Ein Gespräch mit ÖVP-Klubobmann Bernd Strobl über Kritik, Humor, Elefanten, das Schwammerlsuchen und sein Kabarettprogramm, das er schreiben wird, wenn es ihn nicht mehr freut, „ein bisschen schärfer“ zu reden.
Seit 2012 steht Bernd Strobl der Gemeinde Ollersdorf als Bürgermeister vor, seit dem Vorjahr ist der 51-Jährige Klubobmann der ÖVP Burgenland. Politische Laien mögen in dieser Funktion „Männer fürs Grobe“ orten: Man richtet dem andersfarbigen Widerpart mit Formulierungen, die der jeweilige Parteichef niemals in den Mund nehmen würde, aus, was von den Ideen gehalten wird. Und das ist immer: Nichts. Strobl, dem die Rolle auf den Leib geschneidert ist, schaut kurz auf und repliziert auf diese Job-Description: „Wenn ein bisschen schärfer geredet werden muss, bin ich zur Stelle.“ Dass ihn dann der Kontrahent manchmal am liebsten am Krawattl packen würde – die Chancen stehen gut, Strobl hat 300 daheim – sieht er ein. „Dann gehen wir auf einen Schweinsbraten, reden uns aus und alles ist gut. Politik ist Politik.“
Laientheater ist eine gute Schule für die Politik. Ich habe meistens komische Rollen gespielt. Sobald ich die Bühne betrat, haben die Leute schon gelacht.
ÖVP-Klubobmann Bernd Strobl
Gelernt hat Strobl sein Handwerk nicht zuletzt am Laientheater in Ollersdorf, wo er 30 Jahre lang aufgetreten ist. „Meine liebsten Rollen waren die komischen. Die sind schwer zu spielen, weil es sich meist um ausgeprägte Charaktere handelt.“ In Erinnerung geblieben ist ihm das Stück „Ewig rauschen die Gelder“, bei dem es um Sozialbetrug geht. „Da hatte ich 600 Einsätze. Diese Textmengen muss man sich einmal merken! Insofern war das Laientheater eine gute Schule für die Politik. Auch, was die Reden vor Publikum betrifft.“
Die Kunst, sich nicht lächerlich zu machen
Weil es schwierig sei, mit der Jugend ins Gespräch über Politik zu kommen, ging Strobl „mit der Zeit“. Seit vergangenen Sommer wurden 100 Videos von „Mahlzeit, Bernd!“ gedreht und via Facebook online gestellt. Die Frage „Was gibt’s denn heute?“ wird dabei stets mit Unzulänglichkeiten der SPÖ beantwortet. „Ich will Inhalte mit Humor transportieren. Die Kunst dabei ist, sich nicht lächerlich zu machen.“ Das Format habe Erfolg: „Letztens hat mich ein Taxler in Tirol mit ,Mahlzeit, Bernd!’ begrüßt.“
„Ich vergesse nie!“
Dass die Videobotschaften nicht jeder lustig findet, ist Strobl klar. „Kritik ist wichtig und gut, wenn sie sachlich ist. Wenn sie von Hass getrieben wird, nehme ich sie zur Kenntnis. Nicht mehr.“ Was ihn auf die Palme bringt? „Wenn jemand versucht, mich links zu überholen und Fakten anders darstellt als sie sind. Bei Ungerechtigkeit und Unwahrheit reagiere ich wie ein Elefant. Ich vergesse nie!“
Die Schwammerl bleiben im Wald
Unparteiisch war Strobl nie, außer auf dem Fußballplatz, als Profis 15 Jahre lang nach seiner Schiedsrichterpfeife tanzten. Heute müsse er Hobbys aufgrund der 16-Stunden-Arbeitstage hintanstellen. „Ich war passionierter Schwammerlsucher. Jetzt komme ich kaum in den Wald.“ Den Schmäh, dass ihm die Schwammerl anderorts über den Weg laufen, dürfte er sich verbissen haben.
Und wenn es ihn nicht mehr freuen sollte, „ein bisschen schärfer“ zu reden? „Dann schreibe ich ein Kabarettprogramm und mache das, was ich jahrzehntelang gemacht habe: mich lustig.“
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