Fr, 22. Juni 2018

Angriffe in Gaza

09.07.2014 18:31

Abbas wirft Israel "Völkermord" vor

Israel und militante Palästinenser im Gazastreifen liefern sich eine immer härtere Schlacht. Die Zahl der Toten bei israelischen Luftangriffen in dem Küstenstreifen stieg am Mittwoch nach Angaben von Sanitätern auf über 40. Es mehren sich auch Berichte über zivile Opfer, darunter Frauen und Kinder. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas warf Israel wegen der intensiven Luftangriffe "Völkermord" vor.

"Das ist ein Völkermord. Die Ermordung ganzer Familien ist ein Völkermord, den Israel an unserem palästinensischen Volk verübt", sagte Abbas nach einem Krisentreffen der palästinensischen Führung in Ramallah.

Raketen schlugen in der Nähe eines SOS-Kinderdorfes ein
Bei einem Luftschlag wurde nach palästinensischen Angaben eine fünfköpfige Familie getötet, darunter eine Frau und zwei Kinder. In der Nähe des SOS-Kinderdorfes in Rafah im Gazastreifen gingen nach Angaben der Organisation 15 israelische Raketen auf Hamas-Camps nieder. Die Kinder des Dorfes seien durch die Detonationen traumatisiert. Aus Sicherheitsgründen dürften sie das Dorf nicht mehr verlassen.

Seit Beginn der Operation "Zuk Eitan" (Fels in der Brandung) am Dienstag sind bei israelischen Luftangriffen nach palästinensischen Angaben 43 Menschen getötet worden, darunter Frauen und Kinder. Radikale Gruppen feuerten in der Zeit rund 160 Raketen auf israelische Ziele. Einige Raketen schlugen in Tel Aviv, Jerusalem und sogar in Zielen weit im Norden ein. Menschen eilten in die Schutzräume. Getötet wurde nach israelischen Angaben bisher niemand.

Islamischer-Dschihad-Chef getötet
Bei einem Angriff auf ein Haus in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben in der Nacht auf Mittwoch Hafez Hamad, Anführer der Gruppe Islamischer Dschihad, sowie vier seiner Angehörigen getötet. Eine bisher nicht identifizierte Frau war ebenfalls unter den insgesamt sechs Todesopfern.

Bei einem weiteren israelischen Luftangriff in der Nacht in der südlichen Stadt Rafah starb ein junger Palästinenser. Insgesamt seien seit Dienstagmorgen etwa 260 Menschen verletzt worden, berichteten Sanitäter und Sicherheitsleute. Neben den Opfern der Luftangriffe starben zudem vier bewaffnete Palästinenser 2,5 Kilometer nördlich des Gazastreifens, als sie von See her das Militärcamp Zikim angriffen.

Rakete über Tel Aviv abgefangen
Am späten Dienstagnachmittag hatte das Luftabwehrsystem "Eiserner Dom" zuvor nach Angaben aus Armeekreisen über der Mittelmeermetropole Tel Aviv eine Rakete abgefangen. Es war der erste Angriff auf die neben Jerusalem wichtigste Stadt des Landes seit Beginn der jüngsten Eskalation. Kurz darauf ertönte auch in Jerusalem Luftalarm. Die Hamas erklärte am Dienstagabend, auch die nordisraelische Großstadt Haifa sei beschossen worden. Mit 140 Kilometern Entfernung wäre die drittgrößte Stadt Israels das bisher am weitesten entfernte Ziel der Extremisten. Allerdings berichteten Bewohner, in Haifa habe es keinen Alarm gegeben.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi habe Abbas am Telefon zugesichert, sein Land werde sich für einen Waffenstillstand zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas einsetzen, hieß es in einer Mitteilung des Büros von Präsident Abbas. Die Arabische Liga forderte den UN-Sicherheitsrat in New York auf, eine Dringlichkeitssitzung wegen der Lage in Nahen Osten abzuhalten, schrieb die israelische Zeitung "Haaretz" am Dienstag.

Auslöser der jüngsten Runde der Gewalt waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern am 12. Juni sowie der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen in der vergangenen Woche. Israel ist seit der Entführung massiv gegen die Infrastruktur der Hamas im Westjordanland vorgegangen und hat hunderte Mitglieder der Organisation festgenommen.

Netanyahu: "Die Samthandschuhe ausziehen"
Nach Angaben des israelischen Militärsprechers Arye Shalicar hat die Armee die Mobilisierung von bis zu 40.000 Reservesoldaten bewilligt, um je nach Entwicklung eine Bodenoffensive zu starten. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte an, im Kampf gegen die Hamas sei es an der Zeit, "die Samthandschuhe auszuziehen". Die Israelis sollten "Standfestigkeit beweisen, denn diese Operation könnte Zeit benötigen".

Die EU reagierte extrem beunruhigt auf die eskalierende Gewalt in Nahost. "Wir verfolgen die sich rasch verschlechternde Lage im Süden Israels und im Gazastreifen mit schwerer Besorgnis", erklärte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. "Die EU verurteilt das willkürliche Feuer auf Israel durch militante Gruppen im Gazastreifen scharf." Doch auch die wachsende Anzahl ziviler Opfer, insbesondere Kinder, durch israelisches Gegenfeuer verurteile die EU. Alle Seiten müssten "äußerste Zurückhaltung" walten lassen und alles an eine sofortige Waffenruhe setzen.

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