Volksgruppenhaus

Dieses Haus ist einzigartig in ganz Österreich

Burgenland
03.05.2026 06:00

Noch vor der offiziellen Eröffnung sorgt das neue Haus der Volksgruppen für Gesprächsstoff. Dabei steht das Projekt in Oberwart im Burgenland für etwas, das es in Österreich kein zweites Mal gibt: das jahrhundertealte Miteinander von drei Volksgruppen.

Die Schlüssel sind übergeben, eröffnet wird am 26. September – bewusst am Europäischen Tag der Sprachen. Mit dem neuen „Haus der Volksgruppen“ bekommt das Burgenland in Oberwart einen Ort, den es in Österreich kein zweites Mal gibt. Denn nirgendwo sonst leben gleich drei anerkannte autochthone Volksgruppen so selbstverständlich miteinander: Burgenland-Kroaten, Burgenland-Ungarn sowie Roma und Sinti. Ihre Sprache, Kultur und Geschichte prägen die Region seit Jahrhunderten. Genau dieses Miteinander soll das neue Haus künftig sichtbar machen.

Rund um „100 Jahre Burgenland“ entstand die Idee eines gemeinsamen Hauses für die Volksgruppen. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) griff den Gedanken auf, zwei Millionen Euro aus der Jubiläumsgabe des Bundes flossen in das Projekt. „Mit dem Volksgruppenhaus würdigen wir den Beitrag der Volksgruppen zur Identität, Geschichte und Gegenwart unseres Landes“, sagt Doskozil. Ziel sei eine „dauerhafte Struktur für Kooperation, kulturellen Dialog und gemeinsame Zukunftsarbeit“.

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Die Volksgruppen leisten einen wichtigen Beitrag zur Identität, Geschichte und Gegenwart des Landes – kulturell und sprachlich.

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ)

Wohnungen, Gästezimmer und ein Bistro
Das ehemalige Internat in Oberwart wurde dafür zu einem offenen Kultur- und Begegnungszentrum umgebaut. Heute finden dort ein Veranstaltungssaal, Seminarräume, eine Bibliothek, Büros, Gästezimmer, ein Bistro und 20 Wohnungen Platz. Unter einem Dach arbeiten dort künftig der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein, der Kroatische Kulturverein im Burgenland, Roma Service, die VHS der Roma, die VHS der Ungarn sowie Radio Mora zusammen.

Dieses Haus soll allen offen stehen
Entscheidend war den Beteiligten dabei vor allem eines: Das Haus soll allen offenstehen. „Viele glauben, das ist nur für Volksgruppenorganisationen“, sagt Attila Somogy, Vorsitzender der Volksgruppe der Ungarn. „Dabei ist unser Bereich nur ein kleiner Teil davon. Und wir zahlen alle Miete.“ Das Haus soll künftig leben. Hier wird diskutiert, gefeiert, musiziert und gearbeitet. Vereine sollen Räume nutzen, Besucher ins Bistro kommen oder Veranstaltungen besuchen. „Vielleicht wird das so etwas wie ein kleines Wiener Kaffeehaus“, sagt Somogy. „Ein Ort, wo Menschen zusammenkommen.“

Dass ausgerechnet Oberwart ausgewählt wurde, sehen die Volksgruppenvertreter deshalb fast als logische Entscheidung. „Kaum eine andere Stadt steht so sehr für das kulturelle Miteinander im Burgenland“ , sagt Harald Ladich von der kroatischen Volksgruppe.

Für ihn ist das neue Haus auch eine Antwort auf Entwicklungen, die viele Volksgruppen seit Jahren beschäftigen. Überalterung, Nachwuchsmangel und Sprachverlust seien längst Realität. „Wenn man stolz darauf ist, dass dieses Land multikulturell und offen ist, dann gehört auch so ein sichtbarer Ort dazu.“ Man solle hereinkommen, Veranstaltungen besuchen, Sprache hören und erleben können, dass diese Vielfalt selbstverständlich dazugehöre.

Sichtbar machen, was längst dazugehört
Für Emmerich Gärtner-Horvath von der Roma-Volksgruppe liegt genau darin die eigentliche Stärke des Projekts. „Jetzt haben wir erstmals einen Ort, an dem wir sichtbar sein und gemeinsam Projekte entwickeln können“, sagt er. Gerade gemeinsame Veranstaltungen und Jugendarbeit sollen dadurch leichter möglich werden.

Es soll nicht nur Kultur bewahren. Sondern sichtbar machen, was diese Region seit Jahrhunderten prägt: Dass Vielfalt hier nie etwas Fremdes war, sondern immer Teil der eigenen Identität.

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