In seiner aktuellen Kolumne beschäftigt sich Schriftsteller Robert Schneider mit Frauen und Männern in Chefpositionen und dem Thema sexuelle Belästigung. Der souveräne Umgang mit Macht – gerade in Bezug auf ein andersgeschlechtliches Gegenüber – ist offenbar nicht jedem gegeben.
Habe mich mit Karl über sexuelle Belästigung unterhalten. Sie wissen nicht, wie gut es tut, endlich mal jemanden zu finden, der wie ein Bruder im Herzen ist, geerdet, sich getraut, den Mund aufzumachen, halt einfach noch ein richtiger Mann ist.
Katschmareck
Karl ist in der Firma seiner Frau tätig. Sozusagen angestellt, auch wenn er mausallein den Laden schmeißt. Ohne ihn geht nichts. Aber sie hat das Geld, interessiert sich eher fürs Springreiten. Von jeher. Vorarlberger Erbadel. Sie nennt ihn „Mein Katschmareck“. Keine Ahnung, wie sie auf den Namen kommt. „Die meisten Hausbesorger in Wien heißen Katschmareck. Darum nennt sie mich so. Weil ich immer der Blöde bin“, meint Katschmar... ähm, natürlich Karl.
Wir redeten über das Weißmann-Urteil, über den ORF-Generaldirektor, der völlig unschuldig war, sofort zurückgetreten ist, ehe seine Unschuld bewiesen war, dann doch wegen dem „Anschein unangemessenen Verhaltens“ vom Küniglberg gekickt wurde.
Ganz andere Zeiten
„So ein Waschlappen“, sagte Karl. „Der hätte ich den Marsch geblasen!“ – „Du, nimm das Wort blasen nicht so gedankenlos in den Mund“, erwiderte ich. „Das kann schlimme Konsequenzen haben.“ – „Ich lasse mich von keiner Frau erpressen. Die klage ich sofort wegen gefährlicher, existenzbedrohender und mutwillig vernichtender Nachrede.“ – „Gibt es so eine Anklageformulierung überhaupt?“, warf ich ein. – „Weiß ich nicht, aber ich steige noch immer ohne Zeuge mit einer jüngeren Frau in den Lift. Mein Prokurist tut das schon lange nicht mehr.“ – „Du bist eben ein mutiger Mensch. Aber schau: Es könnte doch sein, dass eine ehemalige Angestellte, jetzt Urgroßmutter, behauptet, die hättest ihr am 4. Juni 1988, also vor 38 Jahren, auf den Po geklopft.“ – „Das waren noch ganz andere Zeiten“, antwortete Karl. Im selben Augenblick erblasste er.
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