Österreichs unterirdische Wasserreserven geraten schon vor dem Sommer zunehmend unter Druck: Laut einer aktuellen Analyse der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind die Grundwasserstände in weiten Teilen des Landes so niedrig wie selten zuvor. Die Auswertung sorgt für Alarmstimmung – und wirft zugleich Fragen zur langfristigen Wassersicherheit auf.
Die Organisation hat 227 Grundwasser-Messstellen mit Stand Ende April untersucht. Das Ergebnis: Rund 70 Prozent der Messpunkte weisen niedrige oder sehr niedrige Wasserstände auf. Besonders auffällig ist, dass mehr als jede zehnte Messstelle so geringe Werte zeigt wie zu diesem Zeitpunkt noch nie zuvor.
West- und Südösterreich besonders betroffen
Regional zeigt sich ein deutliches Gefälle. Am stärksten betroffen sind Oberösterreich, Salzburg und Kärnten. In Oberösterreich verzeichnet mehr als ein Drittel der Messstellen Rekordtiefs für Ende April. In Salzburg betrifft das mehr als ein Viertel der Stationen, in Kärnten rund jede fünfte.
Als Hauptursache nennt Greenpeace die anhaltende Trockenheit der vergangenen Monate. In fünf der letzten sechs Monate habe es zu wenig Niederschlag gegeben, teils nur rund ein Drittel der üblichen Menge. Zwar brachte der Februar regional mehr Regen, das Defizit konnte jedoch nicht ausgeglichen werden.
Offizielle Daten bestätigen angespannte Lage
Die grundsätzliche Entwicklung wird auch durch offizielle Stellen gestützt. Daten der österreichischen Hydrographie zeigen, dass der Winter 2025/2026 ungewöhnlich mild und trocken war. Niedrige Schneemengen führten zu einer eingeschränkten Neubildung von Grundwasser. Bereits im Winter lagen zeitweise rund 60 Prozent der Messstellen unter dem langjährigen Mittel.
Die aktuelle Greenpeace-Auswertung fällt somit in eine Phase, in der die Grundwasserstände nach einem trockenen Frühling weiter unter Druck standen. Solche saisonalen Tiefstände sind zwar grundsätzlich nicht ungewöhnlich, die Häufung von sehr niedrigen Werten und regionalen Rekorden gilt jedoch als auffällig.
Bedeutung für Trinkwasser und Wirtschaft
Grundwasser ist in Österreich die wichtigste Quelle für Trinkwasser und spielt auch für Landwirtschaft und Industrie eine zentrale Rolle. Trotz der aktuell angespannten Situation gilt die Trinkwasserversorgung derzeit als gesichert. Fachleute verweisen jedoch darauf, dass wiederkehrende Trockenperioden langfristig Risiken bergen könnten.
Kritik an fehlender Transparenz
Greenpeace fordert angesichts der Entwicklung konkrete politische Maßnahmen. Im Zentrum steht ein Wasserentnahme-Register, das im Regierungsprogramm vorgesehen ist. Dieses soll erstmals transparent machen, wie viel Grundwasser von Industrie und Landwirtschaft tatsächlich genutzt wird. Derzeit fehlt eine solche zentrale Übersicht.
Zudem warnt die Organisation vor möglichen Änderungen auf EU-Ebene. Konkret geht es um Bestrebungen, die europäische Wasserrahmenrichtlinie abzuschwächen. Greenpeace sieht darin eine Gefahr für den Schutz von Gewässern und Grundwasser.
Belastbare Daten, zugespitzte Kritik
Die Kernaussagen der Analyse – hoher Anteil niedriger Grundwasserstände, regionale Schwerpunkte und meteorologische Ursachen – werden durch offizielle Berichte gestützt. Gleichzeitig bleibt aber noch offen, wie repräsentativ die Auswahl der 227 Messstellen für ganz Österreich ist, da nicht das vollständige Messnetz einbezogen wurde.
Die Interpretation der NGO ist damit wohl teilweise zugespitzt, unstrittig ist jedoch, dass die aktuelle Entwicklung den Druck auf die Wasserressourcen erhöht – und die Frage nach einem nachhaltigeren Umgang mit Grundwasser weiter an Bedeutung gewinnt.
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