„Schwerverbrecherin“

Ex-RAF-Terroristin wegen Überfällen vor Gericht

Ausland
29.04.2026 15:03
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette steht derzeit in Deutschland wegen mehrerer Raubüberfälle auf Supermärkte und Geldtransporter vor Gericht, die sich zwischen 1999 und 2016 ereignet hatten. Klette soll sich damit, gemeinsam mit zwei weiteren RAF-Komplizen, ihr Leben im Untergrund finanziert haben. 

Klette steht wegen versuchten Mordes, schweren bandenmäßigen Raubes und Verstößen gegen Waffengesetze in Zusammenhang mit Raubüberfällen auf Geldtransporter und Supermärkte vor Gericht. „Diese Raubüberfälle haben nichts mit RAF zu tun“, sagte Staatsanwältin Annette Marquardt am Mittwoch. Klette sei eine „Schwerverbrecherin, nicht mehr und nicht weniger“.

Mit zwei RAF-Komplizen Beute gemacht
Klette soll die Überfälle gemeinsam mit ihren Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub, ebenfalls frühere RAF-Terroristen, begangen haben. Das Trio soll laut Anklage in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zwischen 1999 und 2016 mehr als zwei Millionen Euro erbeutet haben. Die Staatsanwältin sagte, Klette habe auf Kosten der Opfer mit dem geraubten Geld ihr Leben im Untergrund und ihre Urlaube finanzieren wollen, „ohne Rücksicht auf Verluste“.

Daniela Klette auf einem RAF-Fahndungsbild von 1988
Daniela Klette auf einem RAF-Fahndungsbild von 1988(Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur)

Zahlreiche Beweisstücke in Berliner Wohnung
Die Deutsche war im Februar 2024 in ihrer Berliner Wohnung festgenommen worden, von Garweg und Staub fehlt weiter jede Spur. In Klettes Wohnung fanden die Ermittler zahlreiche Beweise. „Diese Wohnung war eine Asservatenkammer“, berichtete die Staatsanwältin. „Dankenswerterweise hat Frau Klette nichts weggeworfen.“ Demnach lagen dort Waffen, Munition, eine Panzerfaust-Attrappe, gefälschte Ausweise, Perücken, Gold und 240.000 Euro Bargeld.

Außerdem stellten die Ermittler Fotos, Skizzen und Aufzeichnungen von Routen von Geldtransportern, ausspionierten Supermärkten und Polizeiwachen in Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sicher. „Frau Klette hat eine wunderbare Buchführung gemacht“, sagte die Staatsanwältin am ersten Tag ihres Plädoyers.

Die Polizei entdeckte in der Wohnung zudem mehrere Handys, Rechner, Sturmhauben und Flecktarnhosen. Die Kleidung sei nach all den Jahren „dankenswerterweise ungewaschen“, sagt die Staatsanwältin. Experten konnten so DNA-Spuren von Garweg und Klette nachweisen. Auch in Fluchtautos fanden die Ermittler später DNA-Spuren, darunter sollen laut einer Expertin Mischspuren von Klette sein.

Zahlreiche Opfer kämpfen noch mit Folgen
Die Angeklagte habe bei den ihr zur Last gelegten Raubüberfällen eine „hohe kriminelle Energie“ und ein „brachiales Vorgehen“ an den Tag gelegt, sagte Marquardt in ihrem Schlusswort. Zahlreiche Opfer kämpfen demnach noch heute mit den psychischen Folgen.

Die Höhe des geforderten Strafmaßes habe nichts mit der mutmaßlichen RAF-Vergangenheit von Klette zu tun, betonte die Anklagevertreterin. Vielmehr sei strafverschärfend zu bewerten, dass es eine Raubserie mit sehr hoher Beute und zahlreichen Betroffenen war. „Viele der Geschädigten haben Langzeitfolgen“, sagte die Staatsanwältin. Auch wenn die Opfer körperlich unversehrt blieben, seien die Überfälle gefährlich für alle Beteiligten gewesen. Reue habe die Angeklagte bis zuletzt nicht gezeigt.

Staatsanwältin: Keine Reue bei Klette
Mit scharfen Worten kritisierte die Staatsanwaltschaft Klettes Verhalten vor Gericht. Sie habe die Angeklagte als „vollkommen ich-bezogen“ erlebt, sagte sie. „Reue und Einsicht sehen eindeutig anders aus.“ Das habe sich einmal mehr gezeigt, als ein Polizeibeamter als Zeuge davon berichtet habe, dass eine zufällig an einem Tatort anwesende Elfjährige anschließend ein Jahr in Therapie gewesen sei. Bei der Schilderung habe Klette „zum Teil gegrinst und mit dem Kopf geschüttelt“. „Das ist mir besonders sauer aufgestoßen“, unterstrich Marquardt.

Auch zwei Vertreter der Nebenkläger forderten lange Gefängnisstrafen. Der Prozess wird am 12. Mai mit einem weiteren Plädoyer der Nebenklage fortgesetzt.

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