Bundespräsident Alexander Van der Bellen sucht immer wieder ganz bewusst den Kontakt zu verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Am Samstag war er in Stinatz zu Gast – und ganz begeistert von der fröhlichen Stimmung in der zweisprachigen Gemeinde.
Als Alexander Van der Bellen (82) bei der Bundespräsidentenwahl 2016, also vor zehn Jahren, zum ersten Mal in das höchste politische Amt im Staat gewählt wurde, erzielte er in Stinatz im Bezirk Güssing mit 68 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis im gesamten Burgenland. Die hohe Zustimmung in der rund 1200 Einwohner zählenden Marktgemeinde hielt auch bei seiner Wiederwahl 2022 an: damals kreuzten 64 Prozent seinen Namen an. Beide Male lag das Resultat deutlich über dem Österreich-Schnitt.
Rückkehr mit Applaus
„Dass Van der Bellen in unserer deutsch-kroatisch-sprachigen Ortschaft bis heute auf große Resonanz stößt, liegt zweifelsohne an seiner Wertschätzung für Minderheiten. Immerhin gilt Stinatz als Hochburg der Burgenlandkroaten“, sagt ÖVP-Bürgermeister Andreas Grandits. Mit Appellen wie „Die sprachliche und kulturelle Vielfalt Österreichs ist ein Schatz, den wir bewahren müssen“ oder „Minderheiten sind keine Gnade, sondern Teil unserer Verfassung und Identität“ betont das Staatsoberhaupt in seinen Reden immer wieder die Verantwortung der Republik gegenüber anerkannten Volksgruppen, den Schutz der autochthonen Minderheiten und die Erinnerung an die oft späte Umsetzung von Minderheitenrechten.
Private Verbindung
Auch persönlich ist Van der Bellen mit der Region rund um Stinatz eng verbunden. Viele Jahre besaß er im zwei Kilometer entfernten Nachbarort Wörterberg ein Haus, das ihm im Urlaub oder an freien Wochenenden als Rückzugsort diente.
„So baute er über die Jahre eine starke Beziehung zur lokalen Bevölkerung und Kultur auf. Als etwa Thomas Stipsits noch ein junger aufstrebender Kabarettist war und seine ersten Auftritte hatte, saß er im Publikum. Auch seine Zigaretten hat er in der Trafik in Stinatz gekauft“, weiß Bürgermeister Grandits, der Van der Bellen und dessen Ehefrau Doris Schmidauer gestern zu einem Besuch in die alte „Wahlheimat“ lud.
Entzückende Auftritte
Beim feierlichen Empfang war diese Nähe deutlich zu spüren. Die Kindergarten- und Volksschulkinder trugen dem Ehrengast aufgeregt einige Ständchen vor, bevor der Damenchor „Šari Stinjaki“ Volkslieder zum Besten gab. Besonders angetan zeigte sich Van der Bellen vom temperamentvollen Auftritt des Tamburizza- und Folklore-Ensembles „Stinjačko kolo“ (deutsch: Stinatzer Reigen).
Gekleidet in die Festtagstracht führte die Dorfjugend nämlich den Stinatzer Hochzeitstanz auf, der schon im 19. Jahrhundert bei Eheschließungen zelebriert wurde und als zentraler Bestandteil der traditionellen kroatischen Hochzeit seit 2020 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört.
„Das beeindruckt!“
„Von den berühmten Stinatzer Ostereiern bis zu den legendären Hochzeiten hier im Ort, Stinatz ist eine ganz besondere Gemeinde. Hier wird Vielfalt gelebt und wertgeschätzt“, erklärte Van der Bellen, bevor der Musikverein die Bundeshymne intonierte.
Im Anschluss ließen sich die „First Lady“ und er von Meisterinnen die Handwerkskunst des Ostereierkratzens erklären. Und unterhielten sich, zugänglich und unprätentiös wie sie sind, mit Bürgern, Gemeindepolitikern und Vereinsvertretern angeregt über gemeinsame Werte und Identität sowie das beachtliche ehrenamtliche Engagement und den starken Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt im Dorf, den es in vielen Gemeinden so nicht mehr gibt. „Diese Lebendigkeit ist beeindruckend. Alleine die unzähligen Vereine mit den vielen ehrenamtlichen Mitgliedern zeigen, die sehr der Ort pulsiert“, lobte Van der Bellen.
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