Als erste Österreicherin hat Anastasia Potapova das Halbfinale eines WTA-1000-Turniers erreicht. Die 25-Jährige bezwang die Tschechin Karolina Pliskova am Mittwoch in Madrid in einem dramatischen Krimi mit 6:1, 6:7(4) und 6:3 und zog damit in die Runde der besten vier ein.
Anastasia Potapova hat sich am Mittwoch erstmals für das Halbfinale eines WTA-1000-Turniers qualifiziert. Die 25-jährige Neo-Österreicherin bezwang im Viertelfinale des Events in Madrid die ehemalige Weltranglisten-Erste Karolina Pliskova aus Tschechien nach zwei Stunden 6:1,6:7(4),6:3. Potapova hat damit auch ein Stück rot-weiß-rote Tennis-Geschichte geschrieben: Seit Einführung des 1000er-Levels 2009 hatte es keine Österreicherin in die Vorschlussrunde geschafft.
Mit dem Halbfinaleinzug hat Österreichs Nummer 1 nun 390 WTA-Zähler und brutto 297.550 Euro sicher. Im WTA-Live-Ranking kletterte Potapova auf Platz 38, sie war in der Vergangenheit schon einmal WTA-Nummer 21 gewesen. Und in der Wertung von diesem Kalenderjahr, also dem Race, ist die gebürtige Russin, die zuletzt in Linz erst im Endspiel verloren hat, gar schon auf Platz 16 vorgeprescht. Gegnerin im für Donnerstag (nicht vor 21.30 Uhr) angesetzten Halbfinale ist Marta Kostjuk (Nr. 26.) Die Ukrainerin besiegte die Tschechin Linda Noskova (13) 7:6(1), 6:0.
Als Lucky Loser im Semi: „Nicht um viel Geld geglaubt“
Noch vor einer Woche war sie in der Qualifikation gegen Sinja Kraus ausgeschieden, nun steht sie im Semifinale. „Nein, nicht um viel Geld hätte ich das geglaubt“, sagte Potapova im Interview mit der WTA. „Das macht unseren Sport so wunderschön“, sagte Potapova, die zu Beginn des dritten Satzes schon wie die Verliererin ausgesehen hatte. Dementsprechend groß war die Freude und es gab auch Tränen, als sie doch noch gewann. „Ich bin sprachlos und superglücklich. Es war eine Explosion der Emotionen. Ich hatte Matchbälle im zweiten Satz bei eigenem Aufschlag und konnte meine Nerven nicht zähmen. Dieses Turnier scheint mir die zweiten Chancen zu geben und ich nutze sie weiter“, erklärte Potapova.
Potapova, die zuvor die Weltranglisten-Zweite und Australian-Open-Siegerin Jelena Rybakina ausgeschaltet hatte, war zu Beginn die klare Chefin auf dem Platz und zog innerhalb von nur 17 Minuten auf 5:0 davon. Satz eins war nach 23 Minuten vorbei. Satz zwei verlief weit enger. Als Potapova das Break zum 4:3 gelungen war, fand sie bei 5:4 zwei Matchbälle vor, doch Pliskova schaffte überraschend das Rebreak. Die Wahl-Wienerin lächelte die Frustration darüber weg und breakte Pliskova zu Null zum 6:5. Doch auch den dritten Matchball konnte Potapova danach nicht verwerten, es kam zum Tiebreak. Zwar holte sie ein 0:3 noch auf, doch eine nun stark aufspielende Pliskova nutzte den ersten Satzball zum 7:4.
Verbesserte Beinarbeit bringt Potapova zurück
Durchgang Nummer 3 begann mit drei Breaks in Folge, Pliskova bestätigte als erste zum 3:1. Als Potapovas Freund, der niederländische Profi Tallon Griekspoor, in der Box erschien und sie anfeuerte, fing sich Potapova wieder und drehte das 1:3 zum 4:3. Das Reinrufen „Beine, Beine, Beine“ zeigte Wirkung, sie bewegte sich wieder viel besser. Potapova servierte bei 5:3 zum dritten Mal in dieser Partie auf das Match und diesmal verwertete sie ihren vierten Matchball – mit einem Ass.
„Im dritten Satz war ich mental schon weg. Ich habe nicht mehr an mich geglaubt“, gestand Potapova, die fast schon 0:4 in Rückstand geraten wäre. „Viel Respekt an meinen Freund, der gerade rechtzeitig gekommen ist: Im dritten Satz war es sein Job, dass ich gewonnen habe, er hat mich mental dort hingebracht.“
Potapova hatte in der zweiten Qualifikationsrunde ausgerechnet gegen ihre Landsfrau Sinja Kraus verloren und war dann als Lucky Loser in den Hauptbewerb gerutscht. Kraus wiederum verlor in der ersten Runde gegen Pliskova mit 6:2,1:6,4:6. Und zum Thema Lucky Loser hat Potapova ebenfalls eine für Statistiker interessante Zahl erreicht: Erstmals seit 36 Jahren hat eine eigentlich in der Qualifikation schon ausgeschiedene Spielerin in der höchsten WTA-Turnierkategorie das Semifinale erreicht.
Tagger bei WTA125-Turnier im Viertelfinale
Auf kleinerer Bühne hat Österreichs große Zukunftsaktie Lilli Tagger beim WTA125-Turnier in St. Malo das Viertelfinale erreicht. Die 18-jährige Osttirolerin, die in Frankreich als Nummer 6 gesetzt ist, schlug die Französin Amandine Monnot 6:4,6:1. Tagger trifft nun auf die topgesetzte Tschechin Tereza Valentova.
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