluss noch eine Steigung zu bewältigen.“ Vielleicht hat sie dann noch Kräfte, gegen Ende des Rennens einige Gegnerinnen „einzusammeln“. Sie plant, den Marathon möglichst defensiv anzugehen: „Die Frage ist, wie weit ich diese Taktik durchhalte.“

Julia Mayer und Richard Schmied, ihr Freund und Manager, in Chiba
Julia Mayer und Richard Schmied, ihr Freund und Manager, in Chiba(Bild: zVg.)

Was tun gegen die Hitze? Vor dem Rennen wird sie sich mit einer Eisweste abkühlen, alle fünf Kilometer wird sie dann an den Verpflegungsstellen vom ÖLV-Team (Hannes Gruber, Patricia Hana, Roland Werthner) sowie ihrem Freund und Manager Richard Schmied betreut, da gibt’s Elektrolyte, ein Gel und Wasser über den Kopf. Im Ziel wartet dann Team-Arzt Richard Högler auf sie …

Gruen reiste kurzfristig an
Gut eine Woche ist Julia Mayer bereits in Japan. Sie hat sich in dem bekannten Leichtathletik-Camp von Chiba, wo sie am Donnerstag lieb verabschiedet wurde, gut vorbereitet. Jetzt übersiedelte die Rekordläuferin ins offizielle Team-Hotel nach Tokio. Sie ist also bereits akklimatisiert.

Aaron Gruen noch nicht. Der 26-Jährige flog erst Donnerstag aus Boston ein. Wegen seines Medizin-Studiums in Harvard konnte er nicht früher zur WM anreisen.

Aaron Gruen
Aaron Gruen(Bild: Run Elite Program, zVg)

Julia: „Ich denke, das muss vielleicht gar kein Nachteil für ihn sein. So kann er in Tokio nicht nachdenken, was auf ihn zukommt.“ Denn das Wetter spielt total verrückt. Kürzlich gab es einen Taifun, dann schreckliche Hitze und diesen Freitag ein Gewitter mit einem sintflutartigen Regen. Wie gesagt: Der Marathon droht, zu einem Lauf durch die Hölle zu werden.

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